+
?Investoren können nicht zwischen schlechter und guter Architektur unterscheiden? ? Architekt Stefan Forster ist bekannt dafür, dass er seine Meinung sagt und widerspricht, zuweilen so energisch, dass es zum Bruch kommt.

Der Außenseiter

Es war in diesem Frühjahr in Namibia, als ihn zum ersten Mal seit seiner Jugend wieder dieser Fluchtinstinkt überkam. Vier Wochen im Urlaub weilte er, weit weg von allem, was einen Menschen wie

Es war in diesem Frühjahr in Namibia, als ihn zum ersten Mal seit seiner Jugend wieder dieser Fluchtinstinkt überkam. Vier Wochen im Urlaub weilte er, weit weg von allem, was einen Menschen wie ihn beengt und abstößt, was ihn nicht zur Ruhe kommen lässt. „In mich getrieben“, so spürt er sich selbst und tut das womöglich auch in jenen Momenten, da er zumindest äußerlich zum Stillstand kommt. „Ich kann gut faulenzen“, sagt er, „einfach nichts tun.“ Wie sehr ihn die Erschöpfung dazu zwingt, mag man erahnen. „Manisch perfektionistisch“, so beschreibt er sich ja auch. Solche Menschen fallen manchmal in eine Starre, weil sie anders nicht mehr aufladen können. Vier Wochen Afrika, jenseits von Frankfurt. Er hatte sich am Ende gut vorstellen können, sich seinem Alltag, dem aufreibenden, noch längere Zeit zu entziehen.

Als er 14 Jahre alt war, entzog er sich der Welt, in die er hineingeboren war und die ihm gar nicht behagte, mit einem Interrailticket. Er fuhr mit dem Zug durch Europa, er war weg auf eine Weise, wie es Jugendliche im Zeitalter von Mobiltelefon und Internet nicht mehr sein können. „Verschwunden sein“, so nennt er das. Stefan Forster, Architekt von Rang, grübelte in Namibia über sein Leben und Wirken in Frankfurt. Er fragte sich: „Musst du dir das antun?“

Stefan Forster, Jahrgang 1958, aufgewachsen in der Pfalz, baut Wohnungen. Dafür ist er deutschlandweit bekannt und renommiert, seit er in den neuen Bundesländern einst schäbigen Plattenbauten ein neues Gesicht und damit einen neuen Charakter verliehen hat. Er vergrößerte Wohnungen, schuf Dachterrassen, grenzte Erdgeschosse mit Klinkermauern ab, setzte dahinter kleine Loggien, verlegte Eingänge von der Vorder- zur Rückseite. Er setzte Marksteine für eine Stadt, wie er sie als richtig erachtet. Eine Stadt, in der die Behausung als Rückzugsgebiet dient, in die Privatheit, in die höchstmögliche Anonymität. Ende der 90er Jahre im thüringischen Leinefelde war das, unter „Stadtumbau“ firmieren die Projekte auf seiner Internetseite. Zu einer Art Heimat sei ihm dieses Leinefelde geworden, was er auch deswegen betont, weil Frankfurt ihm partout nicht zur Heimat werden will. Es ist kein diffuses Unbehagen, das ihm Frankfurt verleidet, es ist das Missvergnügen des Augenmenschen, der sieht, was andere nicht sehen. Die Menschen, mit denen er sich privat umgibt, staunen manchmal, worüber er sich wundert und mit Abscheu abwendet. Und Stefan Forster ist einer, der leidenschaftlich verabscheut, im Großen wie im Kleinen.

