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Wolfgang Stegemann hat den Dachstuhl bereits isoliert. Er würde ihn gerne ausbauen und Wohnraum für zehn Euro pro Quadratmeter schaffen.

Wohnungsnot

Mit Aufstockungen und dem Ausbau von Dachgeschossen lassen sich günstige Wohnungen schaffen

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Wäsche trocknen im Dachgeschoss? Eigentlich ist dies verschwendeter Wohnraum. Nachverdichtung durch Aufstockung oder aber durch Ausbau des Dachgeschosses könnte in Frankfurt mehrere Tausend Wohnungen schaffen. Die ABG macht's in der Platensiedlung vor. Private Bauherren beklagen Hindernisse durch die städtische Bürokratie.

Die Wohnungsnot ist groß, Nachverdichtung tut not. Nikolaus Jung, Geschäftsführer des Verbands der Hauseigentümer, „Haus und Grund“, sieht in Frankfurt die Möglichkeit, 8000 Wohnungen zu schaffen durch den baurechtlich privilegierten Ausbau von Dachgeschossen oder die Aufstockung der Gebäude. Prof. Martina Klärle von der Frankfurt University of Applied Sciences hat in einer Studie errechnen lassen, dass auf diese Weise sogar mehr als 10 000 Wohnungen geschaffen werden könnten. Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), spricht davon, dass Nachverdichtung in den Wohnblocks der 50er und 60er Jahre allein 10 000 Wohnungen möglich machen könnte. „Das ist aber nicht nur Aufstockung.“

Kommentar zur Bauordnung: Alte Zöpfe auch mal abschneiden

18 000 Wohnungen könnten auf diese Weise geschaffen werden. Auch weil das größte Hindernis bislang, die Stellplatzfrage, in der neuen hessischen Bauordnung gefallen ist: Ausbau und Aufstockung sind ohne Stellplatznachweis möglich.

In der nördlichen Platensiedlung stockt die ABG derzeit etliche Zeilenbauten auf. Gleich zwei Etagen kommen auf die drei bestehenden, in den 50er Jahren von den Amis errichteten Wohngebäude. Das Besondere: Es sind Holzmodule ähnlich denen, die für Flüchtlinge errichtet wurden. Die beauftragte Firma LiWood hat gar eine Fertigungsstätte in Frankfurt errichtet.

680 neue Wohnungen in der Frankfurter Platensiedlung

Im nördlichen Teil der Platensiedlung sind zu den 348 Wohnungen weitere 680 dazugekommen – nicht nur in Form von hölzernen Aufstockungen über zwei Etagen, sondern auch als Kopf- und Brückenbauten am Ende der Häuserzeilen. Dadurch entstehen große Innenhöfe. Die Kosten für die Verdichtung belaufen sich auf 160 Millionen Euro. „Künftig wird es günstiger“, glaubt Junker, „wenn die Stellplatzsatzung erst der neuen hessischen Bauordnung angepasst ist.“ Für den Ausbau der Platensiedlung musste die ABG noch eine Tiefgarage bauen.

Voraussetzung für das Aufstocken war, dass die Bestandshäuser es statisch verkraften. „Wir mussten mit hohem Druck Beton unter das Fundament spritzen“, sagte Junker. Auch das erhöht die Kosten. „Andererseits besitzen wir schon die Grundstücke, das macht es interessant.“

Aufstockung und Dachgeschossausbau: Beides sind Möglichkeiten, relativ schnell viel Wohnraum zu schaffen. Wolfgang Stegemann, Unternehmer aus Bad Vilbel, hat in Frankfurt 17 Mehrfamilienhäuser mit 100 Wohnungen. „Ich möchte Wohnraum schaffen“, sagt er, „und zwar gerne für zehn Euro pro Quadratmeter.“ Und nicht für zwölf oder 13. Doch Stegemann klagt, in Frankfurt sei dies aufgrund der Auflagen und Genehmigungskosten kaum möglich.

Verschwendeter Wohnraum durch verbotene Dachgauben

Beispiel für eine Schleppgaube.

Zum Beispiel in der Spohrstraße 54, Nordend, ein Gründerzeithaus, Baujahr 1913. Der Speicher ist riesig – und leer. „Die Mieter hängen hier die Wäsche auf. Das ist alles“, sagt Stegemann. Er könnte hier eine Wohnung mit 125 Quadratmetern bauen – oder zwei mit 60 Quadratmetern. „Ich habe ähnliche Objekte in Maintal verwirklicht, da kostet der Quadratmeter jetzt weniger als zehn Euro.“ In Frankfurt würde er die Wohnung gern für zehn Euro anbieten. „Dachgeschossausbau ist möglich, die Baukosten liegen bei 1500 Euro pro Quadratmeter, die Bauzeit bei drei Monaten. Schneller und günstiger geht es nicht.“ Hindernisse sieht Stegemann jedoch in der hessischen Bauordnung: „Demnach darf ich nur 50 Prozent der Wohnfläche mit Dachgauben versehen, die andere Hälfte erhält lediglich Dachfenster. Das ist verschwendeter Wohnraum!“ Noch schlimmer sei es in Frankfurt, wo die Erhaltungssatzung Nordend in der Spohrstraße Dachgauben ganz und gar verbietet. „Das“, sagt Stegemann, „ist nicht mehr wirtschaftlich.“

Dezernatssprecher Mark Gellert hat auch keinen Rat. „Es sind halt die Regeln, daran müssen alle sich halten.“ Ebenso wie beim Brandschutz, ebenso wie beim teuren und langwierigen Genehmigungsverfahren, wenn man einen Kran aufstellen lässt... Argumente, die Stegemann in Zeiten, in denen rund 30 000 Wohnungen fehlen, nicht nachvollziehen kann.

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