...und tragen sie zu einem großen Berg zusammen.
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...und tragen sie zu einem großen Berg zusammen.

Abi-Sause im Grüneburgpark

Aufräumen nach der Party

Frei

Freitagmorgen, acht Uhr: Für den Großteil der Abiturienten, die gestern im Grüneburgpark das Ende ihrer schriftlichen Prüfungen begossen haben, ist noch lange nicht ans Aufstehen zu denken. 45 fleißige Schüler finden sich dennoch pünktlich zusammen, um den Müll des vergangenen Tages von der großen Wiese der Grünanlage zu räumen. Beobachtend steht Michael Eickenboom von der Frankfurter Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ auf der Wiese und lässt seinen Blick schweifen.

Das Grünflächenamt hatte extra viele Mülleimer im Park aufgestellt, genutzt wurden diese jedoch kaum: „Der meiste Müll ist auf dem Boden gelandet“, beschreibt Eickenboom das offensichtliche Dilemma. Nun kümmern sich Schüler der Q2 des Gymnasiums Riedberg und des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums sowie einige aus dem Abi-Jahrgang der Elisabethenschule darum den angerichteten Unrat zu beseitigen.

Hilfe von Profis

Mit Handschuhen und Greifzangen ausgestattet, sammeln sie den  Müll auf und werfen ihn in Müllsäcke. Die Unmengen an Flaschen, die keine 18 Stunden vorher noch mit hartem Alkohol gefüllt waren, sammeln sie auf einem großen Haufen. Dort werden sie anschließend vom Landschaftsservice Gesa auf die Ladefläche des Pritschenwagens gewuchtet.

Das hier nicht die Verursacher der Müllberge am Werke sind, stört die Aufräumenden jedoch nicht: „Das ist ok, weil ich ja weiß, dass ich hier nächstes Jahr auch feiern werde und dann andere für mich aufräumen“, erklärt Lara, Schülerin am Riedberg-Gymnasium. Auch Luis Göbel, Referent im Stadtschülerrat, zieht mit einer Greifzange über die Wiese: „Die meisten sind heute natürlich total verkatert, wenn wir warten würden bis der letzte Säufer aufwacht, wären wir heute nicht so schnell fertig“, berichtet er. Er lobt, dass die Stadt im Vorfeld keine Versuche unternommen hatte, die Party zu verhindern, sondern nach Wegen gesucht habe, wie es nach der Feier weitergeht.

Bereits Monate vor der erwarteten Abi-Sause hatte sich der Ortsbeirat um ein Konzept bemüht. Dabei wurde beschlossen drei Frankfurter Schulen zum Aufräumen zu motivieren: Mit je 500 Euro für die Jahrgangskasse. Und das hat sich gelohnt. Zum ersten Mal konnten Anwohner und Ortsbeirat sicher sein, dass sich jemand um die Folgen des traditionell ausufernden Festes kümmert.

Mit der 1500-Euro-Spende sei die Stadt dabei auch günstiger weggekommen, als wenn die vom Grünflächenamt beauftragte Firma die Aufräumarbeiten alleine hätte stemmen  müssen, erklärt Gisela Becker von der Bürgerinitiative Grüneburgpark. Jedoch hätte dann das Amt zahlen müssen. Das Budget des Ortsbeirates werde für andere Projekte gebraucht. Zudem gäbe es jetzt kein Zurück, denn ob die nächsten Jahrgänge auch ohne Geldspritze helfen würden, bezweifelt Becker.

3,5 Tonnen Müll

Mit Hochachtung beobachtet sie die motiviert aufräumenden Schüler. Doch dass es Jahr für Jahr zu diesen Zuständen im Grüneburgpark kommt, dafür hat sie kein Verständnis: „Das ist keine genehmigte Veranstaltung, das muss der Öffentlichkeit klar sein“, betont sie. Kirsten Schwartzkopff, stellvertretende Elternbeirätin an der Schillerschule pflichtet ihr bei: „Die Publikationen von Presse und Polizei klangen als wäre das eine offizielle Abiparty.“ Würde klar kommuniziert werden, dass das Gelage nicht genehmigt ist, würden auch weniger Partywütige kommen, ist ihre These.

Jetzt hoffen sie darauf, dass endlich eine neue Lösung gefunden wird. Zusammen mit Mitgliedern des Ortsbeirates, der Bürgerinitiative und des Stadtschülerrates habe man sich bereits zusammengesetzt und eine Alternative eruiert. Das Ziel soll sein ein attraktives und organisiertes Gegenangebot an anderer Stelle zu schaffen. Gisela Becker ist skeptisch, ob es dazu kommt: „19 Mitglieder des Ortsbeirates haben sich das hier nicht angesehen“, ärgert sie sich. Lediglich Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) sei einmal kurz durch den Park gelaufen.

Nach nichteinmal zwei Stunden gemeinsamer Arbeit, sind die Schüler auch schon fertig.

3,5 Tonnen Müll

, schätzen die Reinigungsprofis von Gesa, seien zusammengekommen. Dass sie bei der Reinigung helfen müssen, stört die nicht: „Das ist unser Beruf“, betont Alfonso Gentile und fügt hinzu: „Das erleben wir jedes Wochenende im Lohrpark und im Ostpark.“

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