Hoch hinaus: Auf der Suche nach einem guten Fotomotiv ist für Yassin (rechts) und Anas kein Weg zu weit. foto: leonhard hamerski
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Hoch hinaus: Auf der Suche nach einem guten Fotomotiv ist für Yassin (rechts) und Anas kein Weg zu weit.

Frankfurter Impressionen

Ausschau halten nach den besten Motiven

  • VonGernot Gottwals
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Falkschüler fotografieren die Stadt - Witzige Motive und verdeckte Schönheiten

Anas und Yassin (beide 11) aus der Falkschule sind begeisterte Frankfurter Jungs, und das nicht nur wegen der Eintracht. "Hier ist alles in Bewegung und fließt dynamisch, wie das Wasser im Main", findet Asam. "Die Skyline ist cool, auch die Vielfalt, die Menschen kommen von überall und halten zusammen wie unsere Kicker im Stadion", ergänzt Yassin. Oder auch die herangezoomten Helden, die auf dem Hauptbahnhof die Atlaskugel stemmen.

Die Figurengruppe von Gustav Herold hat es dem Fünftklässler angetan. "Ich war kurz weg, da hatte Yassin die Skulptur schon mit der Kamera angepeilt, fixiert und gebannt", lobt Nicolò Ferraro, Schulsozialarbeiter der Jugendhilfe in der Falkschule. Zusammen mit sechs weiteren Schülern der Jahrgangsstufen fünf und sechs sowie der Intensivklasse haben die beiden Jungs "ihre" Stadt im Fotokatalog "Ich entdecke Frankfurt" porträtiert, der online unter www.galluszentrum.de einsehbar ist. "Zusammen mit dem Titel ,Einer für alle, alle für einen' und dem Graffito zur Erinnerung an die Getöteten des Hanauer Attentats am 19. Februar 2020 unter der Friedensbrücke ist das Foto von der Atlasgruppe auf einer Doppelseite des Kataloges ein starkes Statement", findet auch Sabine Hoffmann, Leiterin des Galluszentrums.

Wasser, Steine, grüne Wiesen und blühende Bäume: Neben ausdrucksstarken Wandmalereien, Wolkenkratzern und historischen Giebelhäusern haben sich die Falkschüler vor allem von der Natur inspirieren lassen. Anas hielt das nördliche Mainufer in Schräglage fest, vorbei an den Ausflugsschiffen am Eisernen Steg bis über den Horizont an der Europäischen Zentralbank hinaus. Neben den bekannten Attraktionen wie dem Dom ging es auch darum, die verdeckten Schönheiten und witzige Motive zu fotografieren, erklärt Hoffmann. Geknipst wurde mit leicht zu bedienenden Kompaktkameras - bereitgestellt vom Galluszentrum.

Möglich wurde das Projekt durch die Übernahme von Material- und Druckkosten in Höhe von 500 Euro durch das Internationale Familienzentrum. "Um die Streifzüge durch die Stadtteile durch einen kreativen Teil zu ergänzen, haben wir noch Collagen aus den Fotos, Bastelpapier, Malereien und Gedichten erstellt", erläutert Ferraro. So brachten die Mädchen die Altstadt, das Bankenviertel und weitere Facetten des alten und neuen Frankfurt mit viel Poesie zu Papier.

Zu Anas' Lieblingsplätzen gehört der Römer. "Die Könige und Kaiser an der Fassade des Rathauses fand ich toll", sagt er. Er erinnert sich, wie er noch in der Grundschule eine Geschichte über Könige in Frankfurt gehört hat. Dass ein König und späterer Kaiser, nämlich Karl der Große, die Stadt der Legende nach gegründet haben soll, dass hier später Könige und Kaiser gewählt und gekrönt wurden und auch über die Geschicke der Stadt bestimmten, haben er und Yassin auf diesem Weg wohl schon gehört.

Ferraro und Hoffmann sind überzeugt: "Die Entdeckungsreise mit der Kamera hat den Schülern viele neue Eindrücke und Erkenntnisse über ihre Stadt und ein Gemeinschaftserlebnis gebracht, das kein Online-Projekt während der Corona-Krise ersetzen kann." Vor allem sei der so entstandene Katalog ein wichtiges Bekenntnis zur Solidarität und Mitmenschlichkeit, gerade in Zeiten von vermehrtem Fremdenhass und Kriegen. Wofür auch ein Foto von Nisa mit den Liebesschlössern am Eisernen Steg und der Botschaft "Liebe ist stärker als Hass" steht.

Daher sind Anas und Yassin auch etwas traurig, dass das Graffito zur Erinnerung an den Anschlag von Hanau kürzlich übermalt wurde. Aber auch die Erkenntnis, dass Straßenkunst ebenso wie blühende Blumen vergänglich ist, gehört zu den Erfahrungen, die man auf Fotosafari in Frankfurt so macht.

gernot gottwals

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