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Aufatmen im Römer: Reaktionen auf die Abwahl Feldmanns

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Von: Julia Lorenz

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Mehr als 200 000 Frankfurter stimmen beim Bürgerentscheid gegen den Frankfurter OB Peter Feldmann. Die Erleichterung im Römer ist groß.

Frankfurt -„Das Quorum ist erreicht“ ruft eine Stimme durch den Römer. Es ist der Moment, in dem allen Politikern, städtischen Mitarbeitern und Journalisten im Rathaus klar ist: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist abgewählt. Einige Anwesende klatschen. Julia Frank, Parteichefin der Grünen, und Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) fallen sich in die Arme. Frank und Eskandari-Grünberg hatten sich bei der Verkündung gerade gemeinsam mit SPD-Parteichef Mike Josef den Fragen von Journalisten gestellt.

Josef indes dreht sich erst einmal um und verlässt die Szenerie. Später wird er mit ernster Miene sagen: „Es waren emotionale Wochen für uns alle.“ Jetzt hätten die Frankfurter aber ein wichtiges Zeichen gesetzt und den Weg freigemacht für einen Neustart. „Die Frankfurter haben die Grundlage dafür geschaffen, dass wir den Ruf unserer Stadt wiederherstellen können.“ Ob er selbst nun der Nachfolger von Feldmann wird? Wer für die SPD ins Rennen geht, werde der Parteivorstand am Donnerstag den Gremien vorschlagen, wehrt Josef ab. „Es ist nicht der Tag, über Kandidaten zu sprechen“, sagt Josef. „Heute stehen die Frankfurter im Vordergrund.“

Bürgerentscheid in Frankfurt: Euphorische Stimmung im Römer

95,1 Prozent der Wahlbeteiligten haben am Sonntag für die Abwahl von Oberbürgermeister Feldmann votiert. Auch das dafür nötige Quorum von 30 Prozent wurde erreicht. Insgesamt stimmten 201 825 Frankfurter für die Abwahl. Das sind deutliche mehr als die benötigten 152 455 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,9 Prozent.

Nachdem das vorläufige Endergebnis - das endgültige wird erst am Freitag durch den Gemeindewahlausschuss verkündet - feststeht, ist die Stimmung gelöst im Römer. Fast euphorisch. „Die Erleichterung ist groß“, sagen viele an diesem Abend. Dazu zählt auch Yanki Pürsün, Fraktionschef der FDP. „Der Tag heute hat deutlich gemacht, dass die Frankfurter Peter Feldmann nicht mehr als Oberbürgermeister wollen“, sagt er. Die Stadt sei nun erlöst worden. „Ich wünsche mir, dass sich in ganz Deutschland jeder künftige Oberbürgermeister sagt: Ich will nicht so sein wie Peter Feldmann.“

Auch Dimitrios Bakakis, Fraktionschef der Grünen im Römer, ist „unglaublich“ erleichtert. „Unsere Demokratie funktioniert“, sagt er. „Die Wähler haben Peter Feldmann heute gezeigt, was sie von seiner Ich-bezogenen Amtsführung halten.“ Dass es so weit kam, lag seiner Ansicht nach am Oberbürgermeister selbst. „Er hat sich mit seinen Aktionen diskreditiert.“ Seiner Ansicht nach sei der zweite Verhandlungstag im Korruptionsprozess gegen Feldmann „der Schlüsselmoment“ für viele gewesen, ihn abzuwählen. Feldmann hatte vor Gericht über seine Anwälte eine Erklärung verlesen lassen, in der es hieß, er habe seine Frau nur wegen einer ungewollten Schwangerschaft geheiratet, er habe zunächst auf eine Abtreibung seiner mittlerweile sechs Jahre alten Tochter bestanden. „Nach dieser Aussage war ich fast schon überzeugt, dass die Abwahl klappt“, so Bakakis. „Das hat die Menschen empört.“

Erleichterung nach Wochen der Anspannung: Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (links) und die Parteichefin der Grünen im Römer, Julia Frank, fallen sich spontan in die Arme, als klar ist, dass das Quorum erreicht wurde und Feldmann abgewählt ist. FOTO: enrico sauda
Erleichterung nach Wochen der Anspannung: Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (links) und die Parteichefin der Grünen im Römer, Julia Frank, fallen sich spontan in die Arme, als klar ist, dass das Quorum erreicht wurde und Feldmann abgewählt ist. © Enrico Sauda

Frankfurt: „Feldmann machte Wahlkampf gegen sich“

Ähnlich sieht es Michael Müller, Fraktionschef der Linken. Schon früh am Abend ist er sich sicher, dass Feldmann abgewählt wird. Er sagt Sätze wie: „Wahlkampf hat nur Feldmann gegen sich selbst gemacht.“ Und: „Die individuellen, kleinen Fehltritte haben das Fass zum Überlaufen gebracht.“ Auch er selbst habe sich nach der Einlassung vor Gericht „fremdgeschämt“. Er fürchtet allerdings auch in den kommenden Monaten bis zur Neuwahl einen „Stillstand“ in der Stadt. „Dabei hätten wir jetzt wichtige Entscheidungen zu treffen bei all den Krisen“, sagt er. Dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Nils Kößler ist die Freude über das Ergebnis der OB-Abwahl an diesem Abend deutlich anzusehen. „Frankfurt hat sich seine Würde zurückgeholt. Ein jahrelanges Trauerspiel ist beendet“, sagt Kößler, der gemeinsam mit seiner Partei seit März den Rücktritt von Feldmann fordert, seit dem Tag, als die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den OB wegen des Verdachts der Vorteilsannahme erhoben hat. „Jetzt ist der Weg frei für einen Neuanfang.“

Der Kreisvorstand der CDU will bereits heute seinen Kandidaten für die OB-Wahl bekanntgeben. Ob dies der Kreisvorsitzende Uwe Becker sein wird? „Ich habe immer betont, dass ich, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, die Partei um ihr Vertrauen bitten werde“, sagt er am Abend.

Die FDP will am Samstag auf einem Kreisparteitag über die Kandidatenfrage entscheiden, bei den Grünen soll dies am 19. November passieren. (Julia Lorenz mit sab, fnk)

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