Neubaugebiet in Nieder-Erlenbach

Aus schmutzig Weiß soll Immergrün werden

  • vonSabine Schramek
    schließen

Amt will die Lärmschutzwand am neuen Baugebiet Westrand komplett bepflanzen.

Wenn es nach dem Ortsbeirat geht, sollte die Lärmschutzwand am neuen Baugebiet "Am Westrand" lieber gestern als heute begrünt werden. Ganz so schnell geht es nicht, aber beim Ortstermin macht Markus Lind vom Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) Hoffnung. "Alle 1,5 Meter werden im Herbst verschiedene Sorten Kletterpflanzen gesetzt, die anfangs zwischen 1,20 und 1,30 Meter hoch sind", verspricht der Mann in orangefarbener Warnweste. "In vier bis fünf Jahren werden 80 Prozent der Wand zugewachsen sein." Als Beispiel nennt er die August-Schanz-Straße in Berkersheim. Dort wurde an den Edwards-Gardens 2006 die Lärmschutzwand begrünt. "Heute ist sie komplett zugewachsen."

Skeptisch betrachten sich Ortsvorsteher Yannick Schwander (CDU) und sieben weitere Teilnehmer aus allen Fraktionen das himmelhoch wirkende Bauwerk aus Gittern und schmutzig-weißer Umhüllung. "Vegetative Wände sind immer besser als welche aus Beton oder Metall", erläutert Lind geduldig. Gefüllt sei die Schwergewichtsmauer mit Schotter, der Nässe aufnimmt und wieder abgibt. Die Folie sei aus Geotextil und nicht aus Plastik. Wasser werde auf beiden Seiten Richtung Wand abgeleitet. Pflanzen seien nicht nur wegen der Optik wichtig, sondern vor allem auch, damit die UV-Strahlen die stoffartige Folie nicht zerstören. "Außerdem bieten Hecken Nistplätze für Vögel", so Lind.

Dicht an dicht stehen die 84 fast fertigen Doppelhaushälften hinter der Wand. Feldblick gibt es wohl nur aus den Obergeschossen, davor steht die Wand auf der 52 670 Quadratmeter großen Fläche zwischen Umgehungsstraße, Niedereschbacher Straße und Erlenbacher Stadtweg. Die Wege zwischen den Häusern sind mit 12 dicken hellen Pflastersteinen versehen.

Bauminseln bremsen Autos

Die Durchgangsstraße wird asphaltiert und Bauminseln sorgen in Zukunft für langsame Durchfahrt. "Die Pflastersteine lassen Wasser durch. Sie sind deutlich umweltfreundlicher als Asphalt. Den nutzen wir nur dort, wo nicht ständig gefahren wird", so ASE-Mann.

Dass innerhalb des Baugebiets andere Kletterpflanzen gesetzt würden als an der Umgehungsstraße, erklärt sich bereits durch die Sonneneinstrahlung auf der Außenseite. "Welche Pflanzen gesetzt werden, steht noch nicht fest", erklärt Lind. Er nennt Efeu und wilden Wein als mögliche Optionen. Auf die Frage, ob man nicht auch etwas von oben nach unten wachsen lassen könne, schüttelt Lind den Kopf. "Die Pflanzen müssen ja auch bewässert werden und in vier Meter Höhe ist das nicht umsetzbar." Die Ortsbeiratsmitglieder diskutieren angeregt über Pflanzen. Darunter auch Knöterich. "Der wächst rasend schnell und überwuchert alles. Das wäre doch für außen eine Möglichkeit", ist zu hören. "Wir werden sehen", verspricht Lind. Gegen bereits sehr hohe Pflanzen spricht, "dass sie erstens viel schwerer anwachsen als Pflanzen, die um die 1,20 Meter hoch sind und außerdem vielleicht schon vergreist sind." Alle 1,5 Meter soll je eine Pflanze gesetzt werden. Die Ortsbeiratsmitglieder staunen, da die Lärmschutzwand 400 Meter lang ist und beidseitig begrünt wird. "Wenn es so läuft wie in Berkersheim, überwuchern die Pflanzen auch die Wand von oben". Nur auf die Frage, wo die zugesagte Kita hinkommen soll, weiß Lind keine Antwort und verweist auf das Amt für Bau und Immobilien. Die Kinderbeauftrage Ingrid Reitzammer berichtet, dass eine Kita im ursprünglichen Plan vorgesehen ist. Die ABG hat auf dem Gelände 40 Doppelhaushälften. Weitere 44 Doppelhaushälften sind von Finger Bau. "Der Bauherr hatte signalisiert, eine Kita zu bauen, wenn das Geld da sei. Es ist da, gebaut wird bisher nichts. Die Anmeldungen sind so viele, dass es im nächsten Jahr keine Plätze mehr gibt. Wenn die neuen Bewohner hier einziehen, wird es in Sachen Kita-Plätze katastrophal." SABINE SCHRAMEK

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare