1. Startseite
  2. Frankfurt

Auszeichnung für kreatives Miteinander: Bürgersinn entscheidet

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Stiftungsvorsitzende Beate Gottschall
Stiftungsvorsitzende Beate Gottschall © Kai Reusswig

Neben der Landesregierung fördern auch unterschiedliche Organisationen Ehrenamt und Bürgersinn in Hessen. Ihr gemeinsames Ziel ist es, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu verbessern. Eine Frankfurter Stiftung verleiht sogar einen Preis für Initiativen, die sich auf künstlerische Weise dem Thema widmen.

Unter dem Motto „Kunst schafft’s – ein Preis für kreatives Miteinander“ würdigt die Stiftung „Citoyen“ das Engagement von Initiativen, die mit künstlerischen Mitteln Raum für Begegnungen unterschiedlichster Kulturen und Denkweisen schaffen, zwischenmenschliche Barrieren überwinden und sich für ein gutes Miteinander einsetzen. Mehr als 50 Initiativen haben sich beworben. Zehn wurden nun von der Jury, in der auch unsere stellvertretende Politikchefin Christiane Warnecke vertreten ist, für die Auszeichnung nominiert.

„Die zahlreichen Bewerbungen zeigen, wie vielfältig und originell künstlerische Mittel und kreative Ideen von engagierten Bürgern eingesetzt werden, um das Miteinander zu stärken“, sagt die Juryvorsitzende Beate Gottschall. „Mit der Vergabe der ,Citoyenne 2018‘ will die Stiftung unterstreichen, dass häufig gerade von bürgerschaftlichem Engagement entscheidende Impulse für positive gesellschaftliche Entwicklungen ausgehen“, erklärt Gründungsstifterin Helga Dierichs. Wir stellen die zehn Finalisten vor:

Bunte Brücke: Ein partizipatorisches Kunstprojekt, das 2016 im Zuge der Flüchtlingsbewegung von dem Frankfurter Künstler Philipp Alexander Schäfer ins Leben gerufen wurde. Es richtet sich an junge Erwachsene mit und ohne Fluchtgeschichte. In Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Frankfurt, der University of Applied Sciences, dem Deutschen Roten Kreuz und der Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim werden Workshops angeboten, in denen verschiedene Maltechniken und Gestaltungsgrundlagen ausprobiert und erlernt werden. Erklärtes Ziel des Kunstprojektes ist es, in gemeinschaftlicher Arbeit mit Frankfurter Künstlern ausgewählte Brückenwände im Stadtgebiet zu bemalen und somit ein Zeichen für Toleranz, Vielfalt und interkulturelle Zusammenarbeit zu setzen.

Bridges: Die interkulturelle Musikinitiative hat sich Anfang 2016 gegründet und seitdem 100 professionelle Musiker aus Frankfurt und der ganzen Welt – mit oder ohne Flucht- und Migrationshintergrund – zusammengebracht. Dieses Konzept von Integration über die Musik in die Gesellschaft zu tragen, ist ein Ziel der Auftritte.

"Kunstsäule": „Die Frankfurter Kunstsäule“ ist ein partizipatorisches Kunstprojekt von Florian Koch und Daniel Hartlaub. Sie hatten die Idee, eine klassische 3,60 Meter hohe Litfaßsäule zu einer Kunstsäule umzuwidmen. Statt konsumfördernder Werbung wird gedankenreiche Kunst gezeigt. Hierfür werden namhafte Künstler eingeladen, ihre Arbeit auf der Säule öffentlich vorzustellen. Der Standort der Säule im Herzen des Frankfurt-Sachsenhäuser Brückenviertels an der Kreuzung Brückenstraße/Gutzkowstraße ist teilweise verkehrsberuhigt und lädt Passanten dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die schrägen Vögel: Das inklusive Chorprojekt wurde 2014 von der Sängerin und Musiktherapeutin Ute Jeutter und dem Diakonischen Werk in Bad Homburg ins Leben gerufen. „Die schrägen Vögel“ sind ein Chor für Menschen mit und ohne psychische Beeinträchtigungen. Vor allem geht es bei diesem Chorprojekt darum, durch das gemeinsame Singen einen Raum zu schaffen, um sich selbst positiv zu erfahren, die Freude am Singen mit anderen zu teilen und dabei persönlich und miteinander wachsen zu können.

