+
Laut einer aktuellen Studie zeigt fast jeder zweite Jugendliche mit Migrationshintergrund sehr schwache Leistungen in der Schule.

Politik

Auch Schüler sollen mal Feierabend haben

Maria-Christina Nimmerfroh will Schulen so einrichten, dass Schüler Zuhause nicht mehr lernen oder Hausaufgaben machen müssen. Die Idee fanden bei der Kreismitgliederversammlung die meisten gut. Angenommen wurde der Antrag dann aber nicht.

Bevor die FDP-Mitgliederversammlung über ihre lokalpolitischen Positionen stritten, wollte Michael Rubin noch von seiner Kippa erzählen. Anlass war die antisemitische Attacke auf einen 20-jähriges Frankfurter und FDP-Mitglied am Morgen des 7. September, die in den vergangenen Tagen bekannt wurde. Die Tat habe Rubin aufgewühlt. „Mir hat sie noch einmal vor Augen geführt, dass es nicht normal sein darf, dass Synagogen oder jüdische Jugendhäuser ständig unter Polizeischutz stehen müssen.“ Seine eigene Kippa habe schon deutliche Knicke, weil er sie so häufig falten müsse, um sie in der Tasche statt auf dem Kopf zu tragen. „Dagegen muss jeder die Stimme erheben“, fügte Bundestagsabgeordnete Nicloa Beer hinzu, „wenn latent antijüdische Kommentare geäußert werden oder sich Juden für israelische Politik rechtfertigen sollen.“

Nach diesem Thema konnte der Übergang zur Tagesordnung im Saalbau Bockenheim kaum elegant gelingen. Doch es warteten zehn Anträge, über die die rund 70 anwesenden Mitglieder entscheiden sollten, ob sie Position der Partei werden oder nicht. Allen voran stand der Leitantrag der Landtagskandidatin für den 38er-Wahlkreis und stellvertretende Kreisvorsitzende Maria-Christina Nimmerfroh. Mit diesem trat sie für einen arbeitsfreien Feierabend für Schüler ein. Die Idee soll ein Bekannter initiiert haben, der wegen einer Latein-Klausur seiner Tochter nicht zu einem Abendtermin habe kommen können. „Immer mehr schulische Aufgaben werden auf die Freizeit der Schüler abgewälzt“, sagte Nimmerfroh. Häufig könnten diese die Schüler gar nicht allein bewältigen und seien auf die Unterstützung der Eltern angewiesen. Das widerspreche der Chancengleichheit, sagte Nimmerfroh, weil nicht alle Eltern ihren Kindern bei lateinischen Deklinationsregeln oder beim Extremwertproblem in der Kurvendiskussion helfen können. Auch Nachhilfelehrer könne sich nicht jede Familie leisten.

Das führt laut Nimmerfrohs Antrag, den sie zusammen mit dem Kreisparteivorstand einbrachte, dazu, dass Schüler häufig länger arbeiteten als ihre Eltern. Daher fordert Nimmerfroh eine Schulpolitik, die auf eine „School-Live-Balance“ zielt, also einen Ausgleich zwischen Freizeit und der Arbeitszeit, die Kinder für die Schule erbringen. Die Schüler sollen in der Schule sämtliche Hausaufgaben sowie Vor- und Nachbereitungen für Klausuren erledigen können. Davon profitierten auch die Vereine. Die klagten immer öfter darüber, wie Nimmerfroh erzählte, dass Jugendliche wegen der Schule keine Zeit hätten sich zu engagieren oder ihrem Lieblingssport nachzugehen.

Dass dem Vorschlag ein Widerspruch innewohnt, weil Nimmerfroh den Schulen zum einen mehr Aufgaben zuweisen will, zum anderen die Schüler dort aber weniger Zeit verbringen sollen, räumte die Landtagskandidatin nur zur Hälfte ein. „Natürlich funktioniert dieses Modell nicht, wenn die Schulen so arbeiten wie bisher.“ Sie müssten personell und räumlich deutlich besser ausgestattet werden, sagte Nimmerfroh. Insofern sei das Konzept als ein langfristiges Ziel zu verstehen. So wollten die FDP-Mitglieder auch nichts übereilen und überwiesen den Vorschlag zur weiteren Beratung an den Kreisfachausschuss der Partei. Auch weil der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Römer, Stefan von Wangenheim, kritisierte, dass sich der Antrag nur auf Gymnasien bezog.

Dagegen waren sich die Parteimitglieder beim Dieselfahrverbot so einig wie in der Haltung zum antijüdischen Angriff. Die Stadt sollte aus einhelliger Ansicht der FDP alle Rechtsmittel nutzen, um das Fahrverbot zu verhindern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare