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Es ist ein einmaliges Projekt in Deutschland, das (von links) Manfred Wessel, Rosemarie Heilig und Christian Schön am 12. April vorstellen werden. Mehr als ein Jahr hat die Entwicklungsarbeit gedauert.

Pilotprojekt

Audio-Guide leitet Blinde durch Botanischen Garten

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In anderthalb Wochen eröffnet der Botanische Garten nach der Winterpause. Mit Spannung erwartet wird ein Pilotprojekt.

In den vergangenen vier Monaten hatte der Botanische Garten zwar Winterpause, doch die Zeit stand deshalb nicht still. Sie wurde genutzt, um die Anlage auf den Saisonstart am 25. Februar vorzubereiten.Laut Manfred Wessel, der technischer Leiter des Botanischen Gartens ist, hätten sich die Arbeiten in erster Linie darauf konzentriert, die restlichen Hauptwege zu sanieren. Nach acht Jahren seien sie nun endlich alle fertig. Neu sind zudem eine Bank für Besucher direkt am Eingang und ein Schaukasten.

Darüber freut sich Wessel sehr. Doch mit Blick auf den 12. April erscheinen diese Neuerungen fast wie eine Nebensache. An diesem Tag wird der Anfang 2017 angekündigte Audio-Guide für Blinde- und Sehbehinderte vorgestellt, zwei Tage später steht er für den Einsatz im Arzneimittelgarten – für diesen Teil der Grünanlage wurde er konzipiert – bereit. Es handelt sich um ein Pilotprojekt, das es bislang in keinem anderen Botanischen Garten in Deutschland gibt.

Der Audio-Guide ist eigentlich eine App, die sich jeder auf sein Smartphone herunterladen kann. Jede der 143 Pflanzenarten, die in den 13 Beeten des Arzneimittelgartens wachsen, werden kurz per Steckbrief vorgestellt. Jeweils zwei Pflanzen werden ausführlich erklärt. Dabei soll es auch bleiben. Wessel: „Wenn der Audio-Guide gut ankommt, planen wir eher, das Angebot auf den restlichen Garten auszudehnen.“ Zunächst einmal sei es aber wichtig, Werbung für das neue Angebot zu machen, damit die Blindenverbände ihrer Klientel auch einen Ausflug in den Botanischen Garten empfehlen, sagt Wessel.

Der Audio-Guide, den es nur in deutscher Sprache geben wird, ist aber nur eines von mehreren Mosaiksteinen, um Barrieren im Botanischen Garten zu beseitigen. Im vergangenen Jahr war bereits der 200 Meter lange Weg, der vom Eingang zum Arzneimittelgarten und zu den Toiletten führt mit einem taktilen Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte ausgestattet worden.

Außerdem werden noch Informationstafeln aufgestellt, auf denen auch in Blindenschrift erklärt ist, wo der Weg hinführt, an welchen Stationen man sich befindet und welche Pflanzen genau es dort gibt. Kommunikations-Designer Christian Schön und die Deutschen Blindenstudienanstalt (Blista) unterstützen die Mitarbeiter des Botanischen Garten dabei. Wessel hofft, dass die neuen Infotafeln bis März fertig sein werden.

Rund 180 000 Euro kostet die Umsetzung des Gesamtprojektes. Ausgangspunkt dafür sei eine Spende in Höhe von 20 000 Euro des International Women’s Club gewesen, so Wessel. Das Geld sollte dafür verwendet werden, um Blinden und Sehbehinderten den Besuch des Botanischen Gartens zu ermöglichen. Die restlichen Mittel steuert die Stiftung Palmengarten und Botanischer Garten sowie die städtische Stabsstelle Inklusion bei.

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