Lia, Paul, Jael und Philipp freuen sich über die Sachpreise, die sie neben den tollen Urkunden für ihre Bronze-Platzierung beim Wettbewerb des Landwirtschaftsministeriums gewonnen haben.
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Lia, Paul, Jael und Philipp freuen sich über die Sachpreise, die sie neben den tollen Urkunden für ihre Bronze-Platzierung beim Wettbewerb des Landwirtschaftsministeriums gewonnen haben.

Kinder-Zeichenclub „Atelier 13“ aus Heddernheim

Ausgezeichneter Protest

  • vonSandra Kathe
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Die Leidenschaft fürs Malen und Zeichnen teilen die Jugendlichen der Kinderzeichengruppe im Atelier 13 in Heddernheim schon lange. Nun wurden sie für ihre Ideen auch ausgezeichnet: in einem Wettbewerb des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

„Würdet ihr uns auch umbringen, wenn ihr so groß wärt wie wir?“ Mit dieser provokanten Frage haben sich die Jugendlichen vom Kinder-Zeichenclub „Atelier 13“ in Heddernheim kürzlich den dritten Preis einer bundesweiten Ausschreibung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gewonnen. In den Mund gelegt haben sie die Frage einer ganzen Horde krabbelbeiniger Erdenbewohner: Raupen, Käfer, Spinnen, auch beinlose Schnecken, alle mit dünnen schwarzen Linien gezeichnet.

Die Tiere zieren die eine Hälfte der Protestpostkarte, die die zehn- bis 14-jährigen Hobbyzeichner zum Wettbewerb eingereicht haben. Daneben – wie auf jeder handelsüblichen Postkarte – ist Platz, um eine Adresse auf die Karte zu schreiben und eine Briefmarke aufzukleben. Auf der Rückseite haben die Jugendlichen eine Collage aus verschiedenen Menschen gezeichnet. Umrisse von Männern und Frauen in verschiedenen Berufen und Positionen. Beide Bilder zeigen Vielfalt – vom Leben innerhalb der Erdkrume und oberhalb.

Im Boden ist was los

“ lautete das diesjährige Motto des Kunstwettbewerbs „Echt Kuhl!“, das Kinder und Jugendliche dazu aufruft, sich Gedanken zur Nachhaltigkeit in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung zu machen. Und Gedanken haben sich Philipp, Paul, Jael und die anderen ohne Frage gemacht, als sie die Collage aus ihren Tieren und Menschen angefertigt haben.

Für die Jugendlichen war es eine schöne Abwechslung, statt für sich selbst auch einmal für andere zu zeichnen, darüber ist sich die Gruppe einig. „Und es ist ein großartiges Gefühl, dass sich unsere Arbeit so gelohnt hat“, sagt der 14-jährige Philipp mit einem Seitenblick auf die beiden großen Pakete, die er und seine Kurskollegen jüngst im Unterricht auspacken durften. Darin fanden sich neben einem Beobachtungskasten für Regenwürmer und der dazugehörigen Erde auch etliches nützliche Zubehör für Schule und Alltag: Ledermäppchen, Umhängetaschen und Handy-Hüllen aus Filz.

Auch Urkunden gab es, die in den Jugendzimmern der jungen Künstler nun einen Ehrenplatz bekommen sollten. Sie alle zeichnen bereits seit vielen Jahren, einen Preis bekommen hatten sie allerdings zuvor noch nie. „Natürlich macht uns das besonders stolz“, sagt die 13-jährige Jael, die schon am längsten – nämlich seit mehr als vier Jahren – bei der Gruppe aktiv ist. Mit so viel Know-How konnten sie ihr Projekt komplett ohne die Hilfe ihrer Zeichenlehrerin Susanne Köhler umsetzen. Nur beim Zusammensetzen der Collage war die diplomierte Grafikerin ihren Schülern behilflich.

Was die Jury am Resultat des Kinder-Zeichenclubs am meisten inspirierte, war die Tatsache, dass die Schüler sich nicht mit der fertigen Postkarte zufrieden geben wollten. „Wir haben auch etliche Exemplare verschickt“, erklärt Philipp. Sein elfjähriger Kurskollege Paul zählt einige Namen auf, die auf der Adressliste der Gruppe standen. „Die Bundeskanzlerin hat eine Karte von uns bekommen, und auch an etliche Firmen, die massiv Umweltverschmutzung betreiben, haben wir eine verschickt“, listet er auf. Auch in den umliegenden Supermärkten haben die Schüler ihre Karten ausgelegt und ihr Werk stolz in den Schulen verteilt.

Eine Antwort bekommen haben sie von den Adressaten allerdings auch nach Monaten noch nicht: „Wir finden es schade, dass wir bislang noch keine Antworten bekommen haben“, sagt Paul. Die Kinder zu erreichen wäre einfach gewesen, denn die Adresse des Ateliers steht als Absender auf der Protestpostkarte. „Man hätte uns finden können“, sagt auch ihre Zeichenlehrerin Susanne Köhler. Die Erklärung der Kinder ist denkbar einfach – und vielleicht auch gar nicht so weit weg von der Realität. „Vielleicht hatten die Industriellen und die Politiker einfach keinen Mut, sich auf die Diskussion einzulassen.“

Ins neue Schuljahr starten die Jugendlichen und ihre Lehrerin im Herbst jedenfalls höchst motiviert und mit viel Inspiration. Für neue Projekte gehen Susanne Köhler die Ideen jedenfalls nicht aus, und auch die Jugendlichen haben noch eine Menge zu lernen. Zu ihren Lieblingsdisziplinen etwa gehören Comics und Portraits. Und beim nächsten Wettbewerb sind sie nach den Sommerferien sicher auch wieder mit von der Partie. Derweil wacht über ihr Atelier die „Kuhle Kuh in Bronze“, die lässig an einer Wand aus Holz lehnt.

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