fff_krippe__1_of_1__171220
+
Die Playmobilkrippe der Paul-Gerhardt-Gemeinde wächst fast täglich. Dafür sorgt Gerd Pfahl. foto: faust

Niederrad: Mal was anderes

Auf der Krippe sitzt ein Eichhörnchen

  • vonGernot Gottwals
    schließen

Kreativer Gemeindepädagoge baut biblische Episoden mit Playmobil-Figuren nach

Noch ist es dunkel über dem Stall von Bethlehem, wo sich Katze und Eichhörnchen Gute Nacht sagen. Erleuchtet ist dafür ein Playmobil-Männchen mit goldenem Lorbeerkranz, das vor dem Hintergrund des Colosseums den Weg weist: "In dieser Zeit befahl Kaiser Augustus allen Bewohnern des römischen Reiches, sich in Listen einzutragen", ist auf einer Texttafel zu lesen.

Schild weist nach Jerusalem

"Unsere Krippe wächst alle paar Tage und die jeweils bedeutenden Szenen können wir durch Scheinwerfer besonders ausleuchten", sagt Gerd Pfahl, Pädagoge in der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde. Dazu gehören natürlich auch die beiden Figuren mit Esel, auf die Augustus zeigt: Maria und Josef, die sich auf den langen Weg machen. Und damit sie unterwegs die Orientierung nicht verlieren, zeigt ihnen auch noch ein Wegweiser aus der Wüste die richtige Richtung: "Jerusalem 135 Kilometer".

Beruflich hat Pfahl zwar eher mit der Generation 50 plus zu tun. "Als Kind habe ich noch mit Legosteinen gespielt und habe dann Playmobil erst mit meinen eigenen, inzwischen erwachsenen Kindern kennengelernt", erinnert er sich. So wie jene Väter, die zusammen mit Söhnen und Töchtern die Modelleisenbahn entdecken. Mit Playmobil, so seine Hoffnung, könne man nicht nur Kinder ansprechen, wie es bereits in Kindergottesdiensten geschehen ist, sondern auch Playmobil-vertraute Erwachsene animieren, die Weihnachtsgeschichte neu zu entdecken.

Die Fotokulisse des römischen Colosseums und der Wüste im Heiligen Land hat Pfahl aus eigenen Aufnahmen und Bildern aus dem Internet gebastelt. Ausgerüstet mit Figurensets aus mehreren Themenwelten zu "Weihnachten" sowie "Arche Noah", "Römer" und "Ägypten" hat Pfahl bereits Ende November begonnen, die ersten Motive nachzustellen.

Die Verkündigung Mariens gehört dazu, aber auch der Besuch bei ihrer Cousine Elisabeth, die mit Johannes dem Täufer schwanger ist. Bereits bei diesen Szenen zeigten sich die vielen Möglichkeiten, aber auch die Grenzen, die Playmobil bietet: "Die Figuren sind ja mit einem angedeuteten freundlichen Lächeln dargestellt und abgesehen von ihrer orientalischen Kleidung sehr allgemein gehalten", erklärt Pfahl.

So könne sich eine Maria schon mal in eine Elisabeth und ein Noah in deren Ehemann verwandeln, den Priester Zacharias. Erkannt werden die Charaktere dann aus dem Kontext der Szene. Schwangere Frauen seien in der Welt von Playmobil zwar nicht vorgesehen, sagt Pfahl. "Dafür beschäftigt man sich dann inhaltlich mit der Frage, warum Maria ihre Cousine überhaupt besuchte." Schließlich sei die Mutter Jesu zwar mit Josef verlobt, nicht jedoch verheiratet gewesen, und musste ihre Schwangerschaft daher verbergen.

Mit Feder und Barrett

Alle paar Tage baut der Gemeindepädagoge das Geschehen zwischen Colosseum, Wüste und den ägyptischen Pyramiden etwas um - und platziert dabei immer wieder gerne Figuren oder Accessoires, die mit der biblischen Weihnachtsgeschichte nichts zu tun haben. Bis vor wenigen Tagen war das ein schwarzes Männchen mit Barrett, Feder und Bibel. "Doch manche Betrachter taten sich offenbar schwer, darin Martin Luther zu erkennen", sagt Pfahl.

Auch derzeit hat sich wieder ein Geselle eingeschlichen, der hier fehl am Platz ist. Dieses Mal sollte man auf eine rote Figur und einen Stab achten. Wer alle nicht-biblischen "Zutaten" bis zum 10. Januar richtig erkennt (Telefon 67 25 30), für den hält Pfahl Süßigkeiten oder Buchgeschenke parat.

Wie auch bei traditionellen Krippen üblich, wird nach der Herbergssuche Christi Geburt erst kurz vor Heiligabend nachgestellt. "Danach kommen dann die Weisen aus dem Morgenland und zu Silvester die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, bevor die Krippe am 6. Januar abgebaut wird", erklärt Pfahl.

Aber Katze und Eichhörnchen sind ja noch da. Überhaupt hat Pfahl ein Herz für Tiere: Spinnen, ein Skorpion und Schlangen sind an mehreren Stellen zu entdecken. Aber diese Tiere gehören nun mal nach Palästina. Und die Schlange ist ja sogar prominent in der Schöpfungsgeschichte vertreten. Gernot Gottwals

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare