Markus Frank (CDU) war zwölf Jahre Stadtrat. Am 8. September muss er Platz für andere machen.
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Markus Frank (CDU) war zwölf Jahre Stadtrat. Am 8. September muss er Platz für andere machen.

Politik

"Aufgeräumt wird, wenn die Mission erfüllt ist"

  • Sarah Bernhard
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Stadtrat Markus Frank (CDU) über komplexe Aufgaben, Weichenstellungen und ein Thema, das er gerne zu Ende gebracht hätte

Seit 12 Jahren und vier Monaten ist Markus Frank (CDU) Dezernent der Stadt. Seine Amtszeit endete am 7. Mai, bereits im Herbst 2020 gab er bekannt, auf seine Wiederwahl zunächst zu verzichten. Im Gespräch mit Redakteurin Sarah Bernhard blickt der 52-Jährige zurück - und in die Zukunft.

Herr Frank, wie geht es Ihnen so kurz vor dem Abschied? Schon alles aufgeräumt?

(lacht) Ich bin noch voll bei der Arbeit. Aufgeräumt wird, wenn die Mission erfüllt ist.

Was ist denn Ihre Mission?

Zum Beispiel unsere Wirtschaft voranzubringen, und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wir haben die Unternehmen dabei unterstützt, über 100 000 zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Und wir haben große Unternehmen ansiedeln können, zum Beispiel DB Schenker, Michelin und Fujitsu. Es geht immer darum, der Wirtschaft mehr Wertschätzung, auch im Magistrat, zu geben. Auch das ist gut gelungen.

Und das ist ja nur eines Ihrer drei Aufgabenfelder.

Bei der Sicherheit geht es vor allem um gute Arbeitsbedingungen für unsere Feuerwehrleute, Stadtpolizisten oder auch die Ausländerbehörde. Deshalb haben wir die Strukturen verbessert und über 150 Millionen Euro investiert. Und die wunderbaren Menschen in den Sportvereinen brauchen eine Infrastruktur, in der auch sie sich entfalten und die Vereine wachsen können. Vereine dienen ja nicht nur der Leibesertüchtigung, sondern stärken auch unsere Werte. Auch hier konnten wir 250 Millionen Euro in 12 Jahren und 4 Monaten investieren.

Schätzen Sie mal, wie viele Kunstrasenplätze Sie seit Amtsantritt eingeweiht haben.

Das kann ich Ihnen genau sagen: Wir haben insgesamt 47 Kleinspielfelder und 46 Kunstrasenplätze gebaut oder saniert und weitere auf den Weg gebracht. Damit sind wir die Kunstrasen-Hauptstadt in Deutschland. Warum ist das wichtig? Kunstrasen hat den vierfachen Nutzungsgrad und benötigt viel weniger Wasser.

Es gibt sehr unterschiedliche Meinungen über Sie. Eine Kontroverse ist, ob Sie eher vernetzt sind oder eher geklüngelt haben. Wo verorten Sie sich?

Geklüngelt? (guckt erstaunt) Vernetzen ist extrem wichtig. Nehmen wir mal das Gewerbegebiet Fechenheim/Seckbach. Da haben wir alle eingeladen und gefragt: Wie stellt ihr euch das Gewerbegebiet der Zukunft vor? Und plötzlich haben Menschen mitbekommen: Mein Nachbar leistet Großartiges. Das Zusammenbringen bietet neue Chancen. Auch bei der Ansiedlung der Fashion Week: Weil wir uns über Jahre um unsere Kreativen gekümmert haben, war es möglich, dass sich elf Agenturen zusammengeschlossen und ein neues Konzept erarbeitet haben.

Was hat Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten Spaß gemacht?

Knifflige, komplexe Aufgaben finde ich gut, etwa gemeinsam mit Experten nach guten, bezahlbaren Lösungen zu suchen. Als ich gerade Sportdezernent geworden war, bekam ich zum Beispiel ein Fax, dass wir am Bornheimer Hang auf der A 661 eine Gegenlichtanlage bauen müssten. Beim FSV war eine falsche Flutlichtanlage eingebaut worden und die Autobahn sollte beleuchtet werden, um die Blendwirkung aufzuheben. Das Spiel gegen Werder "drohte", es musste zack-zack gehen, es gab sogar einen Erlass des Ministers, ich hätte nur noch unterschreiben müssen. Aber es widersprach meinem gesunden Menschenverstand, zu viel Licht mit noch mehr Licht zu kontern. Also habe ich einen Leuchten-Spezialisten aus Österreich geholt, der den Strahlern quasi Scheuklappen verpasst hat. Das hat zwei, drei Millionen Euro, sehr viel Zeit und sehr viel Lichtemission gespart. Das war eine große Herausforderung, hat mich auch wachsen lassen, und gezeigt: Vertrau deinem Bauchgefühl, vertrau deinem Verstand.

Ihr schönstes Erlebnis in Ihrer Zeit als Politiker?

Als wir 2018 mit der Eintracht nach Berlin gefahren sind, um den Pokal zu holen, das war Gänsehaut-Feeling, das werde ich nie vergessen. Auch noch gegen Bayern München, das war richtig gut.

Ihr größter Erfolg?

Mit dem Bau der DFB-Akademie den Deutschen Fußball-Bund auf die nächsten 100 Jahre gehalten zu haben. Das ist sowohl sportpolitisch als auch wirtschaftspolitisch bemerkenswert. Es war aber auch gleichzeitig der größte Tiefpunkt, wenn Sie das noch fragen wollen. Dieses Verfahren vor dem Oberlandesgericht, in dem die vorsitzende Richterin uns vorgeworfen hat, sittenwidrig zu handeln, das war eine schlimme Situation. Da haben wir weitergekämpft, bis zum BGHf, und haben Recht bekommen. Durch diese tiefen Täler musst du durch, da musst du kämpfen.

