Ausstellung wirbt für Gedenkstätte

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Die Projektgruppe Zwangsarbeiterlager Ackermannwiese zeigt eine dokumentarische und künstlerische Ausstellung für eine Gedenkstätte.

Mitten im Bombenhagel kauern Kriegsgefangene in Todesangst in ihren Deckungsgräben. Mit jedem Treffer in der Umgebung wirbeln unzählige Splitter und Bruchstücke durch die Luft –Fragmente des Stadtteillebens im westlichen Gallus, zu dem auch das Zwangsarbeiterlager der Firma Alfred Teves auf der Ackermannwiese gehörte.

So stellt sich der Projektkünstler für Wanderungsspuren Frank Reinecke die dramatischen Momente der Lagerzerstörung vor: „Vor dem Neubau des Funktionsgebäudes des Sportvereins SG 28 konnte ich dort im Frühjahr 2014 Eisen-, Glas- und Keramikteile ausgraben und meine Begehung des Geländes mit einem GPS-Gerät aufzeichnen“, erklärt er. Auf sieben Tischen zeigt er im Atelier auf dem Tevesgelände (Rebstöcker Straße 49a) heute von 17 bis 21 Uhr und morgen von 14 bis 18 Uhr seine Bruchstücke und künstlerisch bearbeiteten Aufzeichnungen. Hinzu kommen, unterstützt durch die Geschichtswerkstatt Gallus, historische Fotos, Pläne und Infobroschüren von Helga Roos, Tobias Möller und Thomas Sock.

Ziel ist die Errichtung einer Gedenkstätte auf der Ackermannwiese. Dass dort ein Lager der Firma Teves ergraben und dokumentiert werden konnte, ist einer Verkettung glücklicher Umstände zu verdanken. „Bei Recherchen zu einem früheren Arbeitersportverein entdeckten wir Ende 2012 in einer Bauaufsichtsakte den Plan eines Arbeitslagers für 395 Gefangene“, berichtet Helga Roos vom Sportkreis Frankfurt. Es ergänzte das sogenannte „Russenlager“ auf dem Westendplatz und war für „Westarbeiter“ bestimmt, meist Franzosen, Italiener oder Belgier. Dank der Umbauarbeiten der SG 28 wurden die Grabungen möglich. Die Fotos konnten durch Vermittlung des Kampfmittelräumdienstes von einer Bilddatenbank erworben werden.

Das Fabrikareal für die Zwangsarbeit erstreckte sich über das heutige Teves- und das benachbarte Avayagelände. Der schon im Ersten Weltkrieg in der Rüstung aktive Fabrikant Alfred Teves erweiterte 1936 das Stammwerk in der Marburger Straße um das Werk Gustavsburgstraße. Im Rahmen der Neugestaltung der Passage Ackermannwiese-Cordierstraße entstand nun die Idee, dort auch an den Kommunisten Karl Weisbecker zu erinnern, der 1940 vermutlich auf der Ackermannwiese erschlagen wurde. Geplant ist eine gemauerte Stele mit Sichtschlitzen auf einen Acrylblock mit ausgewählten Exponaten. Nächste Arbeitsschritte sind ein Zeit- und Finanzierungsplan.

„Da das Lager nur zwei Jahre bestand, gab es bei den Anwohnern auch nur bruchstückhafte Erinnerungen, die wir Fitzelchen für Fitzelchen zusammensetzen mussten“, erklärt Roos. Nun, da die Dokumentation auch von der benachbarten SG 28 und der Ackermannschule übernommen und beworben wird, hofft die Projektgruppe auf weitere Zeitzeugen.

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