Abgeschnittene Fliesen in Badezimmern oder ziellos verlegte Straßenpflaster wie auf der Zeil sind das wenig beachtete Kleine. Das Skyline Plaza im Gallus, das gigantische Einkaufszentrum am Rande des Europaviertels, ist das Große. Man kann über kommerzielle Architektur, die sich wie ein Kraftausdruck in die Stadt drängt, gebildete Worte machen. Stefan Forster sagt über das Skyline Plaza: „Schrecklich.“ Dass es nicht angenommen wird von den Bürgern, dass allenfalls seine Fressetage viele Besucher anzieht, weil die am Rande des Europaviertels Arbeitenden kaum fußläufige Alternativen haben, empfindet er als höhere Gerechtigkeit. Für ihn ist das Skyline Plaza ein Symbol für eine Politik des Irrtums: Wo Stadtraum von Dezernaten, Bauherren, Vermarktern und auch Architekten nur noch konsumistisch verwaltet und verunstaltet wird, spielt Stadt als Gesamtkonzept und -kunstwerk keine Rolle mehr, wird die vielbeschworene Bürgergesellschaft zur Kundschaft degradiert. „Es ist zum Kotzen“, sagt Stefan Forster.

30 Projekte hat Stefan Forster allein in Frankfurt verwirklicht, seit er in den 90er Jahren hier sein Büro eröffnet hat. An elf Projekten arbeiten sein Team und er aktuell, das Studentenwohnheim an der Adickesallee im Nordend, so groß wie drei Fußballfelder, gehört dazu. Am liebsten arbeitet er für Wohnungsbaugenossenschaften und Gesellschaften, offener seien die, nicht so gewinngetrieben wie die privaten Bauherrn. „Ich habe keine Leichen im Keller“, sagt er. Er sagt das, weil sich im Gespräch mit ihm, dem Ästheten, der Gedanke an den faulen Kompromiss aufdrängt.

Was er berichtet von Konferenzen mit Investoren und Vermarktern, klingt ja nicht schön, klingt nach Gezerre und Gezanke, weil bald jeder Quadratmeter nach Kosten und Reinerlös verrechnet wird, weil es immer noch ein günstigeres Material gibt, weil es immer noch die schlimmste Farbe zum Übertünchen gibt, leuchtend bunt womöglich, weil leuchtend bunt Freundlichkeit suggerieren soll. Jeder halbwegs wache Bürger kennt und erkennt die Masche schon im Vorübergehen.

An der lauten Hansaallee hat Stefan Forster 2010 ein Wohnhaus gebaut, direkt an der vielbefahrenen Straße. Wie ein Riegel stellt es sich langgestreckt in den Blick, eine hellgraue Mauer schirmt die Loggien im Parterre ab, schirmt die Parterrebewohner von der Verkehrsachse ab. Grau ist das Haus, ein grauer Solitär. Stefan Forster hat die Farbe bewusst gewählt, der Bauherr, die ABG Holding, hatte sich einen Braunton gewünscht, der mit dem Naturstein der gegenüberliegenden Uni korrespondiert. Stefan Forster erschien das absurd, irgendwie unehrlich. Man könnte fast meinen, das Grau sei eine Aussage des Freigeists über den Auftragskünstler. In Offenbach hat er ein gigantisches Wohnhaus entworfen, direkt am Mainufer. „Wie Plattenbau“, wurde gespottet. So ist das eben, wenn viele Menschen zentral und preiswert wohnen sollen. Schön sieht anders aus. In Offenbach hat Stefan Forster das Haus an seinen Flanken rot eingerahmt. Hilft da noch Rot? „Na ja“, sagt er.

Geht es um andere, ist er wenig zimperlich. Im Gegenteil. Er haut drauf, lautstark, ein bisschen rabaukenhaft. Sein hemdsärmeliger Charme, der kräftige, gedrungene Körper, das Gesicht, das auch entspannt die lauernde Impulsivität verrät, erzielen obendrein Wirkung. An den jungen Gérard Depardieu erinnert er. So wie dieser französische Vulkan hat auch er geboxt als junger Mann, bis in süddeutsche Meisterschaften schlug er sich durch; sich von der Enge des Dorfes kämpfend befreien, das wollte er buchstäblich. Er war auch ein guter Fußballer, die Liebe zum 1. FC Kaiserslautern ist bis heute stark. Nicht nur im Fußball, aber da besonders, lässt sich die pfälzische Herkunft nicht abschütteln.