So wie bei der Multifunktionsarena am Kaiserlei, die sie eigentlich schon vor zehn Jahren bauen wollten.

Die Multifunktionsarena steht sogar im neuen Koalitionsvertrag, die wird kommen, und darauf freue ich mich.

Was bereuen Sie am meisten?

(überlegt lange) Mir fällt nichts ein. (schaut fragend zu seiner Büroleiterin, überlegt weiter) Es gibt nichts zu bereuen. Wir haben große Themen vorangebracht, sehr viel für die Stadt in die richtige Richtung gelenkt, vieles abschließen können. Es war eine wunderbare Zeit.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Dieses vernetzte Lösen von komplexen Aufgaben. Das hat mich angespornt. Nehmen wir den Friedberger Platz. Vor meiner Zeit konnte das Problem nicht gelöst werden, weil es keine gute Analyse gab. Ich habe mir die Situation angeschaut und festgestellt: Es gibt sieben Interessengruppen. Die Frage war: Wie bekommen wir die zusammen? Wir haben sechs Monate hart gearbeitet, und dann einen Kompromiss gefunden, der sehr lange funktioniert hat. Die Herausforderung, sowas Komplexes zu orchestrieren, und dabei auch mal Dinge auszuprobieren, das werde ich vermissen.

Was soll später einmal als Ihr Erbe genannt werden?

Ich würde mich freuen, wenn der Fußball der Zukunft in Frankfurt gemacht wird. Morgens die Börsenkurse, mittags der EZB-Leitzins und nachmittags gibt der Bundestrainer die Mannschaftsaufstellung bekannt - und alles aus Frankfurt. Und dass die Stadt eine blühende Wirtschaftsmetropole bleibt, weil wir die Menschen zusammengebracht haben, und die das weiter nutzen.

Gibt es ein Projekt, das Sie gerne noch verwirklicht hätten?

Ich hätte mich gefreut, wenn wir im Magistrat gemeinschaftlich eine robuste Sozialarbeit im Bahnhofsviertel hätten aufbauen können. In Zürich gibt es dazu tolle Konzepte, die man auf Frankfurt anpassen kann. Wir müssen die drogenkranken Menschen von der Straße holen, ihnen eine Ausstiegsperspektive geben. Aber das können keine Uniformierten, das müssen Sozialarbeiter sein. Da hätten alle zusammen mehr Gas geben müssen.

Wären Sie gerne OB geworden?

Nein. Meine Aufgaben haben mich bisher voll ausgefüllt.

Oder doch Bundestagsabgeordneter?

Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich machen durfte. Hier in meiner Heimatstadt konnte ich viele Dinge selbstständig und mit Leidenschaft voranbringen.

Ist es heute schwieriger, Kommunalpolitiker zu sein, als vor zehn Jahren?

Es ist schwieriger, weil es einfacher geworden ist, Partikularinteressen vorzubringen. Aber es geht nicht nur um Einzelinteressen, wir müssen die Stadt voranbringen. Bei den Günthersburghöfen zum Beispiel hat Olaf Cunitz ein hervorragendes Konzept auf den Weg gebracht, wie man Wohnraum schaffen kann und trotzdem die ökologische Balance hält. Das Konzept war grüner als grün, und jetzt schieben die Grünen es weg. Das ist erstaunlich. Genauso bei Gewerbegebieten: Jeder weiß, dass wir sie brauchen, aber plötzlich wird infrage gestellt, dass wir sie brauchen. Aber wenn du dich bei jedem Widerstand umdrehst, drehst du dich nur noch im Kreis. Wir brauchen Politiker, die gute Ideen auch durchsetzen, wenn's mal wehtut. Du musst auf deinen Kompass schauen und nicht in die Augen deiner besorgten Freunde, sonst wird das nichts.

Haben Sie sich deshalb nicht zur Wiederwahl gestellt?

Sich kurz vor der Kommunalwahl für sechs Jahre in den Magistrat wählen lassen, hätte mir zwar finanzielle Vorteile gebracht, doch ich empfinde das als nicht sonderlich demokratisch. Jetzt hat es den Vorteil, dass mir eine Abwahl erspart bleibt. Über den 7. Mai hinaus verlängert habe ich, um meine Nachfolger einzuarbeiten. Ich möchte, dass sie einen guten Start haben, dann haben auch meine Projekte eine gute Chance, weiterzulaufen.

Warum kehren Sie der Politik nun ganz den Rücken?

Ich war gewählt für zwei Perioden, jetzt gibt es andere Mehrheiten. Klar ist es nicht einfach, loszulassen. Es ist schwierig, mit den vielen Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet haben, nicht mehr so eng zusammenarbeiten zu können wie bisher. (überlegt) Es tut einem im Herzen weh, wenn man nicht weiter die Weichen stellen kann. Aber Veränderung gehört zum Leben dazu und ist immer auch eine Chance. Man muss loslassen können, und das lerne ich gerade.

Und nun?

Ich kämpfe mich erstmal noch bis zur Bundestagswahl und mache dann Urlaub in Italien. Bestimmt.

Haben Sie schon Pläne für danach?

Erst einmal nicht. Nach zwölf Jahren Dauereinsatz muss ich mich erstmal um mich selbst kümmern. Ich hatte ja immer das Handy dabei, war immer unter Spannung. Es ist auch mal schön, wenn das aufhört. Es braucht Zeit, um runterzufahren, und sich zu fragen: Wie gestalte ich meine Zukunft?

Gibt's ein politisches Ziel im Leben, das Sie noch erreichen möchten?

(grinst) Wir schauen mal.

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