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Stolz steht das Betriebspersonal vor dem Bernemer Depot. Die Aufnahme datiert nach 1905 und vor 1910.

Geschichte zum Abreißen

Die 21. Auflage des Stadtteilkalenders widmet sich vor allem Jubiläen

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Der Bornheimer Stadtteilkalender für 2019 ist von Jubiläen geprägt, dazu gehören die Einweihung der katholische Kirche Heilig Kreuz und die Elektrifizierung der Straßenbahn.

Wie viele Stadtteilkalender wird auch der von Bornheim quer durch das Land und in alle Welt geschickt. „Irgendwann meldete sich bei uns ein katholischer Priester, der in Bornheim geboren war, als Eremit in Bayern wohnte und uns viele Bilder früherer Bornheimer Prozessionen schickte“, erzählt Bernhard Ochs. Leider sei der Priester vor wenigen Jahren verstorben und könne so nicht mehr das 90. Weihejubiläum der Heilig-Kreuz-Kirche erleben, die das Kalenderblatt für September ziert.

„Die Weihe war zwar am 25. August, aber der August ist bei uns immer für das Volksfest der Bernemer Kerb reserviert“, sagt Ochs und verweist auf den Süßwarenverkäufer Pietro Tassani, der seine Leckereien zur Kerb feilbot. Im Oktober folgt der 60. Jahrestag der Grundsteinlegung für das evangelische Gemeindehaus nahe der Johanniskirche, das jedoch am 10. September 2006 durch einen Neubau ersetzt wurde. Weitere Jubiläen sind der SPD-Parteitag im Lokal „Weiße Lilie vor 125 Jahren, die den März schmückt, und die Elektrifizierung der Straßenbahn von Bornheim in die Innenstadt vor 120 Jahren für den Monat April. Ein Trio sucht Bilder aus

Der Stadtteilkalender, der bereits zum 21. Mal erscheint, ist mittlerweile selbst schon eine liebenswerte Tradition. Jeweils ein halbes Jahr zuvor trifft sich das dreiköpfige Team, das aus Bernhard E. Ochs, Dieter Church und Maximilian Koch besteht, und wählt Bilder aus: „Wir haben ein paar Hundert historische Fotos und Postkarten im Archiv“, sagt Ochs. „Und es kommt auf die richtige Verteilung von Jubiläen, wichtigen Bornheimer Institutionen und spontanen Ideen an.“

So strahlt auf dem Deckblatt ein sonniges Farbfoto von der „Zwiwwelkerch“ (Johanniskirche) mit der Fahne des Museumslädchens. Der Januar eröffnet das Jahr mit einer Collage des Fotostudios Stugrapho, auf der unter anderem die Friedberger Warte, die Sankt Josefskirche und das Uhrtürmchen zu sehen sind. „Im Februar kommen häufig Motive aus der Fassenacht zum Einsatz“, sagt Ochs. „Diesmal haben wir uns aber Ansichten der Ernst-May-Siedlung am Bornheimer Hang entschieden.“ Dort entstanden von 1926 bis 1930 rund 1500 Wohnungen aus dem Bauprogramm „Das Neue Frankfurt“.

Der Mai zeigt zwei verdutzte Bornheimer, die einen vom Bornheimer Hang aufsteigenden Zeppelin bewundern – zwar von hinten, doch schöne Rücken können bekanntlich auch entzücken. Der Juni erinnert an die Unterschiede vom FSV Frankfurt und der Eintracht: Durch die Gründung vor 120 Jahren in Bornheim, was sich bis heute in der charakteristischen Wolfsangel im Vereinswappen zeigt. Allerdings sind die Kicker nicht in Trikots zu sehen, sondern tragen zum Brunnen- und Eingemeindungsfest 1952 die Uniformen österreichischer Soldaten: „Die waren 1833 hier einquartiert und haben offenbar bleibende Eindrücke hinterlassen“, meint Ochs. Alter Schriftzug zu sehen

Zwei Monate sind Traditionslokalen gewidmet: Den Juli ziert der Bornheimer Ratskeller, der mit Gastwirt Mario Furlanello einen neuen Pächter gefunden hat. Inzwischen wurde auch das Hauptgebäude wieder wie auf der Postkarte von 1923 aufgestockt. Anders als üblich befindet sich hier der Ratskeller jedoch nicht unter dem historischen Rathaus, das in der Berger Straße steht (stand). Der November zeigt das beliebte Weinlokal der Familie Dünker in der Berger Straße 265. Doch das historische Foto lässt unter dem Putz noch einen alten Schriftzug erkennen: „Denn hier war früher die Apfelweinkelterin Rackles untergebracht, eine von vielen, die es früher in Bornheim gab“, sagt Ochs. Der Dezember weckt wehmütige Gefühle: Ein Abrissbagger reißt das Fachwerkhäuschen in der Enkheimer Straße 20 ab.

„Das Denkmalamt konnte das damals nicht verhindern“, bedauert Ochs. „Dieses Foto haben wir bewusst an das Jahresende gesetzt, um zum Nachdenken anzuregen.“ Das Farbfoto zeigt, dass sich das Ereignis erst vor ein paar Jahrzehnten abgespielt hat, genauer gesagt im Jahr 1986. Apropos: „Auch was vor 25 Jahren fotografiert wurde, kann heute schon zur Geschichte gehören und unseren Fundus für künftige Kalender bereichern.“

Der Stadtteilkalender

kostet 9 Euro und ist unter anderem in der Frankfurter Volksbank, Berger Straße 207 - 209, dem Kaufhaus Hessen, Berger Straße 288 und in der Buchhandlung Naumann und Eisenbletter, Berger Straße 168 zu bekommen.

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