Neulich, es war der Tag der Architektur, da ging Stefan Forster mit einer Reporterin der FNP durch die Stadt und zeigte ihr die faulsten Kompromisse, sozusagen die Schmerzgrenze, die er selbst nie überschreiten würde: Hier ein Wohnhaus in schreiendem Gelb, reingedrückt in ein sandsteinfarbenes Gründerzeitcarré. Da ein aus jeder Form seiner gewachsenen Umgebung geratener Neubau. Fremdkörper, die das Stadtbild so sehr dominieren, dass bald auch alles um sie herum wie fremd erscheint. Stefan Forster sagt, er streite bis zur Ermüdung in diesen Konferenzen mit Bauherrn und Vermarktern dagegen an. Er sagt: „Der Wohnungsbau in Frankfurt ist auf dem Tiefpunkt.“ Er sagt: „Alles, und sei es noch so schäbig und lieblos, wird verkauft.“ Er sagt: „Den Zwang zur Qualität gibt es gar nicht.“ Er sagt: „Investoren können nicht zwischen schlechter und guter Architektur unterscheiden.“ Er sagt: „Die Vorstellung, man könne auf Dauer für preiswerte Mieten in der Stadt bauen, ist Sozialromantik.“ Er sagt: „Kreisklasse-Architekten widersprechen nicht.“ Er widerspricht – zuweilen so energisch, dass es zum Bruch kommt. „Wenn man unserem Urteil nicht vertraut, welchem dann?“

Die Trophäen, die seine Klasse, seine Urteilskraft belegen, hat er in seinem Büro ausgestellt. In der Hedderichstraße in Sachsenhausen, im zweiten Stock eines Bürogebäudes mit optimaler Flächennutzung, logiert er. Die schmalen dunklen Treppenhäuser dienen einzig dem Notfall; wer zu „Stefan Forster Architekten“ will, muss den Aufzug nehmen und tritt, oben angekommen, direkt hinaus in den zentralen Empfangsraum, groß und fensterlos, um den herum sich die Büros versammeln. 40 Mitarbeiter hat er, Enthusiasten wie er, sagt er, Leute, die für gute Architektur leben und brennen. Das ist, neben Talent natürlich, das Anforderungsprofil. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie er seine Leute begeistert, überzeugt, mitzieht.

In seinem Büro vor seinem Laptop sitzt er gerade und präsentiert die Bilder seiner Projekte, beschreibt mit einflüsternder Stimme, was möglich ist, wenn man ihn lässt. Der Klinkerbau des Gemeindezentrums im Westhafen. Sein Wohnhaus am Bockenheimer Depot mit dem Klinkersockel und den strahlend weißen und runden Balkonen, die am Eck auskragen. Sein Wohnhaus im Sandweg, wo unter diesen auskragenden Balkonen wieder kleine Loggien die Parterrebewohner vor der Außenwelt bewahren. Er hat sich bei einer Israel-Reise vom weißen Tel Aviv inspirieren lassen. Er findet nichts dabei, zu zitieren, zu übernehmen, es gibt nichts Neues unter der Sonne. In der Kunst steht jeder auf den Schultern des anderen. Der Mensch in der Stadt mag die Referenz nicht erkennen, aber sie kommt ihm vertraut vor. „Vertrautheit“, sagt Stefan Forster, „darum geht es.“

Andere haben die Nase gerümpft ob seines Faibles für Tel Aviv. So- was kränkt ihn. Er hat den Wettbewerb für den Neubau am Eschenheimer Tor verloren, für das Grundstück, wo einst die Frankfurter Rundschau beheimatet war. Sein Entwurf war eine Reminiszenz an Erich Mendelsohn, einen Großen der Moderne, einen weithin Vergessenen. „Plagiat“, sagten die Kritiker. Er verlor den Wettbewerb, er verlor auch den für den Bundesrechnungshof in der Berliner Straße. „Das tut brutal weh“, sagt er. Und es erhöht den Druck, jedes Mal aufs Neue. 40 Mitarbeiter bedeuten Verantwortung.

