Die Maskenkontrollen in der Innenstadt nahmen einen Großteil der Arbeitszeit der Stadtpolizisten ein. foto: Rolf Oeser
+
Die Maskenkontrollen in der Innenstadt nahmen einen Großteil der Arbeitszeit der Stadtpolizisten ein.

Sicherheit

Ausnahmejahr für die Frankfurter Stadtpolizei

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
    schließen

Die Pandemie überlagerte 2020 die komplette Arbeit der Frankfurter Behörde

Zum elften Mal hat die Frankfurter Stadtpolizei ihre jährliche Statistik vorgelegt. Die Zahlen sind allerdings mit keinem anderen Jahr bislang vergleichbar, wie Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) am Dienstag betonte: "Durch die Pandemie wurden die Karten neu gemischt." So nahm die Stadtpolizei im vergangenen Jahr 202 303 Kontrollen im Zusammenhang mit der Einhaltung von Corona-Vorschriften vor. Kontrollen, mit denen sich die knapp 200 Bediensteten noch vor gut einem Jahr gar nicht befassen mussten.

Vor allem die seit Oktober 2020 geltende Maskenpflicht in der Innenstadt hielt die Stadtpolizei auf Trab. 128 511 Kontrollen bezogen sich auf die Einhaltung der korrekten Mund-Nase-Bedeckung. Dazu kontrollierte die Stadtpolizei unter anderem 35 353 mal Gewerbebetriebe und 24 855 mal Gaststätten.

Insgesamt registrierten die städtischen Bediensteten 6695 Verstöße gegen die Corona-Vorschriften. Nimmt man die 2279 geahndeten Ordnungswidrigkeiten hinzu, die im vergangenen Jahr von der Landespolizei erfasst wurden, gab es in Frankfurt 2020 rund 9000 geahndete Corona-Verstöße. Vor allem die Maskenpflicht stieß in der Innenstadt immer wieder auf Ablehnung. Ab Oktober habe es daher einen sprunghaften Anstieg der Verstöße gegeben, verriet Matthias Heinrich, der Leiter der Stadtpolizei und ergänzte auch im Hinblick auf das laufende Jahr: "Die Menschen werden immer aggressiver und unwilliger, die Maßnahmen zu befolgen."

Zahl der Umweltverstöße stark angestiegen

Für das Jahr 2020 zeigte sich Ordnungsdezernent Frank aber zufrieden mit der Disziplin der Bevölkerung. Die Beanstandungsquote bei der Maskenpflicht habe nur bei 3,6 Prozent gelegen.

Um die Vielzahl der neuen Aufgaben bewältigen zu können, hatte die Stadtpolizei im Laufe des vergangenen Jahres zwei neue Einheiten geschaffen. Zum einen die Sondereinheit "Task-Force Umwelt". Sie war nötig geworden, weil die Menschen während des Lockdowns offenbar Zeit zum Renovieren und Ausmisten fanden. "Es gab eine massive Anhäufung von Müllverstößen, die FES kam nicht mehr hinterher", so Heinrich. Letztlich registrierte die Stadtpolizei 1632 Verstöße und damit gut 20 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2011.

Zudem schuf die Stadtpolizei eine flexible Ermittlungseinheit, die auch in den Abend- und Nachtstunden eingesetzt werden konnte, da es zu dieser Zeit viele Corona-Verstöße gab.

Bei so viel Arbeit kamen andere Aufgaben der Stadtpolizei zu kurz, wie Stadtrat Frank einräumte. So kam das Sicherheitsmobil in den Stadtteilen nur 64 Mal zum Einsatz. (2019: 85). Auch die Testkäufe für Alkoholkontrollen bei Jugendlichen fielen seit Beginn der Pandemie weg, andere Aufgaben wie Führerscheinentzüge oder das Vorgehen gegen Bettelei fielen aufgrund des Pandemiegeschehens kleiner aus.

Nicht über Arbeit beklagen konnte sich die Stadtpolizei am Sicherheitstelefon. 21 561 Anrufe im vergangenen Jahr stellten einen absoluten Höchstwert da. Neben allgemeinen Auskünften gab es auch viele Hinweise auf vermeintliche Verstöße anderer. "Da gab es ein ziemlich deutliches Denunziantentum", so Heinrich. Oft seien die angeforderten Einsätze auch unnötig gewesen.

Wegen der Vielzahl der Aufgaben forderte Ordnungsdezernent Frank einmal mehr die Aufstockung der Stadtpolizei um etwa 20 Personen. Derzeit hat die Stadtpolizei knapp 200 ihrer 214 Planstellen besetzt. "Die Stadtpolizei braucht dringend personelle Verstärkung und verdient auch die Unterstützung anderer Behörden." Insbesondere im Umgang mit Drogenabhängigen im Bahnhofsviertel brauche es mehr geschultes Personal, so Frank. OLIVER TEUTSCH

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare