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Auf den Frankfurter Fußwegen ist’s zu eng – Politik nimmt Gastro in den Blick

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Die Römer-Koalition will Ausuferungen der Außengastronomie in Frankfurt stoppen, um auf Gehwegen mehr Platz zu schaffen. Auch E-Scooter und Leihfahrräder sind ein Problem.

Frankfurt - Fußgängern will die Römer-Koalition in Frankfurt mehr Platz auf Gehwegen freiräumen. Nicht nur wild geparkte E-Scooter und Leihfahrräder haben Grüne, SPD, FDP und Volt im Blick. Auch soll ausuferndes Wachstum der Außengastronomie gestoppt werden. Was die Gastro-Branche kritisiert, begrüßen Fußgänger.

Im Lokal in der Weißadlergasse sitzen die Gäste in der Sonne vor dem Haus, trinken ihren Kaffee, die Stimmung ist entspannt. Anders bei den Passanten, die auf dem Gehweg vorbeikommen. Die Stühle und Tische mit den Gästen ragen so weit herüber, dass gerade noch ein schmaler Durchgang von etwa einem Meter verbleibt. Und das, obwohl das Lokal direkt davor auf der Fahrbahn viele weitere Tische und Stühle platziert hat. „Die Außengastronomie macht uns große Sorgen“, sagt Hannes Heiler von der Behinderten-Arbeitsgemeinschaft FBAG. Mit dem Beginn der Corona-Pandemie hatte die Stadt Frankfurt den Gastronomen großflächig die Nutzung der Gehwege gestattet, damit Gäste virus-sicher draußen sitzen.

Engstellen auf Frankfurter Gehwegen: Bürgerinitiative weist auf den Missstand hin

Inzwischen stehen die Tische und Stühle oftmals wieder so eng wie vor Beginn der Pandemie - aber auf der größeren Fläche. „Oft bleibt nur ein schmaler Restgehweg“, sagt Hannes Heiler sauer. Auch Bernd Schneider von der Bürgerinitiative für sicherer Gehwege hatte in den vergangenen Monaten mehrfach auf die vielen Engstellen in Frankfurt hingewiesen. Beispiele gibt es zuhauf etwa in der Münchener Straße im Bahnhofsviertel, in der nördlichen Brückenstraße in Sachsenhausen, im Grüneburgweg und Leerbachstraße im Westend.

Dort an der Ecke Feldbergstraße bleibe auf Höhe eines Lokals nur 1,20 Meter übrig, erklärt Hannes Heiler, in der Grempstraße in Bockenheim seien es nur 80 Zentimeter. Hinzu kämen die wild geparkten E-Scooter und Leihfahrräder. „Das ist ein drängendes Problem,“ betont der Behindertenvertreter, „aber wird das jemals kontrolliert?“

Zurück zu festen Regeln geht die Koalition nun. So sollen die Lokale weiter die vergrößerten Flächen nutzen können. Das soll jedoch per Genehmigungsverfahren laufen, während die Stadt die Zusatz-Nutzung bislang duldete. So soll sichergestellt werden, dass genug Platz auf Gehwegen bleibt. Im Gegenzug bekämen die Gastronomen dadurch Planungssicherheit, wodurch Investitionen in dauerhafte Bestuhlung möglich würden, betont Frankfurts Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). „Die pauschale Regelung ist schwierig“, es müsse „abgewogen werden“ zwischen Interessen der Gastronomen und der Fußgänger. „Wir wollen weiterhin den Betrieben behilflich sein, die ja weiterhin ihre Probleme haben wegen Corona.“ Es müsse aber stets eine Mindestbreite von 1,50 Meter auf dem Gehweg freibleiben. „Es darf keinen Wildwuchs geben.“

Vollgestellte Geh- und Überwege erschweren Fußgängern das Durchkommen in der Münchener Straße im Bahnhofsviertel.
Vollgestellte Geh- und Überwege erschweren Fußgängern das Durchkommen in der Münchener Straße im Bahnhofsviertel. © Pfeiffer-Goldmann, Dennis

Nach einem ersten Vorstoß Majers im Sinn der Fußgänger hatte es Kritik des Hotel- und Gaststättenverbandes gegeben. Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) forderte ein Fortsetzen der Sonderegeln. Jüngst hatte Majer diese über Oktober hinaus bis März verlängert. Es müssen aber „Geh- und Radwege frei bleiben und die Flächen mit Augenmaß genutzt werden“.

„Die Gehwege sind uns ein Anliegen“, sagt Katharina Knacker, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Nicht nur sollten die Belange von Gastronomen und Fußgängern in Einklang gebracht werden. „Wir wollen die Gehwege freiräumen von Stadtmobiliar“, kündigt Knacker an. Es sei widersinnig, dass Parkscheinautomaten den Fußgängerbereich reduzierten.

Frankfurt: Dank „Wildwest-Manieren“ bleiben E-Scooter ein Problem

Auch sei die Stadt Frankfurt dabei, gegen wild geparkte E-Scooter vorzugehen, betont Majer. Sie hat begonnen, Stellplätze für die elektrischen Leihroller zu beschildern und zu markieren. Im Umkreis von 100 Metern dürfen E-Scooter nicht mehr geparkt werden. Bisher lassen einige Vermietfirmen das aber weiter zu und nutzen technische Lösungen nicht, das Beenden der Mieten in Parkverbotsbereichen zu unterbinden.

Beim Einrichten der E-Scooter-Stellplätze könne die Stadt nur „sukzessive vorgehen“, räumt der Mobilitätsdezernent ein. Aktuell markiert die Kommune Stellplätze im Umfeld der Zeil, die Stadtteile kommen später dran. Das sei „ein anspruchsvoller Prozess, es wird nicht gehen, alles bis morgen umzubauen“.

Spürbar sauer ist Stefan Majer aber auf einige der E-Scooter-Firmen: „Es gibt verantwortungsbewusste Verleiher und andere, die dazu beitragen, dass die Stimmung negativ wird.“ Allerdings, gesteht der Stadtrat zu, helfe auch die beste Software nicht gegen „die Wildwest-Manieren“ der Kunden.

„Es ist toll, dass die Stadt die vergrößerten Flächen ermöglicht“, sagt Sevil Cakici vom Café Roseli in der Weißadlergasse. Der Wiedereinführung verbindlicher Regeln sieht sie hoffnungsvoll entgegen. Die Wirtin erwartet nämlich, dass die Stadt auch „die aktuelle Wettbewerbsverzerrung“ beendet. Lokale wie ihres aus der zweiten Reihe müssten ebenfalls Tische und Stühle auf umgenutzten Parkplätzen aufstellen dürfen, findet sie. Bisher haben nur direkt angrenzende Gaststätten darauf Zugriff. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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