Vor vier Jahren hat sein Herz diesen Stress nicht mehr mitgemacht, Infarkt mit Anfang 50. Er hat früher Kette geraucht, nie sonderlich auf die Ernährung geachtet, er hat immer nur gearbeitet, da kam alles andere zu kurz. „Harte Zeit“, sagt er. Seine Ehe mit einer Italienerin ging vor sechs Jahren in die Brüche, nach 24 Jahren. Die Tochter, erwachsen ist sie und lebt in Italien, geht ihm aus dem Weg. „Das ist ein Scheitern“, sagt er, der das Scheitern hasst. Er ist jetzt mit einer Fotografin liiert, ein Augenmensch wie er ist sie. Sie mag Gesichter, sieht darin, was er nicht sieht, nie gesehen hat. Er erzählt davon wie einer, der spät erst die Menschen zu entdecken beginnt und sich darüber wundert. Er redet ja andererseits unentwegt von den Menschen. Für die Menschen bauen, nachvollziehbar und begründbar, das ist das Ideal, an dem er sich messen lassen will. Wo es ihm gelingt, verhehlt er nicht seinen Stolz.

Die davon zeugenden Trophäen in seinem überraschend kleinen Büro fallen sofort ins Auge, weil kein Platz mehr für neue ist. An der Wand neben der Tür hängen sie, all die Urkunden für all die Preise, und Stefan Forster, der sich vorhin federnd niedergelassen hat am langen, den Raum durchschneidenden Schreibtisch, wiegelte sogleich ab: „Die meisten Besucher beachten die Preise gar nicht.“ Die Botschaft ist dennoch klar. Es gibt in allen kreativen Branchen Außenseiter, manche sind es mangels Strahlkraft, andere blenden das Mittelmaß. Stefan Forster empfindet sich als Außenseiter und lässt keinen Zweifel daran, zu welcher Kategorie er gehört.

Den inneren Kreisen der Stadt fühlt er sich nicht zugehörig, inneren Kreisen misstraut er von jeher, die Grenzen zwischen Übereinkunft und Abhängigkeit seien fließend, in Frankfurt ohnehin, findet er. Den freien Geist der hiesigen Bürgergesellschaft hält er für überschätzt, linkes Spießertum und konservative Herablassung sieht er allenthalben walten. Zu klein ist ihm Frankfurt, und er meint nicht nur seine Fläche. Projekte wie das der neuen Altstadt am Dom-Römer erachtet er als „lächerlich“, als Kulissentrug für Touristen, „wer will da ernsthaft wohnen?“ Überall wittert er den Geist der Provinz. Provinz! Er spricht das Wort aus wie eine Krankheit.

Ein Dorf im Pfälzischen, kaum 1000 Einwohner: Das war die Welt, in die er hineingeboren wurde, als Zweites von vier Kindern. Der Vater war Postbote, die Mutter Hausfrau. Sie litt an ihrer Rolle, sie litt an diesem Dorf, aus dem sie zeitlebens nicht herausgekommen ist. Sie hatte Talente, sie las viel, Lexika bevorzugt, sie war gierig nach Wissen. „Irgendwann dachte sie wirklich, sie wisse alles“, sagt Stefan Forster. Der Kompass aber habe ihr gefehlt in diesem engen Dorf, sagt er, der Weltmaßstab. Sie war die Außenseiterin, sie war das auf diese in Dörfern öffentliche und offensichtliche Weise. Keine Anonymität, keine Privatheit. Die Mutter war ihm das warnende Beispiel. Er wollte nur noch fort, angespornt auch davon, dass die Eltern ihn unterschätzten. Dem großen Bruder trauten sie alles zu, in ihn investierten sie all ihre Hoffnungen. Zu Stefan, dem Zweiten, sagten sie: „Werde Lehrer, dann bist du versorgt.“ Der Bruder lebt heute im Norddeutschen, er hat seit drei Jahrzehnten keinen Kontakt mehr zu ihm.

Stefan Forsters Weg führte nach Schule und Bundeswehr nach Berlin, in die maximale Großstadt, die maximale Anonymität. Berlin ist seine Stadt, von Anfang an gewesen. Eher zufällig begann er, Architektur zu studieren, zu einer Zeit, als jede längere Gebäudeachse als faschistisch galt. Ihn hat der theoretische Furor der Moderne irritiert, der radikale Bruch mit allen Traditionen. Die 80er Jahre, als wiederum der Bruch mit der Moderne vollzogen wurde, waren seine Zeit. Der Städtebau besann sich wieder seiner Blütezeit im 19. Jahrhundert, als die Viertel sich dicht aneinander schmiegten und immer neue Viertel sich anfügten, mit abgeschlossenen Hinterhöfen, mit einer klaren Trennung von öffentlichem und privatem Raum.

