Frierende Frankfurter

Wir arbeiten auch bei Eises-Kälte im Freien

Eisige Temperaturen machen den Frankfurtern das Leben schwer - vor allem denen, die im Freien arbeiten müssen. Wir haben Postboten, Verkehrspolizisten, Marktbeschicker und Müllmänner gefragt, wie sie sich auf die Rekord-Kälte einstellen.

Bürojobber haben's gut: Gegen die klirrende Kälte, die Frankfurt seit Wochenbeginn in ihren Fängen hat, hilft nichts besser als heißer Tee, eine warme Heizung und - sicher ist sicher - ein paar Kekse.

Aber was ist mit denen, die auch bei diesen Temperaturen im Freien arbeiten müssen? Mit Streifenpolizisten, Gärtnern, Marktbeschickern, Postboten und Bauarbeitern?

Wir haben nachgefragt:

Andrew McCormack, Sprecher der Frankfurter Polizei, ist ganz der Profi: “Kälte- oder hitzefrei gibt es bei uns nicht. Eine Schicht als Streifenbeamter dauert zwölf Stunden, dafür packt man sich dann schon besonders dick ein. Wir haben Bekleidung für alle Witterungsverhältnisse. Unsere Schuhe haben zum Beispiel dicke Gummisohlen, falls in der Nähe ein Blitz einschlägt. Und unser Winteranorak ist besonders dick. Dazu packt sich dann jeder Kollege noch nach eigenem Ermessen warm ein, zum Beispiel mit langen Unterhosen. Außerdem stellen wir uns mit der Verpflegung auf die Situation ein, haben heißen Tee oder etwas warmes zu Essen dabei - und manchmal spendiert auch jemand den Streifenbeamten einen heißen Kaffee.” msb/ako

Katja Berbalk, Marktbeschickerin auf dem Erzeugermarkt Konstablerwache, findet's schon arg kalt: “Ich sage immer: Ganz kalt und ganz heiß ist schlecht für den Markt. Zurzeit ist es schon heftig. Die Leute mit Obst und Gemüse bleiben zum Teil zuhause, weil ihnen die Ware schlicht auf dem Tisch wegfriert und kaputtgeht. Wir selbst haben Lammspezialitäten, das ist etwas entspannter. Wir haben einen geschlossenen Wagen mit Kühltheke - die müssten wir bei den Temperaturen eigentlich gar nicht anmachen. Aber unter der Woche, auf dem Hof, macht uns die Kälte schon zu schaffen. Man ist binnen Minuten durchgefroren, egal, was man macht. Und man wird auch schneller müde. Auf dem Markt selbst ist es für uns dann nicht ganz so schlimm. Härter ist es für die Beschicker, die draußen unterm Schirm stehen und Wind und Wetter ausgesetzt sind. Aber die Kunden an der Konstablerwache kommen bei jedem Wetter, das ist gut. In Wiesbaden ist das anders, das ist ein reiner Schönwettermarkt." cb

Volker Bannert, Vorsitzender des NABU Frankfurt, bleibt ganz entspannt. “Die Tiere sind die Kälte gewöhnt, früher hat es schließlich häufiger noch kältere Winter gegeben. Natürlich kann man jetzt Vögel füttern, das wird aber nichts Besonderes bewirken. Die Kälte wird die Schwächeren mehr betreffen als die Starken, die Schwächeren werden vermutlich sterben, das ist aber natürliche Selektion, da muss man nichts unternehmen. Der Mensch ist eher der, der unter der Kälte leidet. Die meisten der Tiere sind schon viel länger auf der Erde als der Mensch, die haben Anpassungsstrategien.” ako

