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Ein alltägliches Bild in der Kaiserstraße im Bahnhofsviertel: Kaum ein Durchkommen für die Autofahrer. Jetzt soll hier ein autofreier Sonntag getestet werden.

Verkehr

Zur Bahnhofsviertelnacht sollen mehrere Straßen für den motorisierten Verkehr gesperrt werden

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Oskar Mahler vom Gewerbeverein wollte ein autofreies Quartier. Mit einem Antrag von „Die Partei“ im Ortsbeirat 1 soll nun ein autofreier Sonntag im Bahnhofsviertel getestet werden.

Dass der im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen vereinbarte autofreie Sonntag noch nicht umgesetzt wurde, hat für Maximilian Klöckner (Die Partei) einen offensichtlichen Grund: „Der Magistrat erteilte in Person von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) eine wiederholte Absage mit Verweis auf die schwierige Logistik und das fehlende Sicherheitskonzept.“ Auch in anderen Städten würde der autofreie Sonntag deshalb nicht das gesamte Stadtgebiet, sondern nur ausgewählte Bereiche betreffen.

Ein solches Gebiet hat Klöckner nun dort gefunden, wo der frühere Vorsitzende des Gewerbevereins „Treffpunkt Bahnhofsviertel“ Oskar Mahler die Autos fernhalten wollte: In der Sitzung im Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut) konnte Klöckner mit großer Mehrheit einen Antrag an den Magistrat einbringen, einen autofreien Sonntag im Spätsommer 2019 in Verbindung mit der langen Bahnhofsviertelnacht zu testen.

„Das Bahnhofsviertel ist in seiner Ausdehnung sehr begrenzt und für die Bahnhofsviertelnacht existiert bereits ein Sicherheitskonzept“, begründete er. Auch Mahler hatte in seiner Anregung betont, ein autofreies Viertel – ausgenommen seien Taxis, Lieferverkehr und Anlieger mit Zufahrt zu Tief- und Privatstellplätzen – funktioniere in der Bahnhofsviertelnacht wegen der guten Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Der jetzige Vorsitzende des Gewerbevereins Ulrich Mattner hatte dagegen befürchtet, Einzelhändlern und Gewerbetreibenden würde die Kundschaft wegbleiben.

Weitere Vorschläge

Auf Anregung von Ralf Schmidt-Berberich vom Unabhängigen Bündnis wurde das auszutestende Gebiet im Ortsbeirat auf die Düsseldorfer-, die Karl- und die Mainzer Landstraße sowie die Taunus-, Gallus- und Gutleutstraße begrenzt. Während nur drei Mitglieder der CDU und der Grünen sich enthielten oder dagegen stimmten, ging anderen die Forderung nicht weit genug: Die SPD-Fraktionsvorsitzende Anna Pause schlug für eine probeweise Sperrung auch die Innenstadt vor, für das Bahnhofsviertel auch Donnerstag bis Sonntag. Eyup Yilmaz (Linke) wollte sogar einen probefreien Sonntag einmal pro Monat einführen.

Mit einem autofreien Wochenende könnte sich Klöckner anfreunden und begrüßt auch Mahlers Vorschlag, hält es jedoch für klug, das im Koalitionsvertrag vereinbarte Projekt Stück für Stück umzusetzen: „Zunächst kann die Stadt prüfen, ob der autofreie Sonntag mit der langen Bahnhofsviertelnacht im festgelegten Gebiet zusammenpassen kann“, argumentierte er. Letztlich zeigen jedoch viele Beispiele in Europa, dass autofreie Innenstädte zu einer deutlichen Steigerung der Lebens- und Aufenthaltsqualität beitragen können. In Frankfurt würde ein autofreier Sonntag zudem die probeweise angedachte Sperrung am nördlichen Mainufer ergänzen.

Kosten sparen

„Gerade mit dem vorhandenen Sicherheitskonzept für die Bahnhofsviertelnacht können Kosten gespart werden“, fand auch Gregor Weber, Fraktionsvorsitzender der CDU. „Oesterling mag kein Freund des autofreien Sonntags sein, der jedoch im Koalitionsvertrag vereinbart ist und deshalb auch nicht an Kosten scheitern sollte“, betonte Grünen-Sprecher Andreas Laeuen.

Der persönliche Referent von Oesterling Hans Preißl stellt auf Anfrage dieser Zeitung klar: „Wir finden die Idee sehr sympathisch, können aber vor der Überprüfung der verkehrstechnischen und rechtlichen Gegebenheiten keine Einschätzung abgeben.“ Doch ohne Oesterlings Zutun hätte es auch die Vereinbarung für einen autofreien Sonntag im Koalitionsvertrag nicht gegeben.

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