Gruppe Eleganz aus Reflex: „Rot oder tot“ ist eine fünfteilige Theaterserie mit Zuschauerbeteiligung, die sich mit Formen politischer Partizipation und der (Re-)Konstruktion von Geschichtsverlauf sowie Erinnerung beschäftigt und die Entwicklung von Kulturpolitik im Spiegel von Künstlerbiografien in der DDR unter die Lupe nimmt. Die Zuschauenden werden dazu eingeladen, Teil einer fiktionalisierten DDR zu werden und Wendepunkte von DDR-Geschichte neu zu entscheiden.

Gleichstrom: Elf Schüler der Heinrich-Mann-Schule in Dietzenbach haben zusammen mit der Theaterpädagogin Bettina Steingass einen 15-minütigen Kurzfilm zum Thema „Was würde an dieser Schule passieren, wenn . . .“ gedreht. Die Schüler wollen mit dem Film „Gleichstrom“ eine politische Aussage treffen, um an ihrer Schule etwas zu bewegen und die Zuschauer zum Nachdenken anzuregen. Für das Projekt wurde Homophobie als zentrales Thema ausgewählt. Es geht um Schwulenhass, Mobbing, aber auch um Magersucht und um Angst und Scham, die als Emotionen dahinterstehen.

Bolongaro-Wandteppich: Angesichts des hohen Migrantenanteils in den westlichen Stadtteilen Frankfurts hatte der Kultur- und Museumsverein Bolongaro die Idee, dem friedlichen Miteinander schon während der Bau- und Sanierungsphase des Palastes durch das Projekt einen sichtbaren Ausdruck zu verleihen. Mehr als 200 Personen haben bislang an der Entstehung des Wandteppichs mitgewirkt. Als Symbol für ein bürgerliches Engagement wird er nach der Wiedereröffnung einen dauerhaften Platz im Bolongaropalast finden.

Osterspaziergang: Am 16. April 2017 fand eine Neuauflage des Osterspaziergangs „Vom Eise befreit“ statt. Entlang des Kulturwanderweges wandelten mehrere hundert Natur- und Kunstinteressierte auf Goethes Spuren. Auf einem von der Frankfurter Kuratorin Annette Gloser zusammengestellten Parcours bereicherten bildende Künstler die historischen Stationen um die Gerbermühle und den Wasserhof, die Schutzhütte W3 im Stadtwald Oberrad, Goetheruh und das Willemer Häuschen mit Interventionen zum Thema. Künftig soll der Spaziergang in Form einer wiederkehrenden Biennale etabliert werden.

Hauswandpoesie: Die Initiative Kunst.Ort.Rumpenheim hat sich zum Ziel gesetzt, mit Kunst und Kulturarbeit den Offenbacher Stadtteil zu stärken und das Miteinander der Bürger zu gestalten. Mit dem Projekt Hauswandpoesie will die Initiative Bewohner, Kunstschaffende und Handwerker in Rumpenheim aktivieren und dazu bringen, Türen zu öffnen, sich zu engagieren und Stellung zu beziehen: „Wir bringen politisch motivierte Aussagen gegen rechts sichtbar an die Häuserwände“, sagen die Organisatoren.

Real existierende Theatergruppe: Das Theaterprojekt im Sozial- und Rehazentrum Frankfurt-West besteht seit 2007 unter der Leitung von Margarete Rabow und hat sieben Theaterstücke erarbeitet und aufgeführt. Ziel des Theaterprojekts ist, dass Bewohner mit und ohne Behinderung, Ehrenamtliche, Angehörige und Mitarbeiter ein Theaterstück erarbeiten, das zum Abschluss öffentlich aufgeführt wird. Eine weitere Zielsetzung ist, dass die Projektteilnehmenden durch gegenseitige Wertschätzung, und die des Publikums in ihrem Selbstwert gestärkt werden und sie sich durch dieses Projekt als ein Teil der Gesellschaft fühlen. red

Auch interessant

Kommentare