Dem Dichter Rainer Maria Rilke (1875 - 1926) verpflichtet: Angelica Fleer, Richard Schönherz und die Schaupielerin Nina Hoger.  foto: kinsler
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Dem Dichter Rainer Maria Rilke (1875 - 1926) verpflichtet: Angelica Fleer, Richard Schönherz und die Schaupielerin Nina Hoger. foto: kinsler

Nordend: Musik

Aus dem Hinterhaus in die Welt hinaus

  • vonDetlef Kinsler
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Rilke Projekt bereitet sich auf sein 20. Jubiläum vor. Mit den Sternen fing es an.

Die Pläne waren längst geschmiedet, als die Pandemie den ganzen Kulturbetrieb lahmlegte. Im Januar und Februar 2020 durfte ein verzaubertes Publikum noch "Wunderweiße Nächte" erleben. So hatte das Frankfurter Komponisten- und Produzentenpaar Angelica Fleer und Richard Schönherz aus dem Nordend das fünfte Studioalbum seines Rilke Projektes genannt. Und unter diesem Motto ging auch die vierköpfige Band, begleitet von Sänger Jonathan Kluth, der Schauspielerin Nina Hoger und ihrem Kollegen Ralf Bauer, auf Tournee. Gemeinsam galt es, die Schönheit, Anmut und Dramatik von Herbst und Winter mit subtil vertonter Poesie von Rainer Maria Rilke auf die Bühne zu bringen. "Wir hatten das große Glück, dass wir kurz vor dem Lockdown unsere kleine Tour zu Ende spielen konnten", erinnert sich Fleer gerne an den letzten Abend im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz. "Das war ein ganz bezauberndes Abschlusskonzert vor ausverkauftem Haus." Nur Sänger Jonathan Kluth hatte sich eine Erkältung eingefangen und wurde misstrauisch beäugt. "Da zeigte sich schon, dass die Leute Sorge hatten vor Corona."

Neues Album geplant

Dabei wollten Schönherz und Fleer ihre ganze Konzentration auf die Planung ihrer nächsten Tournee richten. Denn 2021 feiert das Rilke Projekt 20. Geburtstag. "Wir überlegten schon, welche Gäste wir einladen könnten, denn wir wollten die Jubiläumstournee in einem größeren Rahmen spielen", erzählt Fleer. "Leider mussten alle Planungen für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Das ist natürlich bitter, weil wir uns darauf sehr gefreut hatten", bedauert sie. "Auch ein Jubiläumsalbum sollte entstehen." Das große Fragezeichen bleibt, welche Auswirkungen die Krise auf die Branche haben wird, ob Veranstalter und Techniker wirtschaftlich überleben können. "Das Einzige, was wir in diesem Jahr machen konnten, war, sich auf unsere Kernkompetenz zu reduzieren, also weiter zu komponieren in der Hoffnung, dass es an irgendeinem Punkt weitergeht", erklärt Fleer. Denn die Erfolgsgeschichte, die sich auch in 700 000 verkauften CDs widerspiegelt, soll schließlich noch lange kein Ende finden.

Entspannung auf dem Hauptfriedhof

Obwohl der gebürtige Wiener und die Gelsenkirchenerin am Alleenring mitten im Nordend leben, können sie da das Idyll und die Ruhe eines Hinterhauses genießen. Wenn man sich der Dichtkunst Rilkes widmet, bewegt man sich ohnehin im "Weltinnenraum". "Man geht dann beim Arbeiten wirklich mehr nach innen als nach außen", bestätigt Fleer. "Klar haben wir zwischendurch auch immer Spaziergänge gemacht, zum Beispiel auf dem nahen Hauptfriedhof, der ja sehr schön ist."

Im Sommer konnte man viele kleine Fluchten genießen, raus in die Natur, auch mal auf den Johannisberg in Bad Nauheim. Und bevor alles wieder geschlossen werden musste, besuchte das Paar auch gerne die kleinen Cafés auf der Berger Straße. "Wir haben immer versucht, unsere lokalen Geschäfte zu unterstützen, auch die Restaurants, indem wir uns Essen aus der Nibelungenschänke oder der Oinotheke geholt haben. Ansonsten gab es ja nicht viel zu tun", lacht Fleer.

Tatsächlich aber konnte sich Fleer, die auch schon mit Robin Beck, Sally Oldfield oder BAP arbeitete, ihrem "zweiten Standbein" widmen. Sie bietet Workshops unter dem Titel "Poetisches Schreiben" an und konnte dafür ins Mossautal im Odenwald, an den Bodensee und nach Sachrang im Chiemgau einladen. Die Teilnehmer werden ermuntert, Träume, Sehnsüchte und Hoffnungen in eigenen Worten zu formulieren. "Und ich habe auch noch an Filmmusik gearbeitet, aber da darf ich noch nicht Näheres darüber sagen, das ist noch ein wenig geheim", meldet sich Schönherz zu Wort.

"Auch für ein Album von Elke Voltz, der Sängerin von Kick La Luna, haben wir einen Großteil der Songs hier daheim arrangiert." Das eigene Jubiläum behalten sie dabei aber immer fest im Blick.

Im März 2001 war übrigens die erste CD "Bis an alle Sterne" erschienen. Das Duo stellte ein neues Konzept vor, dass man heute als "Poesiemusik" kennt. Renommierte Schauspieler sowie Sänger interpretierten zu eigens komponierten, auch von klassischer Musik inspirierten Kompositionen ausgewählte Texte von Rilke. Beim Debüt waren Promis wie Otto Sander, Nina Hagen, Mario Adorf, Montserrat Caballé und Peter Maffay dabei. Viele große Stars sollten ihnen folgen, darunter Karlheinz Böhm, Udo Lindenberg, Hardy Krüger, Patricia Kaas, ja sogar Sir Peter Ustinov. Vor fünf Jahren in der Alten Oper gaben Peter Maffay, Ben Becker, Hannelore Elsner und die Neue Philharmonie Frankfurt die Ehre. Namen, die wie eine Verpflichtung klingen.

Man darf gespannt sein, wer beim Jubiläum - wann immer es begangen werden kann - dabei sein wird. DETLEF KINSLER

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