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Brandstiftung im Nordend in der Nacht vom 12. auf den 13. März 2018 - Bild eines Anwohners

Brandstiftung im Nordend

Augenzeuge: ?Die Flammen loderten?

Fünf Autos zündeten Unbekannte in der Nacht auf Dienstag im Nordend an. Obwohl es nicht die ersten Autobrände sind, will die Polizei nicht von einer Serie sprechen. E. Hermann wohnt im Nordend ? und sah den Täter noch wegrennen, bevor vor seinen Augen ein Auto explodierte. Sein Glück: Seines war es nicht.

Es ist 2.20 Uhr, als E. Hermann von der Alarmanlage eines Autos erwacht. Er schaut aus dem Fenster und sieht auf der anderen Straßenseite jemanden wegrennen. „Ich habe mich über den Lärm geärgert, dann bin ich wieder ins Bett gegangen“, sagt er. Zwei Minuten später steht er wieder am Fenster: Er hat erst einen dumpfen Schlag, dann einen Knall gehört. Viel näher dieses Mal. Wieder sieht er jemanden wegrennen. Dann explodiert das Auto unter seinem Fenster im ersten Stock.

„Die Flammen loderten übermannshoch. Der Rauch war so dicht, dass man die andere Straßenseite nicht mehr gesehen hat.“ Sofort sagt er den Nachbarn mit den drei Kindern Bescheid, dann ruft er die Polizei. Die ist schnell da: Es ist nicht das erste Auto, das in der Nacht zum Dienstag brennt. Drei weitere Fahrzeuge wurden im Nordend angezündet, das vierte, ein Corsa, ist ein Kollateralschaden des Audi A 3 vor E. Hermanns Haus.

Und es ist nicht das erste Mal, dass in Frankfurt Autos brennen: In der Nacht von Montag auf Dienstag . Am 27. Dezember 2017 . Am 13. Dezember haben Unbekannte . Und am 6. Dezember 2017 musste die Straße geräumt und ein Haus evakuiert werden.

Tatsächlich war der Brandstifter auch schon in der Nacht zum Montag im Nordend unterwegs. Wie die Polizei erst gestern mitteilte, wurden dabei zwei Autos oberflächlich beschädigt. Ein Brandfleck auf dem Gehweg lässt vermuten, dass noch ein drittes Fahrzeug in Mitleidenschaft gezogen wurde.

„Kriminalistisch gesehen können wir nicht von einer Serie sprechen“, sagt Isabell Neumann, Pressesprecherin der Frankfurter Polizei. Ob alle Autobrände tatsächlich vom selben Täter verursacht wurden, sei nicht erwiesen. Auch ein Zusammenhang mit den brennenden Holzbauten, wie dem im vergangenen Oktober oder dem „Blauen Haus“ im Januar, lasse sich nicht belegen. Ausschließen allerdings auch nicht: „Wir prüfen grundsätzlich in jedem Fall die Zusammenhänge“, sagt Neumann.

Die Frankfurter Polizei sieht sich gut aufgestellt, um weitere Straftaten dieser Art zu verhindern: „Wir sind sowieso immer unterwegs“, sagt Neumann. Doch hätten es die Streifen in der Nacht schwer, zufällig am richtigen Ort zu sein: „Ganz Frankfurt lückenlos abdecken, das geht nicht.“ So schlügen die Brandstifter nicht nur in verschiedenen Stadtteilen, sondern auch zu verschiedenen Uhrzeiten zu: „Wie wollen sie da einen Schwerpunkt ausmachen?“

Am Morgen nach dem Brand parken vor Hermanns Fenster schon wieder Autos. Anders als bei den anderen Bränden im Nordend ist hier der Asphalt geschmolzen, der Täter hat den Molotowcoctail vermutlich in den Radkasten gesteckt. Der Sattel eines Fahrrads, das an den Gartenzaun gekettet ist, ist geschmolzen, das Keine-Reklame-Schild am Briefkasten ebenfalls. Dennoch wird E. Hermann sein Auto auch künftig an der Straße parken. „Mein Wagen ist zwölf Jahre alt. Der ist nicht in Gefahr.“

Fahrzeugbesitzer, die Opfer einer solchen Brandstiftung wurden, empfiehlt die Polizei Strafanzeige zu erstatten. Notwendig ist das jedoch nicht. Insofern die Polizei ohnehin am Einsatzort ist, ermittelt sie von Amtswegen. Vorsätzliche Brandstiftung ist kein sogenanntes Antragsdelikt und wird auch ohne Strafanzeige verfolgt.

Eine Anzeige zu erstatten, empfielt sich auch mit Blick auf die KFZ-Versicherung: "Alles was den Schaden dokumentiert ist hilfreich", erklärt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Um im Fall einer Brandstiftung am eigenen Fahrzeug, den Schaden von der Versicherung erstattet zu bekommen, reicht bereits ein Teilkasko-Versicherung. "Das ist der Standart", sagt Jarosch.

Sorgen, dass sich die Häufung dieser Fälle auf die Versichungstarife im Frankfurter Stadtgebiet auswirken könnte, müssen die Frankfurter allerdings nicht haben: "In dem bisherigen Ausmaß spielt das überhaubt keine Rolle", erklärt Karin Benning vom KFZ-Versicherer HUK-Coburg.  

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