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Architekt Stefan Forster: Die Qualität im Blick behalten

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Von: Stefanie Liedtke

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Architekt Stefan Forster vor seinem Bauprojekt »Wohnen auf Naxos«: Auf dem ehemaligen Fabrikgelände an der Wingertstraße sind 116  Wohnungen entstanden. Charakteristisch sind unter anderem die Höfe, die den langgezogenen Komplex optisch unterteilen und zusätzliche Fenster und Loggien ermöglichten.
Architekt Stefan Forster vor seinem Bauprojekt »Wohnen auf Naxos«: Auf dem ehemaligen Fabrikgelände an der Wingertstraße sind 116 Wohnungen entstanden. Charakteristisch sind unter anderem die Höfe, die den langgezogenen Komplex optisch unterteilen und zusätzliche Fenster und Loggien ermöglichten. © Heike Lyding

Produziert die aktuelle Wohnungsnot neue Bausünden im Stil der 1950er Jahre? Das befürchtet der Architekt Stefan Forster. Anlässlich des Tages der Architektur hatte ihn die Frankfurter Neue Presse zu einem Streifzug durch die Stadt eingeladen.

Möglichst viele Wohnungen binnen kürzester Zeit aus dem Boden stampfen – das gab es schon einmal, in den 1950er Jahren. Damals entstanden sie massenhaft: hässliche Wohnblocks, errichtet aus minderwertigem Material, „Bausünden“, bei denen heute nur noch die Abrissbirne hilft. „Ich habe Angst, dass das gerade wieder passiert“, sagt der Frankfurter Architekt Stefan Forster. „Momentan vermietet und verkauft sich alles, Hauptsache, es hat vier Wände und es regnet nicht rein.“ Dass es so weit kommen konnte, hänge damit zusammen, dass Wohnungsbau in Frankfurt jahrzehntelang sträflich vernachlässigt worden sei, kritisiert Forster. Anlässlich des Tags der Architektur hatte ihn die Frankfurter Neue Presse zu einem Streifzug durch die Stadt eingeladen und sich mit ihm einige Objekte angesehen, die am Wochenende ihre Türen für Interessierte geöffnet hatten.

Eines davon ist Forsters eigenes Projekt „Wohnen auf Naxos“ in der Wingertstraße, Ecke Wittelsbacher Allee. Dass der 57-Jährige den Komplex mit 116 Wohnungen so geplant und gebaut hat, als würde er selbst dort einziehen wollen – es ist keine Floskel: Der Architekt wohnt dort tatsächlich seit der Fertigstellung 2013 mit seiner Frau in einer Erdgeschosswohnung.

„Im Sommer draußen leben“

Charakteristisch an dem langgezogenen Baukörper sind die kleinen Höfe, die das Gebäude entlang der Wingertstraße optisch in kleinere Abschnitte einteilen. Sie haben aber noch einen weiteren Vorteil: Weil Teile des Gebäudes zurückgesetzt sind, konnte Forster die herausragenden Gebäudeteile mit zusätzlichen seitlichen Fenstern bestücken, damit die Räume trotz des hohen Baumbestandes entlang der Wingertstraße hell und freundlich wirken. Auf der rückwärtigen Seite des Hauses verfügen die Wohnungen – zusätzlich zu den Loggien an der Straßenfront – über großzügige Balkone, die Erdgeschosswohnungen über eigene Gärten, „so dass man im Sommer draußen leben kann“, sagt Forster. Dabei nimmt sich das Ensemble mit der schlichten Fassade und dem Klinkersockel bewusst zurück. „Wohnungsbau hat die Aufgabe, sich – beinahe beiläufig – einzufügen“, fasst der Architekt seine Philosophie zusammen.

Kein Wunder, dass das nächste Projekt so gar nicht nach seinem Geschmack ist: Von „beinahe beiläufig einfügen“ kann bei den Eastsidelofts des Büros „1100:Architekten“ keine Rede sein: Der gelb-graue Wohnkomplex am Osthafenplatz 6–8 schließt an einen neoklassizistischen Altbau von 1913 an und vervollständigt diesen, so heißt es in der Broschüre zum Tag der Architektur, „sensibel in moderner Beschaffenheit“. Forster ist da anderer Ansicht: „Das ist eine Fehlkonstruktion.“ Der Architekt tue gerade so, als ob der Altbau gar nicht existiere. Material, Farbe, Fassadengestaltung, die verspringenden Fenster – all das stehe in extremem Kontrast zum Altbau.

Auch beim nächsten Objekt, einem Wohnhaus in der Niederräder Waldstraße 69, hätte Forster manches anders gemacht. Die Doppelhaushälfte aus den 1920er Jahren haben die Planer um einen modernen, kubusförmigen Anbau ergänzt. „Das hat mit der Typologie des Hauses nichts zu tun“, bemängelt Forster und spricht von „Ignoranz gegenüber dem Altbau“. Dabei weiß er, dass es auch andere Ansichten gibt: „Manche würden von einem interessanten Spannungsfeld zwischen Alt- und Neubau sprechen.“

„Richtungweisend“

Besser gelöst findet Forster den Neubau in der Kleinen Rittergasse 11, ein Projekt des Büros Franken Architekten GmbH inmitten des Kneipenviertels Alt-Sachsenhausen. „Das Gebäude fügt sich sehr harmonisch hier ein. Es nimmt einen Dialog zu den giebelständigen Häusern in der Nachbarschaft auf und verfügt über einen hochwertigen Natursteinsockel. Wenn alle Neubauten diesen Qualitätsstandard hätten, würde unsere Stadt anders aussehen. Das ist richtungweisend“, ist Forster voll des Lobes. Während er den Blick über die Nachbarhäuser streifen lässt, kommt ihm dann doch noch eine letzte, kritische Äußerung über die Lippen: „Es ist absurd, dass in Alt-Sachsenhausen die bestehenden, wunderschönen Fachwerkhäuser verkommen und wir uns in der Innenstadt eine neue Altstadt bauen.“

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