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Zwischen der A 66 (rechts) und der Guerickestraße betreibt Continental seine Niederlassung in Rödelheim. Bis 2022 soll diese ausgebaut werden.

Bauprojekt

Ausbau im Gewerbegebiet an der Guerickestraße bringt mehr Verkehr

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Das Gewerbegebiet an der Guerickestraße wächst weiter – 2022 will Continental seinen Standort erweitert haben und rechnet mit 1100 zusätzlichen Mitarbeitern. Das bedeutet noch mehr Verkehr auf den Straßen. Der Ortsbeirat plädiert für eine S-Bahnstation, nach einer Realisierung sieht es jedoch nicht aus.

Mehr als 4500 Mitarbeiter arbeiten bei Continental an der Guerickestraße. Mit seiner dortige Niederlassung ist der Technologiekonzern eines der größten Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet. Und es wächst weiter – bis 2022 soll der Standort ausgebaut werden. Unter anderem sind ein sechsstöckiges Entwicklungsgebäude mit 30 000 Quadratmetern Bürofläche sowie ein neues Parkhaus mit 1700 Plätzen geplant. Das wird auch dringend nötig sein, denn mit dem Ausbau kommen 1100 weitere Mitarbeiter nach Rödelheim – 200 neue, sowie 900 Angestellte, die bereits an eigens angemieteten Standorten in Frankfurt und Eschborn arbeiten.

Die Erweiterung stärkt den wirtschaftlichen Standort – das sieht auch der Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) so. Allerdings sehen die Stadtteilpolitiker auch ein großes Problem, das der Ausbau der Niederlassung mit sich bringt: Noch mehr Verkehr auf den Straßen im und um das Gewerbegebiet Guerickestraße. Denn für einen solchen Ausbau müsste die Verkehrserschließung optimiert werden, mahnte der Ortsbeirat einstimmig an. Da mit der Fertigstellung der Regionaltangente West und der damit verbundenen Verlängerung zur Ludwig-Landmann-Straße jedoch nicht vor 2023 – und damit ein Jahr nach der geplanten Continental-Erweiterung – zu rechnen sei, sollten die Verkehrsbedürfnisse zeitnah geklärt werden.

Neue S-Bahn-Station

Als eine Möglichkeit sehen die Stadtteilpolitiker, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu gestalten. Sprich: Die Einrichtung einer Station für die S-Bahn-Linie S 5, die zwischen Friedrichsdorf und Frankfurt-Süd verkehrt, im Bereich Guerickestraße. Ein Vorschlag, dem der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) allerdings reserviert gegenüber stehe, wie es in einer Stellungnahme des Magistrats heißt. Als Begründung wird die ohnehin schon hohe Auslastung sowie Verspätung der S-Bahnlinie genannt. Ein Hintertürchen hält sich der RMV jedoch offen. Es bleibe abzuwarten, ob nach Beendigung der von der Deutschen Bahn angekündigten Ausbaumaßnahmen im S-Bahn-Netz eine neue Sachlage eintrete, heißt es weiter.

An die S-Bahn angebunden ist die Guerickestraße derzeit mit der Buslinie 60 vom Rödelheimer Bahnhof. Sie verkehrt alle zehn Minuten. Regelmäßig erfasst die lokale Nahverkehrsgesellschaft Traffiq auch auf dieser Strecke die entsprechenden Fahrgastzahlen. „Derzeit ist das Angebote ausreichend“, so der Magistrat. Allerdings werde es ausgeweitet, sobald dies nötig sei. Möglich sei dies mit einer Taktverdichtung oder dem Einsatz von Gelenkbussen.

Bessere Radwege

Es gibt jedoch noch einen weiteren Punkt, bei dem der Ortsbeirat Verbesserungspotenzial sieht: die Radwegeverbindungen zwischen dem S-Bahnhof und Rödelheim und dem Gewerbegebiet nördlich der Autobahn A 66 sowie zur Ludwig-Landmann-Straße über die Heerstraße.

Dem stimmt der Magistrat in seiner Stellungsnahme zu. Die heute zwischen dem Gewerbegebiet und dem Bahnhof vorhandene Verbindung über die Breitlacher Straße, Eschborner Landstraße bis hin zur Guerickestraße entspreche nicht mehr den aktuellen Standards. Allerdings werde die qualitative Aufwertung in das sogenannte „Arbeitsprogramm zur Qualifizierung des gesamtstädtischen Radroutennetzes“ aufgenommen, versichert der Magistrat.

Auch für die Radwegeverbindung über die Heerstraße gebe es planerische Überlegungen. Allerdings sei dies „eine Herausforderung“, denn der vorhandene Fahrbahnquerschnitt im westlichen Teil der Heerstraße lasse, im Gegensatz zum östlichen Teil, keine Markierungslösung zu. Ein Schutz- oder Radfahrstreifen kann dort nicht eingerichtet werden, ebenso wenig wie ein baulicher Radweg. Weitere Prüfungen seien deswegen nötig.

Parallel zu diesen Planungen versucht die Stadt übrigens gemeinsam mit Hessen Mobil das Gewerbegebiet besser an die Autobahn anzubinden.

Kommentar

Es ist nicht das erste Mal, dass die Ortsbeiräte Alarm schlagen und vor einem drohenden Verkehrskollaps rund um das Gewerbegebiet Guerickestraße warnen. Denn die Stadtteilpolitiker kennen die Probleme, viele von ihnen stehen dort immer wieder im Stau. Schon jetzt muss man in den Stoßzeiten viel Geduld mitbringen – oft sind die Straßen verstopft. Das Gebiet zu umfahren bringt nur wenig, denn auch rund um die Westerbachstraße und das benachbarte Gewerbegebiet an der Wilhelm-Fay-Straße staut sich meist der Verkehr. Auch der Wechsel auf die S-Bahn bringt nur wenig, da am Rödelheimer Bahnhof der Umstieg in den Bus nötig ist, der wiederum in den Stau fährt . . . Addiert man zu diesem Szenario noch 1100 weitere Continental-Mitarbeiter plus den Verkehr, den der geplante Logistikpark Segro an der Gaugrafenstraße mit sich bringt, liegt das Ergebnis auf der Hand: Das kann nicht gut gehen! Hier muss dringend ein Verkehrskonzept her, ansonsten droht ein Verkehrsinfarkt. Der Plan, das Radwegenetz auszubauen ist ein guter Anfang. Allerdings sollte der Vorschlag einer zusätzlichen S-Bahn-Station noch einmal detailliert geprüft werden. Denn vermieden werden kann das Chaos nur, wenn der öffentliche Nahverkehr attraktiver wird.

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