an Bonse (rechts), Auszubildender im Bereich Industriemechanik bei Provadis, demonstriert Mert Pamukci (Mitte) und Eldrick Dolphan (links) das Gasschmelzschweißen. FOTOs: Maik Reuß
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an Bonse (rechts), Auszubildender im Bereich Industriemechanik bei Provadis, demonstriert Mert Pamukci (Mitte) und Eldrick Dolphan (links) das Gasschmelzschweißen.

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Auf der Suche nach engagierten Fachkräften

  • VonSabine Schramek
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Ausbildung oder Studium? Provadis in Höchst stellte Jugendlichen 40 Berufe vor

Teils nervös, teils gelangweilt stehen schon am frühen Morgen Jugendliche in langen Schlangen bei Provadis im Industriepark an, um sich einzutragen und für Führungen anzumelden. Nach dem ersten Lächeln der Mitarbeiter weichen Nervosität und Langeweile gespanntem Interesse. Ausbildungsleiter Stefan Erhard beobachtet die jungen Leute. "Sie können heute ganz genau sehen, was wir machen und was sie werden können", sagt er und erzählt über den wachsenden Bedarf vor allem in der Logistik- und IT-Branche. Und von technischer Ausbildung, Industriemechanikern, Chemikanten und Pharmakanten.

22 000 Menschen in 90 Firmen

Denn Fachkräfte sind Mangelware. Rund 22 000 Menschen arbeiten bei den mehr als 90 Standortgesellschaften. Provadis im Industriepark Höchst bildet aus: Am Samstag kamen 710 Jugendliche und ihre Eltern, um sich hautnah zu informieren. Ausbilder und Azubis zeigten anschaulich, was alles geht, und beantworteten jede Menge Fragen zu mehr als 40 verschiedenen Berufen. Und zum Dualen Studium, das Provadis ebenso anbietet.

Florian Trautmann ist 19 Jahre alt, im dritten Lehrjahr als Mechatroniker - und es macht ihm sichtlich Spaß, von seiner Ausbildung zu erzählen. "Ich wollte auf jeden Fall in den technischen Bereich und entweder Industriemechaniker oder Mechatroniker lernen. An einem Tag der offenen Tür wie heute habe ich mich entschieden", erzählt er Leonard (15), der neugierig mit seinen Eltern vor einem großen Gerät, vollgestopft mit Sensoren und anderer Technik, steht. Florian Trautmann zeigt, wie es Metallzylinder haargenau von einer Stelle auf die andere transportiert. "Ich überlege noch, ob ich Realschulabschluss oder Fachabitur mache" sagt Leonard. "Auf jeden Fall will ich mich aber schon umschauen." Seine Eltern Sabine und Andreas Pipperek fiebern mit. Der Papa würde am liebsten gleich selbst an der Mechatroniker-Anlage anfangen, die Mama ist zumindest schwer beeindruckt. Alle haben ein Bändchen mit vier Karten um, mit denen sie an mehreren Führungen teilnehmen. "Das ist grandios organisiert hier", sagt Sabine Pipperek und sieht sich staunend um zwischen Werksfeuerwehr und Laboren, zwischen Schweißanlagen und feinsten technischen Geräten. Leonard hört konzentriert zu und ist leise begeistert.

Auszubildende berichten selbst

Provadis-Ausbildungsleiter Stefan Ehrhard weiß um die Vorteile des persönlichen Dialogs am Tag der offenen Tür: "Das Schöne ist, dass die Auszubildenden aus ihrem Berufsalltag berichten und Fragen direkt beantworten können. Das gibt den Teilnehmenden die Möglichkeit, Informationen aus erster Hand zu erhalten." Zudem sei es bei der Berufsfindung sehr wichtig für junge Menschen, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen, quasi auf Augenhöhe. "Auszubildende und Studierende wissen selbst, wie schwierig es ist, sich für einen Berufsweg zu entscheiden. Sie können sich daher gut in die Rolle der Schülerinnen und Schüler hineinversetzen."

Bei Provadis gibt es nicht nur die Möglichkeit einer klassischen Lehre, sondern auch das Duale Studium: Wirtschaftswissenschaften, Naturwissenschaften, Informatik und Wirtschaftsinformatik werden an der privaten Hochschule gelehrt. "Die Kosten für das Studium übernehmen für 70 bis 80 Prozent der Studierenden die Unternehmen am Standort", erklärt Björn Hekman. Dem Präsidenten der Provadis-Hochschule ist es wichtig, dass das Studium so für alle möglich ist und eben "nicht so elitär wie andere private Hochschulen. Die Ausbildung zwischen Theorie und Praxis ist absolut fließend, weil die Ausbildungen im ständigen Austausch auf dem gesamten Gelände stattfinden." Mehr als 1200 Studenten gibt es hier. "Für einige Spontan-Entscheider ist sogar jetzt noch Platz", lockt Hekman. "Vor allem im Bereich Informatik und Wirtschaftsinformatik. Der Bedarf ist riesig."

Auch Björn Hekmann betrachtet sich das Treiben auf dem großen Campus am Rand des Industrieparks. Auf Bänken unter Bäumen und auf einer Wiese blättern Jugendliche und Eltern in Broschüren und überlegen, was sie sonst noch alles ansehen können. Manche lernen sich hier kennen auf der Suche nach der richtigen Ausbildung. Stolz präsentieren zwei Jungs weiße Tuben voller Creme. "Die durften wir selber füllen", sagt einer von ihnen aufgeregt und erklärt genau, wie die weiße Paste eingefüllt wird. "Das ist echt spannend", meint er und cremt sich die Hände ein. "Hier gibt es so viel zu entdecken, dass man am liebsten alles gleichzeitig lernen würde." Er weiß noch nicht, ob er einen kaufmännischen oder praktischen Bereich einschlagen will - und überlegt.

Nach der Lehre im Industriepark bleiben

Azubi Florian Trautmann ist in einem halben Jahr fertig mit der Lehre. Er hat zwar seine Traum-Ausbildung als Mechatroniker gefunden, sucht jetzt aber eine adäquate Arbeitsstelle. "Ich will auf jeden Fall eine Stelle im Industriepark. Hoffentlich klappt es bei Sanofi", sagt er. Sanofi gehört zu den Firmen mit den meisten Auszubildenden am Standort: in Höchst beginnen durchschnittlich 130 junge Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet jedes Jahr ihre Ausbildung.

Leonard und seine Eltern ziehen begeistert weiter zur nächsten Führung durch das Gebäude. Am Ende lächeln alle drei. Ebenso wie die anderen mehr als 710 künftigen Schulabgänger, die nach dem Tag der offenen Tür voller Eindrücke und Wissen ins Wochenende gehen. bi

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