+
Den Gipfel erreicht sie, als sie Mitte Januar die vor einem Supermarkt angeleinte Chihuahua/Jack-Russell-Promenadenmischung Sammy entführt.

Gericht

Armen Hund zum Quälen entführt

  • schließen

25 Jahre alte Frau hat eine Menge Schuld auf sich geladen, ist laut Staatsanwaltschaft aber eher schuldunfähig.

Die Taten, derer Mbithe M. beschuldigt wird, sind zahlreich, gravierend - und bizarr. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 25 Jahre alte Frau wegen einer paranoiden Schizophrenie und diverser Rauschmittelabhängigkeiten mehr oder weniger schuldunfähig gewesen sei. Etwa einen Monat nach ihrer Festnahme Anfang des Jahres saß M. in U-Haft - danach in der Psychiatrie. Das Landgericht muss nun entscheiden, ob sie dort dauerhaft bleiben muss.

13 Taten nennt die Staatsanwaltschaft in ihrer Antragsschrift, begangen von August 2018 bis Januar 2019. Danach beginnt es mit drei grundlos umgeworfenen, am Hauptbahnhof abgestellten Motorrädern. Nur eine Woche später reißt M. dort in der B-Ebene einer Frau die Goldkette samt Anhänger vom Hals und flüchtet, verfolgt von der Beraubten. Als M. von der Polizei gestoppt wird, hat sie den Anhänger bereits verschluckt, die Kette aber noch im Mund. Der Polizistin, die sie herausziehen will, beißt sie in den Daumen.

Im November spaziert M. offenbar ungehindert in das Trianon-Hochhaus der Bundesbank und klaut aus einem Büro im 23. Stock eine Brieftasche mit rund 500 Euro. Ein paar Tage später versucht sie, einen Drogeriemarkt, in dem sie längst Hausverbot hat, zu beklauen. Das klappt nicht, einem Verkäufer beißt sie aus Wut in die Hand. Und ertränkt nicht lange danach ihren Kummer in einer Bar im Kiez. Als sie dort nach dem sechsten Whisky-Sahne-Gesöff Spritzbesteck, Tabak und Kondome auf dem Tresen drapiert, wird sie aufgefordert, zu zahlen und die Bar zu verlassen. M. sagt, sie könne mangels Liquidität nicht zahlen und werde alle abstechen, wenn sie nicht noch mehr zu trinken bekäme.

Anfang Dezember schraubt sie, so die Staatsanwaltschaft, in einem Hotelzimmer, in dem sie sich wohl als Dirne ein Zubrot verdient hatte, den Fernseher von der Wand und plündert die Minibar. Heiligabend bedroht sie an einer S-Bahnstation einen Mann und eine Frau mit einem Klappmesser und fordert je fünf Euro. Als beide sich weigern, verlangt sie drei Zigaretten, lässt sich aber schließlich auf eine herunterhandeln.

Und es wird immer seltsamer: Anfang des Jahres bricht sie in eine Wohnung ein, ohne sich offenbar einen großen Kopf zu machen, ob jemand zu Hause ist. Als sie zwei Luxusuhren und ein teures Parfüm eingesackt hat, wird sie von der anwesenden Bewohnerin überrascht und versteckt sich unter deren Bettdecke. Die Bewohnerin informiert im Hausflur werkelnde Handwerker darüber, dass sich eine Diebin – wenn auch schlecht – unter ihrer Bettdecke verstecke. Die Handwerker reparieren auch das.

Den Gipfel erreicht sie, als sie Mitte Januar die vor einem Supermarkt angeleinte Chihuahua/Jack-Russell-Promenadenmischung Sammy entführt, den armen Hund den ganzen Tag lang durch die Stadt schleift, ihn mehrfach „in die Rute zwickt“ und schlägt. Als die von Passanten informierte Polizei Sammy erlöst und seiner Besitzerin zurückbringt, hat er einen gebrochenen Knochen, blutende Pfoten und ist laut Antragsschrift „völlig verängstigt“.

Sie sei wohl „zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen“, sagt M., und das womöglich mehrfach. Der Prozess wird fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare