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Auf Streifzug durch die Entwicklung Nieds mit Adalbert Vollert

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Die Vorstandsmitglieder Dieter Kruska (v. l.) und Norbert Traband, der Ehrenvorsitzende Adalbert Vollert und der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Nied, Wolfgang Lampe, präsentieren die erweiterte Neuauflage des Buchs „Ein Gang durch Nied“. FOTO: Maik Reuß
Die Vorstandsmitglieder Dieter Kruska (v. l.) und Norbert Traband, der Ehrenvorsitzende Adalbert Vollert und der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Nied, Wolfgang Lampe, präsentieren die erweiterte Neuauflage des Buchs „Ein Gang durch Nied“. © Maik Reuß

Die Entdeckungsreise durch den Frankfurter Stadtteil Nied kann man bequem vom Lese-Sessel aus unternehmen.

Das seit Jahren vergriffene Buch „Ein Gang durch Nied - Straßennamen erzählen“ liegt wieder vor: Der Heimat- und Geschichtsverein Nied hat es zu seinem 40-jährigen Bestehen zusammen mit dem inzwischen 97 Jahre alten Autor Adalbert Vollert, Gründer und Ehrenvorsitzender des Vereins, erweitert und neu herausgebracht. Das ist am Samstagmittag in der früheren Beuneschule, in der der Verein sein kleines Heimatmuseum hat, zusammen mit dem Jubiläum mit Sekt und Gebäck gefeiert worden.

Beuneschule? „Beune“ ist ein alter Flurname, erfahren interessierte Leser aus dem Buch. Die Beuneschule hat ihren Namen von der Beunestraße. Die Beuneflur lag zwischen Nidda und Rödelheimer Weg (heute Oeserstraße); das altdeutsche Wort bedeutet „gebundenes“, also eingefriedetes Land: Die Beuneflur durfte nicht von jedem, sondern nur von Berechtigten genutzt werden. Berechtigt war das Mariengredenstift in Mainz, zu dessen Grundherrschaft die „Beune“ gehörte.

Der Verein wurde vor 40 Jahren gegründet

„Es ist nötig geworden, das Buch zu erweitern, denn es ist viel gebaut worden in jüngster Zeit“, sagte Wolfgang Lampe, der den Verein seit 2008 führt. Dabei habe eine Vorstandsgruppe sowie seine Tochter Brigitte den Autor Adalbert Vollert unterstützt. Vollert ist zwar 1925, im Jahr vor der unlängst verblichenen Königin Elizabeth II., geboren, aber trotz seines hohen Alters fit im Kopf und voller Tatendrang. Weil die Buchvorstellung am Samstag auch die Veranstaltung zum 40-jährigen Vereinsbestehen war, schilderte Vollert, wie das 1982 gewesen war mit der Gründung des Heimat- und Geschichtsvereins Nied: Er habe zur Einrichtung eines Museums Räume gesucht, und der damalige Ortsvorsteher Dr. Josef Hartinger habe zu ihm gesagt: „Wenn Sie einen Raum haben wollen, müssen Sie einen Verein gründen, einen Trägerverein.“ Also habe er 150 Leute angeschrieben und für den 28. Oktober 1982 ins Haus Nied eingeladen. 70 davon seien gekommen, und die Gründung des Vereins schnell erledigt gewesen: „Nach der Gründung hatten wir in wenigen Minuten einen siebenköpfigen Vorstand zusammen.“ Der Historiker und Heimatforscher Vollert, von Beruf lange Jahre Direktor der Gerhard-Hauptmann-Realschule, hatte den Vorsitz bis 2008 inne, als er sich „aufs Altenteil“ zurückziehen wollte.

Mit 95 hat man noch Pläne . . .

Wer den „Archäologen verschütteten Wissens“, wie wir ihn einmal nannten, kennt, weiß, dass er damit nur die Verwaltungsbürde abgab, nicht aber seine Begeisterung für die Geschichte. Mit seinem Nachfolger Lampe, einem in Kindertagen als Eisenbahner-Spross in Nied sesshaft gewordenen Berliner, ist er allerdings sehr zufrieden. Seit 65 Jahren ist Lampe in Nied, aber so richtig kennengelernt habe er es erst durch Vollerts jetzt wieder neu aufgelegtes Buch, merkte er an. Das letzte Exemplar des 2003 in 1. und 2005 in 2. Auflage erschienenen Buchs sei vor drei Jahren verkauft worden, und deshalb sei es nun Zeit für die dritte Auflage gewesen. Die Initiative dafür sei von Vollert ausgegangen, der beim Äußern der Idee gerade 95 Jahre alt gewesen sei.

Wie alles begann mit seinen Forschungen zu den Nieder Straßennamen, das erzählte Vollert auch: Man habe sechs handschriftliche Seiten von Adam Brühl gefunden, im 19. Jahrhundert Pfarrer der Simultankirche, heute Christuskirche in Alt-Nied. Aufgelistet auf diesen sechs Seiten waren alle Haushaltungsvorstände des Jahres 1889 samt Adressen in den damals zehn Nieder Straßen. Heute sind es 69 . . .

Finanzielle Unterstützung zur Umsetzung der Neuauflagen-Idee unter Berücksichtigung der Bau-Fortschritte gab es vom Stadtplanungsamt und aus dem Erbe von Heinz Schlott, früherer Höchster Hotelier, der den Verein in seinem Testament bedacht hatte. Auch Vollert selbst gab noch etwas dazu, und so konnte das Buch nun vorgestellt werden, zur Unterscheidung von seinen Vorgänger-Auflagen im grünen Einband (und mit Eintracht-Logo auf dem Foto der Niddahalle, das den Einband neben anderen Ansichten ziert). Dank der finanziellen Unterstützung konnte der Verkaufspreis gleich bleiben: Zu haben ist das Nieder Standardwerk für 10 Euro beim Verein; verdienen will man daran nicht. Die ersten Exemplare gab es als Präsent für verdiente Gründungsmitglieder. Denn das Buch ist nicht nur für Neu-Nieder eine spannende und aufschlussreiche Lektüre, sondern auch für Alteingesessene, die sich schon immer gefragt haben, ob die Kehreinstraße so heißt, weil man dort so gerne einkehrte oder der Bergmannweg auf die Montanindustrie zurückzuführen ist - die richtigen Antworten findet man im Buch.

Holger Vonhof

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findet man im Überblick auf www.geschichtsverein-nied.de; bestellen kann man sie unter Telefon (0 69) 39 87 89, per E-Mail an heimat@geschichtsverein- nied.de oder Telefax (0 69) 35 35 61 45.

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