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Viele Autofahrer auf dem Diesterwegplatz missachten jegliche Schilder: Hier dürften zurzeit eigentlich nur Anlieger durch, und die Durchfahrt zur Hedderichstraße ist gar nicht erlaubt.

Baustellen, fehlende Parkplätze

Verkehr in Sachsenhausen: Autofahren wie Kraut und Rüben

Autofahrer haben es schwer in der Großstadt. Baustellen verhindern das Durchkommen, Parkplätze sind rar. Manche Fahrer halten sich aber schlicht nicht an Regeln und gefährden so andere Verkehrsteilnehmer. Eine Rundfahrt durch Sachsenhausen.

Manfred Metz wundert und ärgert sich über seine fahrenden Mitmenschen. Der Sachsenhäuser – dessen Name ein anderer ist, doch er will damit nicht in der Zeitung stehen – ist oft mit seinem Golf im Stadtteil unterwegs, um Erledigungen zu machen. Besonders im Winter fährt er nicht gern mit dem Bus, in der Kälte ist ihm der Weg zur Haltestelle von zu Hause zu weit. Er fährt umsichtig, achtet auf Fußgänger und Radfahrer. Die nerven ihn auch nicht – sondern die anderen Autofahrer. Und er echauffiert sich über das Ordnungsamt, das Verkehrssünder zu selten bestrafe: „Die kontrollieren kaum noch, um Falschparker kümmert sich niemand“, sagt Metz.

Schilder beachtet keiner

Wir treffen uns am Diesterwegplatz vor dem Südbahnhof, wo derzeit das Gebäude der Post eingerüstet ist. Auf der Diesterwegstraße wächst ein Schilderwald in den Himmel, Baken sperren die rechte Fahrspur ab. „Anlieger frei bis Baustelle“ steht darauf, Durchfahrt-Verboten-Schilder weisen darauf hin, dass vorübergehend der Halbkreis an der Westseite zur Einbahnstraße wird. „Das stört keinen,“ sagt Metz und zeigt auf einen Lieferwagen, der hinter der Absperrung parkt. Gerade fährt ein Auto munter in die temporäre Einbahnstraße hinein – in die falsche Richtung. Weiter geht’s auf den kleinen Parkplatz neben dem Südbahnhof. Dort steht eine Elektrotanksäule der Mainova. „Tanken kann hier niemand, denn der Parkplatz wird seit Wochen von diesem gelben Lieferwagen blockiert“, hat Metz beobachtet. Strafzettel oder Kontrolle? Fehlanzeige – obwohl auf dem Platz Parkscheinpflicht besteht. Nur nicht auf dem Elektro-Parkplatz: Hier dürfen Autos kostenlos stehen, so lange sie aufladen. Die Säule ist offenbar außer Betrieb.

Parken in zweiter Reihe

Der nächste Schauplatz, den er zeigen will, ist der kleine Abschnitt der Mörfelder Landstraße / Anfang Ziegelhüttenweg, direkt vor dem Hit-Markt und Obi. „Hier kommen Sie samstags tagsüber und an Wochentagen ab 17 Uhr kaum durch, weil frech in zweiter Reihe geparkt wird. Dabei gibt es ein Parkhaus! Die meisten sind aber zu faul, um dort hinein zu fahren. Wer auf einem regulären Parkplatz steht, kann deshalb oft nicht mehr wegfahren.“ Und viele der Parksünder seien keine Kunden der Geschäfte, sondern verschwänden vor allem samstags für längere Zeit im Weinlokal an der Ecke.

Auch während der Woche hält man hier schnell am Seitenstreifen an. Eine Dame parkt gerade mit einer Fahrzeugseite auf einem Behindertenparkplatz. „Wer nur halb draufsteht, denkt wohl, er macht nichts falsch“, sagt Metz ironisch.

Nicht nur das Verhalten der Autofahrer ärgert ihn, auch über so manche Beschilderung schüttelt der Sachsenhäuser Rentner den Kopf. Wer etwa unter den Bahngleisen Richtung Innenstadt zurückfährt und rechts in die weiterführende Oppenheimer Landstraße einbiegt, kann das Tempo-30-Schild am Rand unmöglich sehen. Denn es ist verdreht und nur für Fußgänger auf dem Bürgersteig sichtbar. Und weiter: Auf der Textorstraße ist nur Tempo 30 erlaubt. Kurz vor der Ampel an der Ecke zur Schweizer Straße steht aber ein Tempo-50-Schild, dahinter wieder eines, das Tempo 30 anzeigt. „Ein Kuriositätenkabinett“, moniert Metz.

Sicherheitsfrage

Wohnstraßen, so beobachtet der Sachsenhäuser auch, werden regelmäßig zugeparkt. Auf der Ecke Schwanthaler Straße/Diesterwegstraße wurden auf dem erhöhten Pflaster in der Kurve Poller angebracht, um Parken zu verhindern. Das Gegenteil ist der Fall: Vor den Pollern stehen Autos. „Das ist das tägliche Bild an dieser Stelle“, so Metz. Die Unübersichtlichkeit, die dadurch entsteht, ist seiner Meinung nach vor allem eine

Sicherheitsfrage

. „Kontrollen sehe ich fast nie“, sagt er. Und wenn er dann mal Hilfspolizisten anspreche, gäben diese im Amt offenbar keine Hinweise weiter. Metz: „Es ist vergeblich, auf Missstände hinzuweisen. Ob es ein Kommunikationsproblem ist oder schlicht nicht weitergedacht wird, ist mir schleierhaft.“

Stefanie Wehr

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