Am höchsten Punkt Frankfurts: Gästeführerin Annette Friauf posiert auf der Berger Warte im Norden Seckbachs. FOTO: Keßler
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Am höchsten Punkt Frankfurts: Gästeführerin Annette Friauf posiert auf der Berger Warte im Norden Seckbachs.

Neuerscheinung

Auch zur Warte führt ihr Weg

  • Friedrich Reinhardt
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Neues Buch beschreibt zwölf Spaziergänge durch Frankfurt

Am Weißen Turm an der Gang-straße ist ein unverputzter Streifen, der das Mauerwerk dahinter offenlegt. Warum ist das so? Es sind solche Kleinigkeiten, die die Bergen-Enkheimer Gästeführerin Annette Friauf besonders interessieren. Dinge, an denen Einheimische jeden Tag vorbeilaufen, sie oft gar nicht bemerken und sich nur hin und wieder fragen: Warum eigentlich?

Das Geheimnis des Weißen Turms

Im Fall des Weißen Turms ist die Antwort: Die Aussparung an dem 15 Meter hohen Turm zeigt an, in welcher Richtung, die sechs Meter hohe Wehrmauer im 15. Jahrhundert an den Turm anschloss. "Die Grafen von Hanau wollten an der Grenze zur freien Reichsstadt klare Kante zeigen, was den Frankfurtern wenig gefiel", schreibt Friauf in ihrem neuen Buch "Zu Fuß durch Frankfurt - 12 Spaziergänge".

Der Spazierführer ist vollgestopft mit solchen Details. Er richte sich damit eher an Einheimische und Neu-Frankfurter, die ihre Stadt und ihren Stadtteil (neu-) entdecken wollen als an Touristen, die sich besonders für die großen Sehenswürdigkeiten interessieren, sagt die Autorin.

Wie der Titel schon verrät, entwirft Annette Friauf darin zwölf Spaziergänge durch die Mainmetropole. Über den Römerberg und die neue Altstadt, durch Rödelheim über den Lohrberg, durch Fechenheim oder eben Bergen-Enkheim, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Und wenn Friauf von Spaziergängen spricht, dann meint sie auch Spaziergänge. "Es darf keine Wanderung sein. Man sollte die Strecke an einem Nachmittag innerhalb von zwei, maximal drei Stunden laufen können".

Außerdem gehöre zu einem Spaziergang Genuss. "Die Route darf gern in einem Café enden oder einen Stopp an einer Eisstand machen."

Irgendwie ist das Buch ein Ergebnis der Pandemie. Lockdowns, Kontakt- und Reisebeschränkungen haben Spazierengehen Land auf, Land ab zum neuen Volkssport gemacht. Die Grundregeln einer guten Tour kennt die Gästeführerin ganz genau: "Der Ausgangspunkt muss gut erreichbar sein und es muss ganz viel zu schauen geben."

Zudem haben Friaufs Erläuterungen einen Schwerpunkt auf der Historie. Zur Berger Warte erklärt sie etwa, dass sie nicht zur selben Turmfamilie wie die Friedberger-, die Sachsenhäuser- oder die Bockenheimer Warte gehört.

Autorin entdeckte selbst neue Ecken

"Die Berger Warte war ursprünglich aus Holz gebaut und wurde bereits 1340 als Gyriswarte, Geierswarte, erwähnt. Die Grafen von Hanau errichteten sie als Beobachtungsposten und Geleitwechselstation an der Hohen Straße. Wenn ein Wagenzug das Frankfurter Gebiet verließ und in die Grafschaft Hanau einfuhr - oder umgekehrt - begleiteten berittene Knechte die reisenden Händler. Auch zu deren Schutz", erklärt Friauf.

Bei der Recherche für das Buch hat auch die Autorin neue Seiten Frankfurts kennen gelernt. "Wie schön der Recheneigrabenweiher im Herbst ist, hat mich zum Beispiel total fasziniert."

Im Buch heißt es dann: "Der lieblich geschwungene Weiher, umrahmt von Bäumen und den alten Bastionsmauern der ehemaligen Stadtbefestigung, alles ergibt ein ausgewogenes Gesamtbild - besonders im Herbst, wenn die fuchsrote Farbe der Sumpfzypressen einen Hauch von Indian Summer verströmt." Friedrich Reinhardt

Das Buch

"Zu Fuß durch Frankfurt - 12 Spaziergänge" ist im Droste Verlag erschienen, 168 Seiten, 14,99Euro.

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