Melanie Lührs (r.) von der Stadtteilbücherei und die Schriftstellerin Andrea Johanna Hensgen freuen sich über den guten Start ihrer Saatgutbibliothek im ehemaligen Straßenbahndepo. FOTO: faust
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Melanie Lührs (r.) von der Stadtteilbücherei und die Schriftstellerin Andrea Johanna Hensgen freuen sich über den guten Start ihrer Saatgutbibliothek im ehemaligen Straßenbahndepo.

So wird Frankfurt grün

Aus diesen Tüten wachsen einmal Blüten

  • VonAlexandra Flieth
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Bücherei Sachsenhausen startet Saatgutbibliothek - Wer nimmt, sollte auch geben

Erst seit wenigen Tagen steht der Holzkasten mit Blumensamen auf einem Tisch in der Stadtteilbibliothek Sachsenhausen, drumherum mehrere Bücher zum Thema Gärtnern und Selbstversorgung, die den Einstieg erleichtern und auf das neue Angebot der Saatgutbibliothek aufmerksam machen sollen. Lange musste das Team nicht auf Nutzer warten: die erste Ladung Blumensamen ist bereits fast komplett vergriffen - ganz gleich, ob Sonnenblumen, Ringelblumen oder Tagetes.

Eigener Balkon und Garten

Das Besondere dabei ist, dass die Samen direkt aus dem eigenen Garten oder vom Balkon der Initiatorinnen der Saatgutbibliothek stammen und kostenlos weitergegeben werden. Dabei handelt es sich ausschließlich um Samen von nicht-hybriden Blumen.

Eine der Initiatorinnen ist die Schriftstellerin Andrea Johanna Hensgen, die sich gemeinsam mit ihren drei Mitstreiterinnen beim BUND engagiert und mit verschiedenen Pflanzaktionen für mehr Begrünung im Stadtteil sorgt. Das Quartett, das sich "Bündnis Grünes Sachsenhausen" nennt, wünscht sich weitere an Natur interessierte Leute, mit denen sie sich austauschen und Aktionen planen können, um ökologisch wertvolle Flächen zu gestalten. So sei auch die Idee zur Saatgutbibliothek entstanden, erzählt Hensgen. "Wir sind alle Neu-Frankfurter, die in Wohnungen mit Balkonen leben und uns mehr Grün wünschen."

Das Prinzip der Saatgutbibliothek ist einfach: Hobbygärtner dürfen sich kostenfrei Samentütchen mitnehmen. Nachdem die Blumen gepflanzt und erblüht sind, so hoffen es die Initiatorinnen, sollen die Nutzer der Saatgutbibliothek die Samen sammeln, trocknen und zum Weitergeben in die Stadtteilbibliothek bringen, so dass ein Kreislauf entsteht. "Mit der Idee möchten wir Austausch möglich machen und möglichst viele Menschen, die Spaß an Natur haben, miteinander in Verbindung bringen", formuliert es Hensgen. Sie hoffe, dass sich auch viele alteingesessene Schrebergarten-Besitzer an der Saatgutbibliothek mit getrockneten Samen beteiligen. "Gerne würden wir das Angebot von Blumensamen auf Gemüse erweitern." Von den meisten Pflanzen sei es nämlich möglich, Samen zu gewinnen. "Zudem soll mit dem Angebot das Verständnis und die Aufmerksamkeit für das Wachstum und die Vermehrung von Pflanzen gefördert werden", sagt die Schriftstellerin.

In der Stadtteilbibliothek sind die vier Frauen vom "Bündnis Grünes Sachsenhausen" mit ihrem Anliegen auf offene Ohren getroffen. Melanie Lührs, stellvertretende Bibliotheksleitung, kennt ein solches Angebot bereits von der Bibliothek aus Kiel. "Dort funktioniert es sehr gut", weiß sie. Das Team der Stadtteilbibliothek hat sich die Art der Präsentation der Saatgutbibliothek überlegt und stellt selbstgestaltete Tütchen zur Verfügung, in denen neu gewonnenes Saatgut verpackt werden kann. Lührs hofft, dass schon bald die ersten Tütchen mit Saatgut zurück in die Bibliothek gebracht werden.

Alexandra Flieth

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