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Für Jutta Rohde-Geißler und ihre Tochter ist der Weg vom Bahnsteig in die Fußgängerunterführung beschwerlich. Der Aufzug ist defekt.

Öffentlicher Verkehr in Frankfurt

Aufzüge im Höchster Bahnhof sind meist kaputt

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Gute Vorsätze nicht erfüllt: In ihrer Mobilität eingeschränkte Fahrgäste hatten sich viel vom Umbau des Höchster Bahnhofs versprochen. Die Arbeiten sind noch immer nicht fertig, aber so viel ist schon jetzt klar: Die Aufzüge sind zu oft defekt.

Jutta Rohde-Geißler hat es nicht leicht, mit Tochter Finja und dem großen Kinderwagen vom Bahnsteig in die Fußgängerunterführung zu kommen. Der Aufzug: defekt. Sie muss, das Töchterchen vor der Brust, ihren Kinderwagen auf der Treppe um den Aufzug herumlavieren. Auf dem Aufzug prangt ein Aufkleber der Bahn: „Defekt. Ein Techniker wurde verständigt. Wir bitten um ihr Verständnis . . .“ Mit Filzstift hat jemand daraufgeschrieben: „Seit nun schon bald einem Jahr. Techniker lernt noch.“

Der große Wurf in Sachen Barrierefreiheit ist am Höchster Bahnhof nicht gelungen. „Beim Betrieb der Aufzüge kommt es in der Tat des Öfteren zu Unterbrechungen. Grund hierfür sind größtenteils Vandalismusschäden und mutwillige Beschädigungen an Scheiben und Türen“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage des Höchster Kreisblatts. Vereinzelte Störungen seien jedoch auch „technisch bedingt“. Die Bahn-Mitarbeiter seien „stets um möglich kurzfristige Reparatur bzw. Störungsbeseitigung bemüht“.

Wer als Rollstuhlfahrer oder mit einem Kinderwagen auf die Bahnsteige gelangt, kann trotzdem nicht mit Barrierefreiheit rechnen. Der Grund: Die Züge der Bahn haben unterschiedliche Einstiegshöhen. Das war jedoch schon vor dem Umbau klar. Ein Beispiel: Die neuen Bahnsteige sind 76 Zentimeter hoch, doch die S-Bahn hat eine Einstiegshöhe von 96 Zentimetern. Die Differenz soll mittels der ausfahrbaren Rampen an den Zügen überwunden werden. Sie müssen jedoch im Einzelfall von den Triebwagenführern ausgefahren werden. In die Doppelstock-Wagen des Regionalexpresses muss man im Gegensatz geradezu hinuntersteigen: Ihre Einstiegshöhe befindet sich unterhalb der Bahnsteigkante. Unverändert sind die Bahnsteige 7 und 8; sie werden jedoch im Regelbetrieb nicht genutzt.

Doch 20 Zentimeter Unterschied zwischen Bahnsteig und Einstieg gelten für die Bahn als barrierefrei. Die Entflechtung der S-Bahn- und Regionalexpresslinien auf verschiedene Bahnsteige mit dann jeweils passgenauen Einstiegshöhen hatte die Bahn schon vor dem Umbau wegen zusätzlicher Kosten abgelehnt: Dafür hätten vier neue Weichen eingebaut werden müssen, was laut Bahn den Kostenrahmen gesprengt hätte.

Insgesamt soll der Umbau 13 Millionen Euro kosten. Eigentlich sollte die Bahnunterführung, die von den Reisenden genutzt wird, erst bis zum Frühjahr, dann bis zum Jahresende fertig sein – letzterer Termin wurde noch im Oktober von der Bahn genannt. „Aktuell sind die Arbeiten auf den Bahnsteigen abgeschlossen – bis auf Mängelbeseitigungen und restliche Beschilderungen“, heißt es nun. Im neuen Jahr werde in der Personenunterführung eine sogenannte „Vorhang-Fassade“ montiert – sobald die Witterung dies zulasse. Auch die Treppenaufgänge würden dann gefliest und die Beleuchtung in der Unterführung fertiggestellt. An den Nordausgang der Unterführung, zum Bildungs- und Kulturzentrum hin, soll dann auch noch ein Monitor montiert werden, auf dem die Abfahrtszeiten der Züge abgelesen werden können. Auf der Südseite gibt es eine große Anzeigetafel an der Stirnseite der Bahnhofshalle.

Was einigen Bahnkunden an der Ausstattung der Bahnsteige fehlt, ist ein markierter Raucherbereich. Derzeit wird trotz des Rauchverbots überall auf den Bahnsteigen gequalmt. Mit einem markierten Raucherbereich samt Aschenbechern könnten Fahrgäste dem blauen Dunst ihrer Mitreisenden besser aus dem Weg gehen. Raucherbereiche gibt es auf allen großen Bahnhöfen; für Höchst, so heißt es seitens der Bahn, seien diese Einrichtungen aufgrund der untergeordneten Bedeutung nicht vorgesehen. Allerdings: In Niederrad gibt es markierte Raucherbereiche.

Im Frühjahr sollen die Arbeiten zur Umgestaltung der südlichen Bahnhofsvorplätze beginnen (wir berichteten), rund 4,6 Millionen Euro sind dafür eingestellt. Verantwortlich für die Arbeiten ist die Stadt Frankfurt, die auch die Dalbergstraße dann in beide Richtungen für den Autoverkehr öffnen möchte. Geplant ist ein neuer großer Busbahnhof, an dem alle Linien gebündelt werden; bisher fahren einige Busse am Bahnhof und andere in der Leverkuser Straße ab. Die acht neuen, barrierefreien Bushaltestellen werden um eine zentrale Insel gruppiert. Der Busbahnhof ist jedoch erst Bestandteil des zweiten Bauabschnitts; im ersten geht es an die Grunderneuerung der Dalberg- und Adolf-Haeuser-Straße. Mit der Bushaltestelle wird nicht vor Frühjahr 2018 begonnen. Es gibt drei Bauabschnitte: Den Abschluss bilden der eigentliche Bahnhofsvorplatz und der benachbarte Park-&-Ride-Platz.

Für die Bauzeit sind knapp zwei Jahre veranschlagt. Ein Teil der Flächen gehört der Stadt, ein anderer der Bahn. Der Platz auf der Nordseite, der sich vollständig im Eigentum der Stadt befindet, ist bereits für 1,2 Millionen Euro umgebaut worden – unter anderem mit Naturstein-Pflasterung und im Untergrund eingelassenen Altglas-Containern. 27 Parkplätze sind dort neu entstanden, und der Bahnhofszugang ist von der Nordseite her barrierefrei. Im Süden werden nun mit dem Umbau einige Parkplätze wegfallen, dafür einige neue in der Leverkuser Straße entstehen.

Wann das Empfangsgebäude des Bahnhofs renoviert wird, steht noch in den Sternen. Ursprünglich sollte es bereits 2016 in Angriff genommen werden. Das Gebäude mit Anklängen an den Jugendstil wurde 1920 vollendet; es ist nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz als Kulturdenkmal ausgewiesen. Auch noch nicht klar ist, wie es mit dem Hochbunker und einem Neubau neben dem jetzigen Busbahnhof weitergeht, den die Konversions-Grundstücksentwicklungs GmbH (KEG) errichten soll.

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