Professor Dr. Amadeus Hornemann hat eine neue Operationsmethode bei Gebärmuttersenkungen entwickelt. Am Modell der Gebärmutter zeigt er mit Daumen und Zeigefinger, wo die Sehne aus der Kniekehle in etwa angebracht wird, die gegen die Senkung standhält.
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Professor Dr. Amadeus Hornemann hat eine neue Operationsmethode bei Gebärmuttersenkungen entwickelt. Am Modell der Gebärmutter zeigt er mit Daumen und Zeigefinger, wo die Sehne aus der Kniekehle in etwa angebracht wird, die gegen die Senkung standhält.

Medizin

Arzt aus Frankfurt erfindet neue OP-Methode: Sie könnte Millionen Frauen helfen

  • VonMichelle Spillner
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60 Prozent der Frauen bekommen in ihrem Leben Probleme mit der Gebärmutter. Vielen hilft nun die Erfindung eines Chefarztes aus Frankfurt: eine neue OP-Methode.

Frankfurt – Gemeinhin haben Knie und Gebärmutter nichts miteinander zu tun. Für Professor Dr. Amadeus Hornemann, Chefarzt der Klinik für Operative Gynäkologie am Krankenhaus Sachsenhausen, ist beides gedanklich miteinander verbunden: Das Knie spielt eine zentrale Rolle bei der Behebung von Problemen, die die Gebärmutter machen kann. Hornemann hat eine neue Operationsmethode entwickelt, die viele Vorteile bringe: Operierenden und Patientinnen - nur den Herstellern von medizinischen Kunststoffnetzen nicht. Die können - salopp gesagt - einpacken.

Die Gebärmutter ist ein kleines Organ, das verhältnismäßig großen Ärger machen kann - dann nämlich, wenn sie den Halt verliert und sich in Bereiche verschiebt, in denen sie nichts verloren hat. 60 Prozent der Frauen bekommen es früher oder (eher) später mit einer Gebärmuttersenkung zu tun. Das kann von so großem Ausmaß sein, dass manche Betroffene gewissermaßen persönlich Bekanntschaft mit ihrer Gebärmutter machen - mit schlimmen Folgen.

Alte OP-Methode kann schwere Probleme an der Gebärmutter bereiten

Abhilfe schaffen können bis zu einem gewissen Punkt Pessare. Standard-Operationsmethode bei einer Gebärmuttersenkung ist hierzulande das Einsetzen eines Kunststoffnetzes, das den Beckenboden stabilisiert. Diese Methode wurde in den USA bereits 2019 untersagt, nachdem mehr als 100 000 Frauen von den Netzherstellern Schadensersatz fordern, weil sie unter chronischen Beschwerden leiden. Hornemann: "Ein solches Netz bleibt immer ein Fremdkörper. Mitunter kommt es durch die Kunststoffnetze zu Unverträglichkeiten und zu schwerwiegenden Komplikationen. Dann muss das Netz operativ entfernt werden."

Und das ist meistens nicht vollständig möglich, weil Gewebe mit dem Netz verwächst. "Auf Dauer werden diese Netze ganz sicher verschwinden", ist er sicher. Dann bliebe nur noch die ursprüngliche OP-Methode, die sich aber nicht bewährt hat.

Frankfurter Arzt findet Inspiration für OP-Methode bei der Orthopädie

Nun ist es nicht so, dass Hornemann konkret nach einer Alternative zu diesen Netzen gesucht hat. Aber er blickt gerne über den Tellerrand hinaus und kam so zufällig auf die Idee. "Ich schaute einem Kollegen aus der Orthopädie bei einer Operation über die Schulter", schildert der 47-Jährige.

Orthopäden greifen schon lange gern auf eine Sehne am Oberschenkel zurück, wenn sie ein Kreuzband ersetzen müssen. Sehnen sind sehr reißfest, und sie sind körpereigenes Material, dadurch gibt es so gut wie keine Komplikationen oder Folgeerkrankungen. "Aus gynäkologischer Sicht ist es ein klarer Vorteil, statt eines Kunststoffnetzes eine Sehne zu verwenden. Mein neuer Ansatz kombiniert zwei etablierte Methoden: Die Sehnenentnahme aus der Kniekehle und Verfahren, um den Beckenboden anzuheben."

So plant der Arzt aus Frankfurt mit der neuen OP-Methode Frauen zu helfen

So geht es: "Ich nehme zunächst eine Bauchspiegelung vor, in der die Implantation der Sehne in den Bauchraum vorbereitet wird. Erst wenn ich sicher weiß, dass es funktionieren wird, beginne ich mit der Entnahme der Sehne." Dann wird in der gewählten Kniekehle ein horizontaler Hautschnitt gesetzt, der rund drei Zentimeter groß ist. "Die Entnahme der Sehne dauert keine zehn Minuten. Die Haut wird verschlossen. Jetzt wird die Sehne im Bauchraum an den zu fixierenden Strukturen befestigt. Im Prinzip genauso, wie ich es früher mit einem Kunststoffnetz gemacht habe. Transplantation und Fixierung dauern etwa 40 Minuten."

Kleiner Kniff am Rande: "Ich entferne meistens nur die halbe Breite der Sehne. Daher gibt es kaum funktionelle Einschränkungen. Binnen zwei Jahren regeneriert sich die Sehne vollständig." Die Halbierung macht nun wiederum unter Orthopäden Furore.

OP-Methode von Frankfurter Arzt könnte zum Standard werden

Und die Innovation geht weiter: Auch für die Behandlung von Inkontinenz durch Blasensenkung hat Professor Hornemann die Sehnen-Methode bereits eingesetzt. Warum man auf so etwas nicht früher kommt? "Die einfachsten Dinge übersieht man am leichtesten", sagt er lachend. Die verschiedenen Disziplinen arbeiteten zwar Tür an Tür, aber hätten keine Überschneidungspunkte. Das weltweit einzigartige Verfahren benötige keinerlei gesonderte Kostenübernahmezusage durch die Krankenkasse.

Demnächst wird der Arzt aus Frankfurt die Methode auf einem großen Kongress in Australien vorstellen, in der Hoffnung, dass sie bald zum Standard wird. "Neue Methoden brauchen lange, bis sie sich durchsetzen", weiß Hornemann. Aber es gehe schneller, je häufiger danach gefragt werde. Er nennt seine Methode "Tendon descensus repair". Hornemann-Methode würde doch auch passen. Aber dafür sei er zu bescheiden. (Michelle Spillner)

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