Halbierte Klasse, manchmal doppelter Nutzen: Wenn wie hier im Wechselunterricht jeweils nur die Hälfte der Schüler anwesend ist, hat das auch Vorteile. Lehrer berichten häufig davon, dass die Jungen und Mädchen konzentrierter sind und mehr lernen.
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Halbierte Klasse, manchmal doppelter Nutzen: Wenn wie hier im Wechselunterricht jeweils nur die Hälfte der Schüler anwesend ist, hat das auch Vorteile. Lehrer berichten häufig davon, dass die Jungen und Mädchen konzentrierter sind und mehr lernen.

Resümee an Frankfurter Schulen

"Arbeiten, spielen, lernen, lachen - egal wie"

  • VonMichelle Spillner
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Schulleiter ziehen Bilanz des Corona-Jahres und berichten sogar von manchem Vorteil.

Frankfurt -Es scheint nichts mehr zu geben, was die Frankfurter Lehrer - zumindest die, die mit uns gesprochen haben - aus der Bahn werfen kann. Hatten Distanz- und Wechselunterricht vor wenigen Monaten für die Lehrkräfte noch die Attraktivität einer anhaltenden Migräne, scheinen sich die Schulen inzwischen mit dem aufwendigen Modell abgefunden zu haben.

Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schon vier Wochen vor Beginn der Hessischen Sommerferien angekündigt hat, dass es nach den Sommerferien wohl mit dem Wechselunterricht weitergehen werde, macht niemanden mehr nervös. Die Schulen zeigen sich vorbereitet und hochflexibel, mehr noch: Dem Wechselunterricht können sie sogar Positives abgewinnen.

Für Verwunderung sorgt Spahns Voreiligkeit bei Monika Lack, Schulleiterin der Albert-Schweitzer-Schule am Frankfurter Berg. Eigentlich wisse man gar nicht, wie es weitergehe: "Wir leben von Woche zu Woche und stellen uns spontan auf das ein, was Sache ist." Und im Zweifelsfall wird eben auf Nummer sicher geplant, so wie die Einschulungsfeier. Letztes Mal gab es vier Einschulungsfeiern, für jede Klasse eine - vier Mal hat Monika Lack die Begrüßungsrede gehalten, und so werde es für den Start des Schuljahres 2021/22 auch sein.

"Uns ist allen klar, dass Corona nach den Ferien nicht weg sein wird. Wir werden weiterhin eine hohe Flexibilität benötigen", so die Schulleiterin. Die Dramatik zu Beginn der Pandemie sei einer gewissen Routine gewichen. "Wir haben annähernd den Unterrichtsstoff im Jahrgang durch", stellt sie fest. In den kleineren, halben Gruppen des Wechselunterrichts mit zehn, zwölf Kindern sei ein konzentrierteres und intensiveres Arbeiten möglich. Nur die gemeinsamen Übungsmöglichkeiten zum Festigen des Stoffes seien kürzer. Man müsse das Beste daraus machen. "Jeder hockt ja in der Bredouille. Ministerium und Schulamt sind sehr bemüht - so etwas hatten wir ja noch nie. Und meine Lehrer machen alles mit - wenn ich die nicht hätte... Heidewitzka ... die sind schon gut."

Auch an der IGS Herder werde so weitergemacht, wie in den vergangenen eineinhalb Jahren. "Wir planen erst mal ohne Pandemie - unter Einbeziehung aller Sicherheitsvorkehrungen -, und wenn es zu Änderungen kommt, dann disponieren wir um", erklärt Schulleiterin Martina Neumann-Beer. Wechselunterricht? "Da sind wir jetzt erfahren, haben alles durchlebt und durchorganisiert." Der Unterricht sei intensiv, "nur die Klassengemeinschaft, das soziale Gefüge, das Miteinander - das fällt alles weg".

Eine Verbesserung würde ihrer Ansicht nach Hybrid-Unterricht bringen: Eine Hälfte der Schüler sitzt im Klassenraum, die andere Hälfte schaltet sich von zu Hause aus in den Klassenraum dazu und erlebt genau den gleichen Unterricht. Dafür müsste im Klassenraum eine Streaming-Kamera stehen, "aber wir haben gar kein ausreichendes WLAN", bedauert die Schulleiterin.

Darauf achten, wie es den Kindern geht

Eine andere Rektorin sieht beim Hybrid-Unterricht im Wechsel auch den Vorteil, dass für alle Schüler jeden Tag Unterrichtsbeginn ist und alle die Tagesstruktur behalten. "Wenn ich mir was wünschen darf, dann den Handlungsspielraum zu haben, dass wir das Wechselmodell auch als Hybridmodell anbieten dürfen, auch, wenn das sicher herausfordernder für das Kollegium ist."

