So stellen sich einige Politiker und Anwohner die Verkehrssituation in der Leipziger vor: Autos sollen ausgesperrt werden und die Fahrbahn Radfahrern und auch Fußgängern zur Verfügung stehen. Die Stadt sieht das aber anders. Foto: Ben Kilb
+
So stellen sich einige Politiker und Anwohner die Verkehrssituation in der Leipziger vor: Autos sollen ausgesperrt werden und die Fahrbahn Radfahrern und auch Fußgängern zur Verfügung stehen. Die Stadt sieht das aber anders. Foto: Ben Kilb

Die Themen des Frankfurter Ortsbeirats 2

Autofreie Leipziger bleibt weiter ein Traum

Das beschäftigte in Frankfurt Bockenheim, Westend und KuhwaldIn einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Ortsbeiräten - aus Sicht unserer Redakteure. Was war das Thema, das den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt hat? Wir beginnen unsere Serie mit dem Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald).

Frankfurt Ein ganzes Jahr hat der Magistrat den Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) auf die Folter gespannt, um dann doch die Erwartungen zu enttäuschen. Das Stadtteilparlament hatte nach schätzungsweise 15 Jahren endlich eine gemeinsame Linie für eine autofreie Leipziger Straße gefunden und einen entsprechenden Antrag verabschiedet.

Im September kam dann die Ernüchterung: Der Magistrat hält es für nicht zielführend, die Einkaufsstraße autofrei zu gestalten. Vor allem der große Aufwand mit zusätzlicher Beschilderung und Schranken, der damit verbunden sei, wurde als Gegenargument angeführt - auch in Coronazeiten sei dies nicht angebracht.

Grünen-Sprecher Thomas Gutmann versprach aber einem Bürger, der das Thema in der jüngsten Sitzung des Stadtteilparlamentes angesprochen hatte, dass man dranbleiben werde. Denn im Bericht des Magistrat stehe nicht, dass die Stadt den Vorschlag ablehne. "Das schreiben die nicht. Es heißt nur, dass es mühsam ist und viel zu tun ist." Gutmann vermutet, dass der Ortsbeirat mit dieser Taktik mürbe gemacht werden solle. "Die Frage ist, wer ist zäher", stellte er in den Raum.

Im Stadtteil

umstritten

Bislang jedenfalls haben sich die Stadtteilpolitiker noch nicht klein kriegen lassen. Sie blieben hartnäckig und nahmen sich des Themas autofreie Leipziger Straße in beständiger Regelmäßigkeit an, auch im abgelaufenen Jahr. Dabei ist ein mögliches Durchfahrtverbot für Autos im Stadtteil äußerst umstritten. Einzelhändler lehnen es ab, weil sie angesichts fehlender Parkmöglichkeiten in der Nähe ihrer Geschäfte Umsatzeinbußen befürchten.

Anfang des Jahres war es zunächst auch recht still geworden um die Sperrung. Mit der aufkeimenden Corona-Pandemie wurde es dann aber plötzlich wieder aktuell. Weil beim Einkaufen auf den schmalen Bürgersteigen der Mindestabstand nicht mehr eingehalten werden könne, hatten sich besorgte Bürger an Gutmann gewandt. SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Völker unterstützte den Vorstoß, zum Schutz der Bürger die Leipziger schnellstmöglich zur Fußgängerzone umzuwandeln. So nämlich entstünde mehr Platz, weil auch die Fahrbahn zum Laufen genutzt werden könne.

Gesamtkonzept

ist nötig

Das allerdings brachte Christian Loose (CDU) auf die Palme. Er warf Völker und Gutmann vor, sie versuchten unter dem Deckmantel von Corona nun die Sperrung durch die Hintertür durchzuboxen. Die lehnt Loose mit der Begründung ab, sie sei nicht durchdacht. Er plädiert für ein Gesamtverkehrskonzept für die Einkaufsstraße und weist auf einen Punkt hin: In der allgemeinen Corona-Hektik helfe es nicht, die Straße einfach nur vom Autoverkehr zu befreien.

Keine Hoffnung auf eine schnelle Umsetzung der Sperre hatte ohnehin Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Zunächst müsse geprüft werden, auf welcher rechtlichen Grundlage eine Sperrung der Straße möglich wäre. "Das ist ein langes Verfahren", sagte er. Im Übrigen ist er der Ansicht, dass das Abstandhalten in der Leipziger möglich sein müsse. Das bestreitet Linke-Fraktionssprecher Hans-Jürgen Hammelmann vehement. "Ich wüsste nicht, wo die Gehwege 1,50 Meter breit sein sollen."

Im Zweifelsfall müsste also mit dem guten alten Zollstock nachgemessen werden. Ob 1,50 Meter oder zwei Meter Platz auf dem Fußgängerweg, darauf zielte der Antrag der FDP grundsätzlich nicht ab. Christina-Maria Nimmerfoh hatte angeregt, die Straße auf dem Abschnitt zwischen Adalbertstraße und Kurfürstenstraße probeweise an Samstagen zu sperren. Schranken an den Zufahrtstraßen sollten Autos aussperren, Radfahren soll erlaubt sein. Nach Ablauf der Testphase sollten Vor- und Nachteile abgewogen werden und es solle über eine dauerhafte Sperrung entschieden werden.

Die Geschäftsleute hatten eine Sperrung der Leipziger für den Autoverkehr, ob temporär oder dauerhaft, stets abgelehnt. Holger Wessendorf, Vorsitzender des Gewerbevereins "Bockenheim aktiv", wiederholte in einer der Ortsbeiratssitzungen seine Kritik und erklärte, dass auch die probeweise Sperrung für den Autoverkehr auf einem Teilstück an den Samstagen nicht ausgereift sei. So sei nicht berücksichtigt, wie man auf sein Grundstück gelangen könne oder ob es Schrankenwärter gebe.

Anstatt die Straße zu sperren, regte Wessendorf eine Brötchentaste in der Leipziger an und bat zudem, die Parkhäuser in unmittelbarer Nähe zur Einkaufsstraße endlich ans Parkleitsystem anzuschließen. Denn: Der breiten Masse sei gar nicht bekannt, dass es in der Nähe Parkhäuser gibt.

"Wenn schon sperren, dann auch für den Radverkehr", fordert Stefan Geheeb, Geschäftsführer des einzigen Elektrogeschäftes in der Leipziger . Das bewertet der Magistrat anders. Viele Bürger nutzten gerade während der Corona-Pandemie das Fahrrad. Verkehrsflächen für den Radverkehr zu schaffen sei daher sinnvoller, als sie zu sperren.

Vom Magistrat

mehr Mut erwünscht

"Wir bedauern das sehr", sagte Nimmerfroh. Sie hätte sich mehr Mut des Magistrats gewünscht. Aber wie heißt es so schön: "Heute ist nicht alle Tage, ich komme wieder, keine Frage." So kann sich der Verkehrsdezernent für 2021 wohl schon auf einen weiteren Vorstoß zur Leipziger Straße einstellen. Matthias Bittner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare