Vor 40 Jahren ist die Alte Oper wiedereröffnet worden. Das 1880 erbaute Opernhaus war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.
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Vor 40 Jahren ist die Alte Oper wiedereröffnet worden. Das 1880 erbaute Opernhaus war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.

Kultur

40 Jahre Alte Oper: Auferstanden aus Ruinen

  • VonJürgen Walburg
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Vor 40 Jahren, am 28. August 1981, wurde die Alte Oper in Frankfurt als Konzert- und Kongresszentrum wiedereröffnet. Das Jubiläum wird an diesem Samstag zum Auftakt der neuen Spielzeit gefeiert.

Frankfurt – Auf dem Giebel über dem Haupteingang der Alten Oper zieht eine bronzene Pantherquadriga einen Wagen mit der Muse Erato aus der griechischen Mythologie. Ursprünglich stand hier eine aus Zink gegossene Figurengruppe Apollos, des Gottes der Künste, doch das Werk des Berliner Bildhauers Erdmann Encke wurde im Krieg zerstört.

Die etwa drei Tonnen schwere Quadriga hat eine abenteuerliche Geschichte hinter sich. 1902 wurde sie vom Frankfurter Bildhauer Franz Krüger für das neue Schauspielhaus an der Gallusanlage geschaffen. 60 Jahre später, beim Abbruch der Jugendstilfassade des Theaters, hat ein Kunstliebhaber aus dem Taunus das bronzene Raubtier-Quartett samt Wagenlenkerin gekauft und in seinen Garten gestellt. Nach zehn Jahren verkaufte er die spektakuläre Gartenzierde an einen Schrotthändler in Nieder-Eschbach. Dort entdeckte ein Fotograf 1973 das Kunstwerk. Die "Aktionsgemeinschaft Opernhaus" erfuhr von der Odyssee, machte 25 000 Mark für die Bronzepanther locker und ließ sie auf die Alte Oper stellen.

Prominente Unterstützer des Wiederaufbaus der Frankfurter Alten Oper

Der Wiederaufbau nach dem Krieg war einerseits eine langwierige Geschichte, andererseits machten sich schon früh Bürger wie der Stadtverordnete Max Flesch-Thebesius (CDU) dafür stark, der 1952 das Komitee "Rettet das Opernhaus" gründete. Von Anfang an dabei war die Frankfurter Neue Presse mit Verleger Werner Wirthle und Lokalchef Richard Kirn, der 1957 in einem Kommentar schrieb: "Wer es wagt, diese edle Ruine zu zerstören, dem ist eines gewiss: die Verachtung der Nachwelt."

Prominente Mitstreiter waren Komponist Paul Hindemith, "Urwaldarzt" Albert Schweitzer, FDP-Politiker Heinz Herbert Karry und Volkstheaterchefin Liesel Christ. Nobelpreisträger Thomas Mann, der als Kind mit seinen Eltern im Frankfurter Opernhaus war ("Ich hatte seinesgleichen nie gesehen"), schrieb 1953 an Flesch-Thebesius: "Rechnen Sie mich [...] zu denen, für die die pietätvolle Erhaltung des Opernbaus, der noch in seinem gegenwärtigen schmerzlich mitgenommenen Zustand ein Glanzstück harmonischer Architektur bleibt, [...] eine wahre Herzenssache ist."

Die von IHK-Präsident Fritz Dietz 1964 ins Leben gerufene "Aktionsgemeinschaft Opernhaus" brachte für den Wiederaufbau fast 15 Millionen Mark an Spenden zusammen - bundesweit einmalig auf kulturellem Gebiet.

Frankfurt: Wiedereröffnung der Alten Oper mit 2500 Gästen

In der Amtszeit von Oberbürgermeister Rudi Arndt (SPD) begann 1976 der Wiederaufbau. Der Genosse hatte den Spitznamen "Dynamit-Rudi" weg, weil er in den 1960er Jahren als damaliger hessischer Wirtschaftsminister in einer hitzigen Debatte im Frankfurter Club Voltaire sagte, er wolle die Opernhausruine in die Luft sprengen. Das sei gar nicht ernst gemeint gewesen, beteuerte er danach - vergebens.

Am 28. August 1981, Goethes 232. Geburtstag, war es dann so weit: Mit Gustav Mahlers 8. Sinfonie begann das Bauwerk nach der fast 200 Millionen Mark teuren Wiedergeburt sein zweites Leben als Konzert- und Kongresszentrum Alte Oper. Unter den rund 2500 geladenen Premierengästen war auch Ernst Gerhardt, damals Frankfurter Stadtkämmerer. Er erinnert sich noch gern daran: "Es war eine ergreifende Eröffnungsfeier." Der CDU-Politiker, der am 10. September 100 Jahre alt wird, ist schon als Schüler oft im Opernhaus gewesen, denn seine Schule in Bockenheim hatte dort ein Abonnement.

