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Leere Gleise in Bahnhofsnähe.

Regionaltangente

Auch geänderte Pläne für Bahnstrecke stoßen auf Ablehnung

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Mit geänderten Plänen sollen die Gegner der Regionaltangente West in Sossenheim und Höchst von der Verträglichkeit des Projekts überzeugt werden. Doch einer Informationsveranstaltung blieben viele Bürger skeptisch.

Horst Amann hatte keinen leichten Stand. Der Geschäftsführer der Planungsgesellschaft für die Regionaltangente West (RTW) stand im Höchster Bikuz rund 170 Zuhörern gegenüber, die das Schienenprojekt größtenteils ablehnten. Dabei wollte Amann zusammen mit Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) bei der „frühzeitigen Bürgerbeteiligung“ für den Streckenabschnitt zwischen Sossenheim und dem Höchster Bahnhof auch die Gegner überzeugen. Man habe die Kritik, die bei einer ersten Veranstaltung im vergangenen Sommer geäußert wurde, aufgegriffen und die Pläne grundlegend geändert, sagte Oesterling. Dadurch könne man die Eingriffe in Privatgrundstücke verringern.

Wichtigster Kniff ist die Umwandlung der heutigen Eisenbahnstrecke von Höchst nach Bad Soden, die künftig von der RTW befahren werden soll, in eine Straßenbahn. „Dadurch können wir engere Kurven bauen“, sagte Oesterling. Die RTW ist eine sogenannte Zweisystem-Bahn, die sowohl auf Eisenbahn- als auch auf Straßenbahnstrecken verkehren kann.

Auswirkungen hat die Umplanung vor allem auf den Haltepunkt an der Dunantsiedlung. Er wird ein Stück von den Häusern weg in Richtung Südwesten verlegt, auf die heutige Trasse der Sodener Bahn. Die Bahnsteige werden über ebenerdige Bahnübergänge und Rampen erreicht – das ist nur bei einer Straßenbahn möglich. Würde die Strecke als S-Bahn gebaut, wären Unterführungen nötig.

Darauf kann deshalb auch beim Bahnhof Sossenheim verzichtet werden, obwohl die Station einen Mittelbahnsteig statt der bisher vorgesehenen Außenbahnsteige bekommt. Der Haltepunkt Stadtpark Höchst wird ein Stück in Richtung Norden verlegt. Wie es von dort aus bis zum Höchster Bahnhof weitergeht, steht noch nicht genau fest. Oesterling favorisiert eine eingleisige Streckenführung, durch die der heutige Bahndamm weiter genutzt werden könnte. Ob das geht, werde derzeit untersucht. Nicht infrage komme für ihn eine ebenfalls diskutierte Trassierung mit ebenerdiger Kreuzung der Königsteiner und der Zuckschwerdtstraße.

Durch die Straßenbahnlösung ergeben sich laut Amann auch Vorteile für den Bahnübergang am Sossenheimer Weg. „Wir können die Schließzeiten deutlich verkürzen.“ Die Anwohner sorgen sich, dass die Autos zu lange an den Bahnschranken stehen, wenn künftig acht statt wie bisher vier Züge pro Stunde über die Strecke fahren. Tatsächlich wären im Eisenbahnbetrieb die Schranken 23 Minuten pro Stunde geschlossen. Im Straßenbahnbetrieb sei das deutlich weniger. Ob sich die Straßenbahnlösung verwirklichen lässt, steht laut Oesterling noch nicht ganz fest. „Es gibt noch kleine Bedenken bei der Bahn.“

Die betroffenen Bürger bleiben weiterhin skeptisch. Ein Anwohnerin des Haltepunkts Sossenheim befürchtet, dass durch die Erschütterungen der Bahn ihr Haus Schaden nimmt. Sie müsse mehr für die Gebäudeversicherung bezahlen. Amann hält das für absurd: „Wir können ausschließen, dass Schäden entstehen.“ Ein Bürger bezweifelte den grundsätzlichen Sinn der Strecke, plädierte für eine Alternativverbindung mit Wasserstoffbussen. Andere sehen keinen Bedarf für einen Halt an der Dunantsiedlung. Doch allein für diesen Haltepunkt werden laut Amann rund 2000 Fahrgäste pro Tag prognostiziert.

Trotz der zum Teil grundsätzlichen Kritik steht für Oesterling fest: „Die RTW wird gebaut.“ Zuvor muss das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen werden. Die Unterlagen für den Abschnitt Mitte sollen im dritten Quartal eingereicht werden. Überarbeitet wird derzeit die Nutzen-Kosten-Untersuchung, die nötig ist, um Zuschüsse von Bund und Land für das Projekt zu bekommen. Die bisherige Kostenschätzung von 400 Millionen Euro für die gesamte Strecke dürfte nach Einschätzung von Fachleuten nicht zu halten sein.

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