Eine Flussfahrt, die ist lustig fanden auch die Kinder der Sossenheimer Henri-Dunant-Schule. FOTO: Maik Reuß
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Eine Flussfahrt, die ist lustig fanden auch die Kinder der Sossenheimer Henri-Dunant-Schule.

Harmonischer Protest in Frankfurt

Auf, auf zum Entern - aber bitte mit Gesang!

  • VonAlexandra Flieth
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Dunant-Schüler aus Sossenheim schippern mit singender Fähre über den Main bei Höchst- Musik-Unterricht auf den Fluss verlegt

Eine Seefahrt, die ist lustig - das wird in einem Volkslied schon besungen. Ein großes Segelschiff steht den Zweitklässlern der Henri-Dunant-Schule (HDS) zwar nicht zur Verfügung, um auf Reise zu gehen, dafür aber die Höchster Mainfähre "Walter Kolb": Dorthin hat gestern Musiklehrerin Anne Rumpf den Musikunterricht der zweiten Jahrgangsstufe der Sossenheimer Grundschule kurzerhand verlegt.

In der Praxis nicht umsetzbar

Den Grund erklärt Schulleiter Ulrich Grünenwald: "Die wegen der Corona-Pandemie vorgegebenen Hygiene-Vorschriften sehen beim Musikunterricht im Klassenraum jeweils einen Abstand von drei Metern zwischen den Kindern vor. Dass ist in der Praxis nicht umzusetzen." Er selbst nutze die Fähre immer samstags, um von seinem Wohnort Schwanheim nach Höchst auf den Markt zu kommen. Bei einer solchen Fahrt sei er mit dem Fährmann Sven Junghans ins Gespräch gekommen - und so sei die Idee zum Musikunterricht auf der Fähre entstanden.

"Die Kinder der zweiten Klassen haben noch nie regulären Musikunterricht in einem Raum gehabt", sagt Grünenwald. Musikunterricht bedeute derzeit, auf den Schulhof zu gehen, um gemeinsam zu singen. Jetzt im Herbst zieht es dort sehr, auch wenn die Kinder unter einer Überdachung vor Regen geschützt seien. Werde es kälter, sei der Musikunterricht im Freien nicht mehr möglich. Deshalb werde nun die "Outdoor-Sing-Saison" des zweiten Jahrgangs der HDS mit dem Fähr-Erlebnis beendet. Gleichzeitig soll damit auf die Lage der Schule aufmerksam gemacht werden. Sven Junghans sponsert die ganze Aktion und freut sich, die Grundschüler an seinem Arbeitsplatz begrüßen zu können. "Die Kinder singen auf einem Frankfurter Kulturgut", hebt der Fährmann stolz hervor.

Den Start macht die Klasse 2 a. Rund 20 Minuten sind für die Fahrt eingeplant; gemächlich geht es vom Höchster Anleger auf Höhe des Schwanenhofs, wo Pferde auf den Koppeln stehen, und wieder zurück, bevor die nächste Klasse auf die Fähre wechselt. Der Vormittag zeigt sich sogar von seiner sonnigen Seite: Die Mädchen und Jungen, die am Ufer auf ihre Einschiffung warten müssen, spielen und toben unter Aufsicht auf dem "Burgen"-Spielplatz am Höchster Mainufer.

Als Fährmann Sven Junghans die Leinen losmacht, ist den Knirpsen die Begeisterung anzumerken. Musiklehrerin Anne Rumpf hat ihr Keyboard aufgebaut. Sie spielt eine kleine Melodie, die Schüler singen "Dumba, dumba, dumba - jetzt geht's los!". Schnell sind ihre Kehlen eingesungen, und sie freuen sich schon auf ein Lied, das sich um "Hans, den Hasen" dreht, der es kaum erwarten kann, sich so richtig satt zu fressen.

Das gemeinsame Singen nimmt in der Henri-Dunant-Schule eine wichtige Rolle ein. In den vergangenen Jahren brachte die Grundschule mit ihren "Stadtteilopern" gleich mehrere musikalische Inszenierungen in Kooperation mit professionellen Musikern auf die Bühne des Sossenheimer Volkshauses - alle Mädchen und Jungen der gesamten Schule haben sich daran beteiligt. Die Kinder kennen jede Zeile der Lieder, die auf der Fahrt gesungen werden - etwa das über die "Hexe Wackelzahn" oder das Schullied der HDS, "Du bist ok, so wie du bist". Es stammt aus der zuletzt inszenierten Stadtteiloper "Planet Sossenheim", die wegen der Corona-Pandemie in filmischer Form aufgeführt werden musste. Begeistert singen die Mädchen und Jungen und haben sichtbar Spaß an der Aktion - ganz nach dem Motto des Tages, das auf einem Bildschirm am Ruderhaus zu lesen ist: "Die Fähre, die singt".

"Ulrich Grünenwald hält die "singende Mainfähre" fotografisch fest. "Ich denke, dass die Bedeutung Singens gerade für Grundschüler oftmals unterschätzt wird", sagt er und hegt die Hoffnung, dass das Hygienekonzept für den Musikunterricht im Klassenraum, auch aufgrund neuer Studien, schon bald gelockert werde. Der Wunsch sei es, die musikalische Arbeit an der Grundschule wieder aufnehmen zu können - Singen stärke die kindliche Seele. Alexandra Flieth

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