1. Startseite
  2. Frankfurt

Auf den Friedwald folgt das Friedfeld

Erstellt:

Von: Friedrich Reinhardt

Kommentare

Zusammen haben sie das neue Friedfeld auf dem Preungesheimer Friedhof erstritten und errichtet (v.l.): Gert Schrimer, Brigitte Jungnitsch, Robert Lange, Ursula und Gerd Limpert. Die im Kreis stehenden Steine erinnern ein wenig an den jungsteinzeitlichen Ring von Stonehenge in England - nur en miniature und nicht nach der Sonnen ausgerichtet. FOTO: Leonhard Hamerski
Zusammen haben sie das neue Friedfeld auf dem Preungesheimer Friedhof erstritten und errichtet (v.l.): Gert Schrimer, Brigitte Jungnitsch, Robert Lange, Ursula und Gerd Limpert. Die im Kreis stehenden Steine erinnern ein wenig an den jungsteinzeitlichen Ring von Stonehenge in England - nur en miniature und nicht nach der Sonnen ausgerichtet. © Hamerski

Mehrere Steine in einem Kreis

Selbst jetzt, im Spätwinter, wenn die Osterglocken auf dem Friedhof noch nicht blühen, wenn auf den Gräbern und Wiesen das Grau-Braun noch das Grün dominiert, selbst jetzt ist Ursula Limpert von dem neuen Friedfeld auf dem Preungesheimer Friedhof entzückt. "Das haben Sie wirklich schön gemacht", sagt die 74 Jahre alte Dame zu Brigitte Jungnitsch von der Eckenheimer Gärtnerei Goldschmitt. Im Kreis stehen die Taunus-Quarz-Steine, auf denen später die Plaketten mit den Namen und Geburtsdaten angebracht werden. Dazwischen wachsen Eiben, Tulpen, Osterglocken und kleinblättriger Kirschlorbeer.

Über zwei Jahre hat Limpert für das Friedfeld gestritten, vor dem sie nun zufrieden steht und in dem sie und ihr Mann einmal begraben werden sollen. Insgesamt 27 Urnengräber sind auf dem Friedfeld entstanden. Elf Einzelgräber, 14 Partnerurnengräber und zwei Familien Urnengräber. Vertrieben und gepflegt werden sie von der Gärtnerei Goldschmitt.

Die neue Form brauchte ihre Zeit

Im November 2019 hatte Limpert das erste Mal den Oberbürgermeister angeschrieben. Sie bat auch den damaligen Ortsvorsteher Robert Lange (CDU) um Hilfe. Es gab unzählige Anrufe von Limpert im Amt für Friedhofsangelegenheiten - "Ich habe da nicht locker gelassen" - und später einen Ortstermin.

Das sei die Mischung, die es brauche, um auf einem Friedhof ein Friedfeld oder eine andere Bestattungsart einrichten zu lassen, sagt der Gärtner Gert Schirmer. "Wenn sich nicht der Ortsbeirat und ein Kunde dafür einsetzen, wird die Stadt nicht aktiv." Auch in Preungesheim hätte das Friedhofsamt zunächst behauptet, dass auf dem Friedhof keinen Platz für ein Friedfeld sei.

Von Schirmer stammt der landschaftsgestalterische Entwurf des Preungesheimer Friedfelds und übrigens auch der Begriff. "Friedfelder gibt es nur in Frankfurt, weil ich den Namen in Anlehnung an Friedwald kreiert habe", sagt Schirmer. Diese Bestattungsart, auch "Memoriam Garten" genannt, sei sehr gefragt. Auch wenn der Begriff Frankfurt spezifisch ist, die Bestattungsart gibt es auch in anderen Bundesländern. In Hessen seien es rund 100 Memoriam Gärten, sagt Schirmer.

"Die Wahl der Bestattungsart ist eine ganz persönliche", meint Lange. "Darum brauchen wir auf unseren Friedhöfen in den Stadtteilen mehr Vielfalt."

Kein Pflegeaufwand für die Kinder

Wie sie Ursula Limpert wollte. Eine gewöhnliche Beerdigung in einem Erd- oder Urnengrab mit Grabstein und allem Drum und Dran wollte sie nicht. "Das ist nicht modern." Auch Rasen-Urnen-Gräber oder ein Friedwald sagten ihr nicht zu.

Ursula Limpert geht es vor allem darum, dass das Grab in einem ordentlichen Zustand ist. Sie zeigt Gräber, auf denen der Grabschmuck von Weihnachten verrottet, Erdgräber die anscheinend seit Jahren nicht mehr besucht wurden und solche auf nur noch Gras wächst. "Das ist doch schlimm, wie das aussieht." Und man wisse ja nicht, ob die Kinder nicht einmal Frankfurt verlassen müssten.

Darum wollte sie mit ihrem Mann auf einem Friedfeld beerdigt werden. Damit sich eine Gärtnerei professionell um die Grabpflege kümmert. Ihr Ehemann Gerd Limpert wäre mit einem Erdgrab zufrieden gewesen. Wichtig war ihm nur, "dass die Kinder nicht belastet werden".

Rund 3000 Euro zahlt Familie Limperts für ihr Partnerurnengrab. Dafür, dass für sie das die Grabstelle reserviert wird und dass das Grab 25 Jahre von der Gärtnerei Goldschmitt gepflegt wird. Hinzu kommen fast 876 Euro, die sie für die Grabnutzungsrechte an die Stadt Frankfurt zahlen müssen.

Friedrich Reinhardt

Neues Friedfeld in Bonames

Neue Friedfelder sind laut Gert Schirmer von der gleichnamigen Gärtnerei auch in Bonames und in Nieder-Erlenbach entstanden. Die Gräber in Bonames seien ab dieser Woche, jene in Nieder-Erlenbach seit zwei Wochen verfügbar.

Auch interessant

Kommentare