CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet boxt beim Besuch im Boxcamp Gallus gegen einen Trainer. In dem Boxcamp trainieren Kinder und Jugendliche., die nur bei guten schulischen Noten in den Ring steigen dürfen.
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CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet boxt beim Besuch im Boxcamp Gallus gegen einen Trainer. In dem Boxcamp trainieren Kinder und Jugendliche., die nur bei guten schulischen Noten in den Ring steigen dürfen.

CDU-Kanzlerkandidat

Armin Laschetboxt sich in Frankfurt in den Wahlkampf

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Wird er bald Kanzler in Berlin sein? CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet will sich dorthin durchboxen - und fängt damit in Frankfurt an.

Frankfurt -Ring frei für Armin Laschet: Mit hochgekrempelten Hemdsärmeln steigt der Kanzlerkandidat der Union in den Boxring, streift sich blaue Boxhandschuhe über, holt aus und schlägt fest gegen die Schlagpolster eines Boxtrainers. Einmal. Zweimal. Dreimal. Später wird er Sätze sagen wie: "Auch die CDU wird in den kommenden Wochen kämpfen. Mit Disziplin, mit fairen Regeln und Engagement."

Armin Laschet hat gestern zum Start seiner Wahlkampftour einen Boxclub für Jugendliche in Frankfurt besucht. Ein klassischer PR-Termin. Händeschütteln. Fotos machen. Zuhören. Und das Gespräch mit potenziellen Wählern suchen. Wie mit Alexander Hüttermann.

"Boxen ist gut, um den Kopf freizubekommen", erklärt der 18-Jährige dem CDU-Spitzenpolitiker. "Man ist auf sich fokussiert. Man vergisst alles um sich herum." Hüttermann selbst boxt seit zwei Jahren im Boxcamp Gallus. "Hier lernen die Jugendlichen sehr viel, und zwar nicht nur übers Boxen. Hier lernt man Disziplin und Respekt, Dinge fürs Leben." Der junge Mann hat gerade das Abitur gemacht und will im Herbst sein Studium beginnen.

Boxcamp im Gallus als Kulisse für Laschet

Das Boxcamp Gallus ist ein soziales und pädagogisches Projekt der Frankfurter Sportjugend, das die Integration fördern und Aggressionen abbauen soll. Dabei stehen aber nicht nur die sportlichen, sondern auch die schulischen Leistungen der Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien im Fokus. So gibt es drei Mal die Woche eine Hausaufgabenbetreuung. Zudem bekommen die Kinder und Jugendlichen dort ein warmes Mittagessen.

"Hier wird die Grundidee, jeder soll es in der Gesellschaft schaffen können, unabhängig von der Herkunft der Eltern, gelebt", lobt Laschet. Die Jugendlichen hätten die Chance, mit eigener Leistung zu zeigen, was sie können. Die gemeinsame Sprache sei Deutsch.

Doch hinter dem Boxcamp liegt wie hinter allen Sport- und Freizeiteinrichtungen eine schwierige Zeit. Wegen der Corona-Pandemie mussten sie immer wieder geschlossen bleiben. "Das war keine einfache Zeit für uns", erzählt Petra Preßler, die Vorstandsvorsitzende der Sportjugend, dem Kanzlerkandidaten. "Unsere Jugendlichen wussten nicht, wo sie hingehen sollten."

Gesundheitsamt stoppt Angebot für junge Leute

Deshalb wollte man ihnen ein Angebot im Freien machen, im Hafenpark. Ein Konzept wurde erarbeitet, Sportgeräte gekauft, doch das Gesundheitsamt lehnte ab. Das ärgert Preßler noch heute. "Ich würde mir wünschen, dass man in Zukunft auch diejenigen zu Wort kommen lässt, die das ganze Jahr mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten", sagt sie. "Sport ist eine wichtige Säule der Gesellschaft. Das kann man nicht einfach untersagen."

Armin Laschet hört sich das ruhig an. Lächelt. Nickt. Und sagt: "Es darf keinen Lockdown mehr geben." Alle Anstrengungen müssten darauf gerichtet sein, das Impfen voranzubringen. Es dürfe nicht nur auf die Inzidenz geschaut werden. "Es muss auch immer an die Konsequenzen für Kinder und Jugendliche gedacht werden, wenn Schulen und Sporteinrichtungen dicht gemacht werden. Nur digital über den Bildschirm kann man nicht gemeinsam sozial lernen", sagt Laschet.

Hochwasserkatastrophe bremst Wahlkampf ab

Ursprünglich wollte der CDU-Kanzlerkandidat seine Wahlkampftour bereits am vergangenen Donnerstag starten. Wegen der Hochwasserkatastrophe in seinem Bundesland Nordrhein-Westfalen verschob der Ministerpräsident die Reise. Jetzt führt aber kein Weg mehr am Wahlkampf vorbei. Am 26. September werden die Bürger an die Urne gebeten. Viel Zeit bleibt nicht. Da kann Laschet ein bisschen Nachhilfe im Boxclub in Sachen Kämpfen nicht schaden. Denn nicht nur die Union verliert in den neusten Umfragen an Zustimmung, sondern auch er selbst. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und seine Partei hingegen sind im Aufwind.

Und so bleibt Laschet in Frankfurt nur noch zu sagen: "Boxer können sich konzentrieren, sie kämpfen und wissen, was sie wollen. Das nehme ich mit." Der Kanzlerkandidat will jetzt auf Inhalte und Themen setzen. "Wir müssen endlich zu einem politischen Wahlkampf kommen." (Julia Lorenz)

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