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Diese römische Tempelanlage entdeckten Archäologen neben der Römerstadtschule. Nun soll herausgefunden werden, ob dort auch Menschen geopfert worden sind.

Römerstadt

Archäologen haben ein über 1700 Jahres altes Skelett aus dem antiken Nida entdeckt

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Ein mysteriöser Todesfall beschäftigt Altertumsforscher in Frankfurt. Bei den Grabungen an der Römerstadtschule stießen sie auf die fast vollständig erhaltenen Knochen eines Mannes aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert nach Christus. Ihm wurde die Kehle durchgeschnitten. Nun wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob er Opfer eines religiösen Ritualmordes wurde.

Als Archäologen die römische Tempelanlage in Heddernheim ausbuddelten, stießen sie auch auf verbrannte Reste von Fischen, Schweinen und Rindern. Die Tiere wurden dort wohl bei rituellen Kultmahlen verspeist und Teile davon den Göttern geopfert, so die Erklärung der Forscher.

Ein weiterer Fund stellt sie allerdings noch vor ein großes Rätsel: das nahezu vollständige Skelett eines Mannes. Er starb keines natürlichen Todes und wurde direkt vor dem steinernen Altar bestattet. Deshalb stellt sich nun die Frage: Haben die Bewohner der antiken Siedlung Nida, die Heddernheimer der Römerzeit, auch Menschen geopfert?

„Es ist denkbar, dass er bei rituellen Handlungen getötet wurde“, sagt Andrea Hampel, die Leiterin des Frankfurter Denkmalamts. „Aber es muss kein Mord gewesen sein. Vielleicht war es eine besondere Ehre, sich zu opfern.“

Wie der Mann starb, hat Erwin Hahn herausgefunden. Der Anthropologe aus Diez bei Limburg untersuchte das Skelett im Auftrag des Denkmalamts. „An zwei Halswirbeln waren deutliche Schnittkerben zu erkennen. Jemand muss ihm die Kehle durchgeschnitten haben“, sagt Hahn. „Es ist möglich, dass er noch weitere Verletzungen an Weichteilen im Unterleib oder Bauchbereich hatte. Wenn dabei kein Knochen getroffen wird, sind solche Verletzungen am Skelett nicht mehr nachweisbar.“

Aus dem Mittelmeerraum

Der Tote sei zwischen 61 und 70 Jahre alt geworden, schätzt Hahn. Die Körpergröße lag zwischen 1,63 und 1,64 Metern. An seiner Schädelform sei die Herkunft aus dem Mittelmeerraum zu erkennen. „Aber er muss nicht selbst von dort gekommen sein. Vielleicht waren schon seine Eltern eingewandert.“

Besonders aufschlussreich waren für Hahn die Zähne des Toten. „Sein Gebiss ist hervorragend erhalten: kaum Karies, kaum Zahnausfall und sehr geringer Zahnabschliff.“ Dies sei ein Hinweis auf die hohe soziale Stellung des Mannes. „Der einfache Bauer hat in dieser Zeit viel Brei aus grob gemahlenem Getreide gegessen. Das schleift die Zähne ab“, sagt Hahn. Der Tote aus Heddernheim hingegen habe sich Fleisch und weiches Gemüse leisten können. Auch seine Gelenke zeugten von einem besseren Leben, sagt Erwin Hahn. „Es war nur der normale, altersbedingte Verschleiß zu erkennen. Der Mann hat nicht schwer arbeiten müssen.“

So wurde das Skelett in Heddernheim gefunden.

Zu der Frage, warum der Mann umgebracht wurde, kann der Anthropologe nichts Verlässliches sagen. „Ich habe erstmal nur einen Haufen Knochen vor mir liegen. Daraus lassen sich nicht alle Antworten finden“, meint Hahn. Dass der Tote direkt vor dem großen Altar einer bedeutenden Tempelanlage bestattet wurde, könne ganz unterschiedliche Gründe haben. „Ein religiös-ritueller Hintergrund wäre genauso denkbar wie ein juristischer. Vielleicht wollte man den Toten ehren, weil er eine bedeutende Person war. Vielleicht wollte man ihn bestrafen und der Bestattungsort diente als Mahnung,“ sagt er.

Kulthandlungen erforschen

Auch Denkmalamtsleiterin Hampel hält verschiedene Erklärungen für möglich. „Wir wissen über die kultischen Handlungen in dieser Tempelanlage einfach noch wenig“, sagt sie. Ein Forschungsprojekt soll dies ändern. Wissenschaftler wollen unter anderem herausfinden, welche Götter in Nida angebetet und welche Opfer ihnen erbracht wurden. War der Tote vor dem Altar ein Einzelfall?

Immerhin wurden noch zwei weitere menschliche Skelette bei den Grabungen entdeckt. „Eines lag in einem Brunnen, das andere unter einer Mauer“, berichtet Hampel. Aber diese Knochen seien noch nicht untersucht worden. Über die Todesursache lasse sich daher nichts sagen.

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