Vorführmodell einer Elektroauto-Ladesäule mit Elektroauto.
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Die E-Auto-LAdesäule von Qwello soll in Frankfurt unter anderem die Verkehrswende voranbringen. Doch in der Politik wird gebremst.

Elektromobilität

Ausbau des Ladenetzes für E-Autos in Frankfurt stößt auf irritierende Hürden

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Frankfurt ist spät dran mit der Wende im Individualverkehr. Jetzt wird ausgerechnet in der Politik gebremst.

Frankfurt – Mit Qwello beginnt ein erster Anbieter mit dem Aufbau eines Ladesäulen-Netzes für Elektroautos. Vier weitere Firmen haben ebenfalls Standorte beantragt. Liegt Frankfurt bisher hinten bei der Elektroauto-Infrastruktur, könnte die Stadt bald Vorreiter sein mit schnell sogar 1500 Ladepunkten - bisher gibt es knapp 200. Doch ausgerechnet im Römer wird gebremst.

Kreditkarte oder Smartphone wie an der Supermarktkasse an die Säule halten, die Strompistole mit Kabel wie die Zapfsäule an der Tankstelle herausziehen, ins Auto stecken, das Laden beginnt. Ganz simpel will Qwello das Stromtanken an seinen Ladesäulen machen. Keine App, keine Anmeldung. Von Oktober an, hofft Geschäftsführer Henrik Thiele, sollen die Frankfurter das nutzen.

Die ersten der 30 genehmigten Ladesäulen sollen dann in Betrieb gehen, sobald die Netzdienste Rhein-Main den Stromanschluss gelegt haben. Im Umfeld der Innenstadt, aber auch in äußeren Stadtteilen geht es los - etwa in der Fahrgasse in der Altstadt, der Buchgasse hinterm Römer, im Sandweg im Nordend, in der Emmerich-Josef-Straße in Höchst.

Elektromobilität in Frankfurt: Politik steht eigenen Verkehrszielen im Weg

Mit nur 26 öffentlichen Ladepunkten je 100.000 Einwohnern hat Frankfurt bisher das zweitschlechteste Angebot unter den zehn größten Städten Deutschlands. Warum baut Qwello dann nur 30 neue Säulen? "Wir haben 680 beantragt", erklärt Firmenchef Thiele. Die Standorte seien auf Wirtschaftlichkeit überprüft, dennoch übers gesamte Stadtgebiet verteilt, auch in der Peripherie gelegen.

Es liege aktuell sogar eine "fast vierstellige Zahl von Anträgen vor", erklärt Ansgar Roese, Prokurist der städtischen Wirtschaftsförderung, die den Ausbau der E-Infrastruktur im Auftrag von Wirtschaftsstadtrat Markus Frank (CDU) koordiniert. Auch Anbieter On-Charge stehe kurz davor, die ersten Säulen zu bauen. Anträge gestellt hat auch der Frankfurter Versorger Mainova ebenso wie zwei weitere Unternehmen.

Zudem ist die politische Richtung klar: 875 Ladesäulen zu bauen bis 2030 hat das Stadtparlament vorgegeben. Zudem beschloss die vorige Koalition aus CDU, SPD und Grünen, dass die Stadt nicht den Aufbau eines kompletten Ladesäulennetzes langwierig und teuer ausschreibt, sondern gleich Investoren anwirbt.

Verkehrspolitik in Frankfurt verjagt Investoren

Doch warum genehmigt die Stadt bisher kaum Standorte? Es müsse jede Stellfläche einzeln geprüft werden, ob sie sich für die Sondernutzung als Ladesäulenstandort eigne, etwa vom verkehrlichen her oder beispielsweise aus Denkmalschutzsicht, räumt Investor Thiele ein.

Diese Prüfung aber dauert sehr lang. Es habe "viele Diskussionen" verwaltungsintern mit anderen Dezernenten und Ämtern gegeben, erklärt Stadtrat Frank. Das Thema sei zwar Neuland für die öffentliche Hand, aber "es könnte viel schneller gehen, wenn die Kollegen nicht so bremsen". Das adressiert er konkret an die SPD-Ressorts für Stadtplanung und Verkehr. Dem Vernehmen nach soll sogar diskutiert worden sein, ob die Ladesäulen schön aussehen.

Die quälend lange Genehmigungszeit ließ Anfang 2020 den ersten Investor Reißaus nehmen. Qwello hat anderthalb Jahre auf das Okay aus dem Römer gewartet. Allzu gern nähme Henrik Thiele sofort das zigfache an Genehmigungen entgegen und würde sofort loslegen. "Wir können das schnell hochskalieren."

Verkehrspolitik: Angebot an elektronischen Ladesäulen in Frankfurt fehlt

Auf das schnelle Okay hofft auch Markus Frank, schließlich ist "die E-Mobilität in Gang gekommen". 6,5 Prozent der Fahrzeuge in Frankfurt seien inzwischen elektrisch angetrieben. Mit der Freigabe des Baus der Ladesäulen müsse die Stadt nun das "Henne-Ei-Problem lösen".

Es gebe sehr viele Nachfragen von Bürgern, die sich gern ein Elektroauto anschaffen wollten, dafür aber auch Lademöglichkeiten bräuchten, erklärt Ansgar Roese. "Wir müssen jetzt das Angebot schaffen", appelliert er. "Daran führt kein Weg vorbei, wenn wir wollen, dass die Menschen auf die E-Mobilität umsteigen." Und die Hälfte der Autos in Frankfurt seien als Laternenparker auf öffentliche Elektrosäulen angewiesen, sagt Henrik Thiele.

Deshalb geht er davon aus, dass das Ausbauziel der Stadtverordneten weit übertroffen wird, wenn die Stadt bereitwillig grünes Licht gibt, damit die Anbieter die Nachfrage decken dürfen: "Bis 2030", prognostiziert der Qwello-Chef, "wird es in Frankfurt 7000 bis 8000 Ladesäulen geben." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

An anderer Stelle wird die Verkehrswende durch Elektrobusse auf Abruf vorangetrieben, die in Frankfurt aber zunächst langsam an den Start gehen.

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