Matthias Distel, Geschäftsführer Sommerfeld Grünanlagen, hat vorgeplant: “Unser Betrieb ist glücklicherweise so breit aufgestellt, dass wir nie ohne Arbeit sind. Wir führen derzeit Baumfäll- und Rodungsarbeiten durch. Allerdings können wir beispielsweise Pflasterarbeiten derzeit nicht durchführen. Im Januar haben wir einigen großbaustellen vorbereitet, die jetzt erst einmal brach liegen. Denn auch nach Ende der Frostperiode dauert es noch rund vier Wochen, bis der Frost vollständig aus dem Boden heraus ist. Jetzt bei diesen Temperaturen habe ich den Mitarbeitern eine Grundausrüstung mit beispielsweise einer dicken Jacke und gefütterten Handschuhen gestellt. An solchen Tagen wie heute gibt es aber verkürzte Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, Überstunden abzubauen.” msb

Martin Becker, Zoopädagoge im Opel Zoo, macht sich mehr Sorgen um Pfleger als um Tiere: “Den meisten unserer Tiere macht die Kälte nichts aus. Da wir ein Freigehege sind, haben wir hauptsächlich Arten die solche Temperaturen aushalten. Aber die Flamingos zum Beispiel sind jetzt im Innengehege, da sie mit ihren dünnen Beinchen nicht draußen im Wasser stehen sollten. Auch die Giraffen sind in der Halle, weil sie draußen ausrutschen würden. Zur Prophylaxe geben wir den Tieren Vitamin E und Selen und die Gehege werden dicker eingestreut und etwas beheizt. Für unsere Tierpfleger ist die Kälte teilweise schlimmer als für die Tiere, glaube ich. Auch wenn sie natürlich schon super abgehärtet sind durch die Arbeit. Aber zur Zeit finden auch sie es ziemlich kalt. Es fallen jetzt auch andere Arbeiten an, da beispielsweise das Wasser in den Näpfen gefriert. Beim Austauschen werden die Hände schon kalt und die kriegt man auch nicht mehr so schnell warm. Denn selbst wenn man sich bewegt bleibt es nunmal kalt.” joy

Thomas M. Reimann, Vorstandsvorsitzender der ALEA AG, machen die Minustemperaturen zu schaffen: “Für uns sind Temperaturen unter Null Grad alles andere als harmlos. Wir können dann nicht mehr betonieren und nicht mehr mauern. Seit Montag stehen die Baustellen im Freien still, rund 80 Prozent unserer Mitarbeiter sind zuhause. Sie bekommen allerdings weiterhin ihren Lohn. Denn es greift die Schlechtwetter-Regelung. Wir als Arbeitgeber zahlen das ganze Jahr über Beiträge an die Zusatzversorgungskasse in Wiesbaden und bekommen dann, wenn draußen schlechtes Wetter ist, einen Zuschlag für unsere Arbeitnehmer. Per se ist es allerdings so, dass der Zuschlag nie die tatsächlichen Kosten deckt. Schlechtwetter kostet den Unternehmer also immer Geld. Deshalb freue ich mich sehr auf Samstag und Sonntag, wenn die Temperaturen wieder um die zehn Grad sein sollen. Gegen Kälte helfen übrigens vor allem gute Arbeitskleidung und regelmäßige Bewegung.” mlf

Stephanie Pieper, FES, hofft auf Mithilfe der Anwohner: “Unser Winterdienst fährt zurzeit Sicherheitskontrollen. Es schneit zwar nicht, aber es gibt Gefahrpunkte - Brücken und Gefällelagen, zum Beispiel in Bergen-Enkheim und Seckbach. Sollte Schnee fallen, mobilisieren wir weitere Einheiten. Grundsätzlich stellt die FES ihren Mitarbeitern im Außendienst Thermokleidung zur Verfügung. Das nehmen die Leute auch an - wobei es auch welche gibt, die sagen: Ich bewege mich, ich wuchte ständig Tonnen hoch oder fege die Straße, mir wird von alleine warm. Was den Müll selbst betrifft: Alles, was feucht ist, ist bei dem Wetter problematisch. Das betrifft vor allem den Biomüll. Wir bitten die Leute, feuchten Müll in Zeitungspapier einzuwickeln und gegebenenfalls immer mal wieder an den Tonnen zu rütteln. Wenn der Müll trotzdem festfriert, kann es halt sein, dass wir eine Tonne mal nicht vollständig leeren können.” cb

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