Da müssten dann noch die technischen Voraussetzungen optimiert werden. Schlechte Internetverbindungen hätten schon im digitalen Unterricht dazu geführt, "dass Erwachsene und Kinder in einen schwarzen Bildschirm sprechen, was letztlich dazu führt, das Kinder verstummen". Es sei für alle, Kinder, Eltern und Lehrkräfte, ein anstrengendes Jahr gewesen. "Wir haben ja Kinder, die ein halbes Jahr nicht in der Schule waren", verdeutlicht die Schulleiterin: "In allererster Linie müssen wir schauen, wie geht es den Kindern, was macht das mit ihren Seelen?"

Und wie sieht es mit dem Wissenstand aus? Hans Bender, stellvertretender Schulleiter der Carl-Schurz-Schule: "Das ist individuell sehr unterschiedlich. Auf jeden Fall wird es nicht möglich sein, den Rückstand schnell aufzuholen und dann wieder normal weiterzumachen." Die Schüler würden Zeit brauchen, um das nachzuholen, was vielleicht im Distanzunterricht nicht richtig verstanden oder geübt worden sei. "Aus meiner Sicht ist es dennoch sinnvoll, an den Abschlussarbeiten festzuhalten. Aus gutem Grund waren daher die Abschlussjahrgänge ja auch überwiegend im Präsenzunterricht. Im Übrigen wäre auch die freiwillige Wiederholung eines Schuljahres kein Scheitern, sondern würde das eine oder andere Kind etwas entlasten", so Bender.

Für das nächste Schuljahr "planen wir selbstverständlich zunächst für einen normalen Unterricht. Es wäre doch nicht auszudenken, wenn unter Umständen alles normal laufen würde und wir keinen Plan hätten", so Bender. Ein Wechselunterricht lasse sich "nach unserem Konzept jederzeit einrichten". Aber: "Es ist doch offensichtlich, dass Wechselunterricht nicht denselben Lerneffekt hervorbringen kann wie Präsenzunterricht. Daher wünschen wir uns selbstverständlich Präsenzunterricht. Nicht zuletzt übrigens auch im Hinblick auf die familiäre Situation vieler Kinder und zur Entlastung vieler Eltern."

Kornelia Girg von der Kerschensteinerschule Hausen beschreibt, dass sich der Wechselunterricht bei ihnen gut angelassen habe: "Das war für die Kinder teilweise auch sehr angenehm. Sehr kleine Gruppen. In der Zeit konnten sie viel aufholen." Seit kurzem wieder mit der ganzen Klasse in einem Raum zu sein, sei für viele erst einmal eine Umstellung gewesen.

Ein großes Lob hat sie auch für Kollegium und Eltern: "Bei uns waren die Eltern von Anfang an sehr dahinter her, dass Online-Unterricht stattfand." Die Eltern hätten mit dafür gesorgt, dass alle Kinder ein Laptop für den Unterricht hatten, und man habe sich gegenseitig geholfen, Rechner zum Laufen zu bekommen. Und zur Not sei auch mal das Telefon genommen und den Kindern eine Stunde am Telefon etwas erklärt worden. Zusätzlich gab es Lernpakete zum Abholen wie auch Online-Förderunterricht. "Ohne die Eltern hätten wir das nicht geschafft. Und auch nicht ohne die Kollegen und Kolleginnen. Das ist einfach super gewesen." Deswegen hätten die Kinder nicht so viele Defizite.

"Wir sind auf alles vorbereitet"

"Der Präsenzunterricht jetzt hat sich eingespielt, man hat sich an die Masken gewöhnt, wie auch an die zwei Tests in der Woche." Außerdem seien die Kollegen zum großen Teil zwei Mal geimpft, "was zu einer entspannteren Situation beiträgt. Am Anfang war das auch für die Kollegen schwierig, da zu arbeiten und nicht zu wissen... da gab es ja die Tests noch nicht", sagt Girg.

Ihr Blick auf das nächste Schuljahr: "Ich hoffe, dass es im Herbst nicht noch einmal nur Distanzunterricht geben wird. Wechselunterricht wäre überhaupt kein Thema. Wir sind auf alles vorbereitet. Wenn jemand sagt, ab morgen machen Sie Distanz- oder Wechselunterricht, dann machen wir das morgen. Da haben wir jetzt viel Übung."

Aber man habe auch profitiert. Vorteilhaft sei, dass die Vernetzung in der Schulgemeinde besser geworden sei. Die Informationen flössen. Entstanden ist auch ein Patenprojekt: Ältere Schüler helfen den Jüngeren beim Lernen - online. Als Vorteil habe sich auch herausgestellt, die Einschulungsfeier statt dienstags am Samstag vor Schulbeginn stattfinden zu lassen. "Das war letztes Jahr viel entspannter", sagt sie. "Da habe ich dann drei Mal die Rede gehalten, und beim dritten Mal war sie perfekt", lacht sie.

Ihr Resümee: "Egal, was da alles schwierig war, wir haben alles versucht, es positiv zu sehen und das Beste daraus zu machen." Michelle Spillner

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