Knapp zwei Jahre nach der Wiedereröffnung schoss vor dem monumentalen Prachtbau erstmals eine Fontäne in die Höhe, die heute so vertraut ist: Am 14. Juni 1983 wurde der Lucae-Brunnen mit einem großen Fest eingeweiht. Seitdem ist er ein beliebter Treff- und Ruhepunkt mitten in der Stadt. Der Baumeister des Opernhauses hatte den Brunnen bereits 1872 geplant, der Entwurf verschwand aber wieder in der Schublade. Der Frankfurter Bildhauer Edwin Hüller hat den Brunnen nach Lucaes Plänen realisiert. Die 120 Tonnen schwere Schale hat einen Durchmesser von fünf Metern, der Granit stammt aus dem Steinbruch Reinersreuth bei Hof. Die Brunnenanlage hat 1,8 Millionen Mark gekostet.

Die lange Geschichte der Alten Oper in Frankfurt

Es war Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein (1818-1890), Frankfurts erster Oberbürgermeister, der 1869 den Vorschlag machte, ein größeres Theater zu bauen. Das 1782 eröffnete Comoedienhaus am Theaterplatz (heute Rathenauplatz) mit rund 1000 Sitzplätzen genügte in der auf etwa 100 000 Einwohner angewachsenen Stadt nicht mehr, das Fassungsvermögen sollte verdoppelt werden. Der OB konnte die Stadtverordnetenversammlung von seiner Idee überzeugen, am 9. Februar 1871 wurde das Projekt genehmigt. Der Berliner Baumeister Richard Lucae, ein Schüler des berühmten Stadtplaners Karl Friedrich Schinkel, gewann den Architektenwettbewerb, im Frühjahr 1873 begannen die Bauarbeiten.

Zur Eröffnung am 20. Oktober 1880 mit Mozarts Oper "Don Giovanni" kam sogar Kaiser Wilhelm I. An seiner Seite saßen in der mit einem Purpurbaldachin gekrönten Hofloge Kronprinz Friedrich (Wilhelms Sohn) und Prinz Heinrich (Enkel des Kaisers). Im teppichbelegten Prunk-Treppenhaus sagte der mächtig beeindruckte Monarch zu Intendant Emil Claar den später oft zitierten Satz: "Das könnte ich mir in Berlin nicht erlauben." Die Frankfurter Zeitung jubelte am Tag nach der Eröffnung: "Frankfurt hat gestern Besitz ergriffen von einem der herrlichsten Bauwerke der Gegenwart, von einem der schönsten Theater Europas." Statt des Initiators des Prachtgebäudes, Oberbürgermeister Mumm von Schwarzenstein, durfte der wenige Monate zuvor ins Amt eingeführte neue Oberbürgermeister Johannes Miquel den Kaiser begrüßen. Wegen der Kostenexplosion auf fast sieben Millionen Goldmark war Mumm nicht wiedergewählt worden.

Der Finanzskandal um das Opernhaus brachte auch Mundartdichter und Satiriker Friedrich Stoltze auf die Palme. Er sprach vom "Guten schönen Baren" in Anlehnung an die Inschrift am Dachfries (Dem Wahren Schoenen Guten). Und sein Sohn Adolf Stoltze dichtete zur Eröffnung: "Dem Wahre, Scheene, Gute, / die Berjersclaft muß blute, / Dem Scheene, Gute, Wahre, / Der Magistrat sollt' spare, / Dem Wahre, Gute, Scheene, / merr muß sich dran gewöhne."

Frankfurt: Zerstörung der Alten Oper 1944

Am 28. Januar 1944 stand wieder einmal Mozarts "Don Giovanni" auf dem Programm der Oper. Es sollte die letzte Aufführung sein, denn am Tag darauf wurde das Gebäude durch Bomben so schwer beschädigt, dass kein Spielbetrieb mehr möglich war. Bei den verheerendsten Bombenangriffen auf Frankfurt am 22. März 1944, bei denen die historische Altstadt im Feuersturm unterging, wurde durch Brandbomben das Innere des Opernhauses zerstört.

Nicht nur den Eingangsgiebel der Alten Oper ziert ein neues Kunstwerk, auch die Skulptur auf dem Hauptgiebel wurde beim Wiederaufbau neu geschaffen. Hier stand bis 1944 ein vom Berliner Bildhauer Ludwig Brunow in Zink gegossener Pegasus, der den Krieg nicht überstanden hat. Bildhauer Georg Hüter (Seligenstadt) schuf aus Kupferblech ein neues geflügeltes Pferd, das wenige Tage vor der Eröffnung der Alten Oper mit einem Autokran auf den Giebel gehievt wurde. Heinz Schomann, damals Frankfurter Denkmalpfleger, gefiel Hüters Version ganz und gar nicht: Pegasus sei "vom feurigen Vollblut zum trägen Kaltblüter" geworden. (Jürgen Walburg)

Auf dem Opernplatz hat vor kurzem ein neuer Beach-Club eröffnet – mit einigen Überraschungen.

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