Es gehört zu den unbegreiflichen Widersprüchen des gegenwärtigen Städtebaus, dass solche begehrten Quartiere wie in Frankfurt das Nordend, wie Sachsenhausen nicht als Vorbild für neue Quartiere dienen. An ihren Rändern franst die Stadt aus, Lagepläne werden aufgeteilt, Baufelder mit individueller Willkür besetzt. „Es fehlt ein Wachstumskonzept, eine Vision“, sagt Stefan Forster. „Wie auch? In den Dezernaten sitzen keine Fachleute.“ Martin Wentz, den Baudezernenten der 90er Jahre, den fand er gut, anfangs jedenfalls. Der Schlachthof, der Westhafen: „Da ist doch Gutes entstanden, aber es wird nicht weiterentwickelt.“

Es gehört zu den unauflösbaren Widersprüchen eines Architekten mit 40 Mitarbeitern, dass er an all dem mitwirken muss. Europaviertel. Beim Stichwort allein macht Stefan Forster ein Gesicht wie beim Zahnarzt. Er hat dort Stadtvillen gebaut, er hat wieder Tel Aviv zitiert, er hat Häuser gebaut, die sich im Raum scheinbar drehen, die mit ihrer Umgebung kommunizieren sollen. So sagt er es, weil er es sich so wünscht. Denn da ist nicht mehr viel Raum zum Spielen und Kommunizieren, das sind allenfalls die Abstandsflächen, die nach dem Gesetz eingehalten werden müssen.

„Würfelhusten!“

Das Wort stammt von ihm, in der Szene hat es Karriere gemacht. Blickt man von oben auf all diese Würfel, sieht man zwischen ihnen das Geflecht aus schnellen Wegen für den modernen Angestellten. Die meiste Zeit des Tages sind diese Wege so verwaist wie das Alibigrün um sie herum. Man wohnt da, man lebt da nicht.

Im Ostend lebt Stefan Forster, nahe dem Sandweg – in einem seiner Projekte. Die Nachbarschaft dort ist ihm zurzeit ein bisschen zu intensiv, das zu Geld gekommene Sponti-Milieu will auch im gentrifizierten Viertel sein Gemeinschaftsgefühl kultivieren, das dem Stadtmenschen Forster widersinnig erscheint. „Ich lebe doch in der Stadt, weil ich meine Ruhe haben will.“ Manchmal will ihm scheinen, dass genau das in Frankfurt nicht erwünscht ist. Ende der 80er kam er ins Hessische, von Berlin aus war er dem Ruf der Technischen Hochschule in Darmstadt gefolgt. Er hatte einen Plan: Genügend Geld anzulegen, um sich irgendwann selbstständig machen zu können. 1989 war es soweit, in Darmstadt. Bald merkte er, dass die Zukunft dort mau aussehen würde, so zog er 1995 nach Frankfurt um.

Er wird hier wohl alt werden, die wuchernde Stadt ernährt ihren Mann. Er wird hier aber nicht alt sein wollen. Er weiß noch nicht, wo es ihn dereinst hinzieht, er hat keinen Sehnsuchtsort. Vielleicht Berlin, vielleicht Italien. Vor vier Jahren, nach dem Tod der Mutter, hat seine Schwester das Elternhaus im pfälzischen Dorf verkauft. Er bedauert das. „Dass ich es nicht selbst gekauft habe, werfe ich mir heute vor“, sagt er. Es ist nicht weit von Frankfurt, es wäre ein gutes Rückzugsgebiet gewesen, was zum Verschwinden. Es gibt ja auch schöne Erinnerungen an dieses Haus, das dämmerte ihm, als es nicht mehr der Familie gehörte. Es ist seine Heimat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare