Artur Becker gefällt es sehr gut im Hotel Lindley. Dessen Besitzer bat ihn beim Bau darum, über das Projekt zu schreiben. Seitdem lebt der Autor dort und jobbt zweimal die Woche als Nachtportier.
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Artur Becker gefällt es sehr gut im Hotel Lindley. Dessen Besitzer bat ihn beim Bau darum, über das Projekt zu schreiben. Seitdem lebt der Autor dort und jobbt zweimal die Woche als Nachtportier.

Artur Becker schreibt Romane im Hotel

  • vonEnrico Sauda
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Frankfurt -Das Leben im Hotel bietet genug Stoff für viele Geschichten. Es ist eine schier unerschöpfliche Quelle für Schriftsteller. So auch für Autor Artur Becker. Seit Sommer des vergangenen Jahres lebt und arbeitet er im Lindley-Hotel. Seinen Roman "Der unsterbliche Mr. Lindley" veröffentlichte er jedoch ein gutes Jahr vor der Eröffnung des Hauses an der Lindleystraße. "Ich wollte ursprünglich gar nicht nach Frankfurt ziehen", erzählt Becker, den aber die Pandemie und die Trennung von seiner Frau zu dieser Entscheidung bewogen. "Außerdem hat der Weissbook-Verlag, bei dem meine Bücher erscheinen, hier seinen Sitz. Ich kenne die Stadt, weil ich seit mehr als 20 Jahren zur Buchmesse komme, und ich schreibe für verschiedene Frankfurter Zeitungen", zählt Becker die Gründe für sein Bleiben auf.

Inzwischen betrachtet er das Lindley als sein Zuhause. Der gebürtige Pole (52) schreibt dort seine Essays, Gedichte, Berichte und Romane und ist zwei Tage in der Woche als Nachtportier tätig. "Ich habe für zwei Nächte die Nachtwache und erledige Dinge, die dann anstehen", so Becker.

Roman beeinflusste Frankfurter Hotel und umgekehrt

Der Kontakt zum Hotelbesitzer Steen Rothenberger entstand über Beckers Verleger Rainer Weiss 2015. Als Rothenberger vorhatte, das Lindley zu bauen, "kam er auf die Idee, dass ein Profi-Schriftsteller über dieses Hotel einen Roman schreibt", erzählt Becker. So entstand "Der unsterbliche Mr. Lindley". "Das Interessante war, dass der Roman die Innen- und Außenarchitektur des Hotels beeinflussen sollte", erzählt Becker. So kam es, dass der Schriftsteller sich im ständigen Austausch mit dem Architekten Robin Heather befand. "Er hatte verschiedene Ideen. Ich auch. Daraus floss einiges in meinen Roman ein und manches aus meinem Buch in das Haus."

Hotelfassade ist Verbindung zur Frankfurter Kanalisation

Unter anderem die Einrichtung einiger Zimmer und die ungewöhnliche Fassade. "Die ist aus Eisenguss. William Heerlein Lindley war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verantwortlich für den Bau der Frankfurter Kanalisation. Ich wollte die Verbindung herstellen zwischen den Gullideckeln und der Fassade. Beide bestehen aus Eisenguss, deshalb schlug ich das Robin Heather vor", erzählt Becker. "Manchmal hatten wir Auseinandersetzungen, aber wir haben sehr gut zusammengearbeitet."

So kommt es, dass man das Buch im Hotel lesen kann. "Jeder, der das Buch gelesen hat, erkennt darin vieles wieder", sagt Becker, der gut zwei Jahre lang von Bremen, wo er lebte, nach Frankfurt pendelte, wo er fürs Projekt recherchierte und schrieb. "Das Buch liegt in den Hotelzimmern und die Gäste können darin lesen", sagt Becker. "Vielleicht erscheint in fünf oder sechs Jahren mein neuer Hotel-Roman, weil ich doch nun die beiden Seiten - die des Gastes und die des Hoteliers - kenne. Und das ist faszinierend. Ich denke, ich werde noch einige Jahre hierbleiben, weil ich mich hier sehr wohl fühle."

"Der unsterbliche Mr. Lindley" liegt im Hotel aus

Becker möchte außerdem seinen Roman "Der unsterbliche Mister Lindley" verfilmen. Bis dahin dauert es aber noch. Und derzeit nagt die Corona-Krise auch an ihm. "Die Lesungen sind komplett ausgefallen im vergangenen Jahr", klagt der Autor. Damit fehle eine wichtige Einnahmequelle. Und eine Besserung sei ja noch nicht in Sicht. Immerhin kann er nicht über einen Mangel an Betätigung klagen. "Es sind zwei Romane in Arbeit. Der eine soll im Herbst erscheinen. Außerdem habe ich noch die Sachen in meinen Notizbüchern stehen, an denen ich seit Jahren arbeite." Zudem schreibt er Gedichtbände - "das macht am meisten Spaß, bringt aber das wenigste Geld". Eines haben alle seine schriftstellerischen Arbeiten für Bücher, Gedichte und Berichte gemeinsam: Sie kosten Zeit. Davon hat er derzeit ungewollt genug.

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