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Wie hier in der Kaiserstraße ist oft kaum noch ein Durchkommen in den Straßen der Innenstadt möglich. Im Bahnhofsviertel soll es deshalb einen autofreien Sonntag geben.

Ortsbeirat 1

Von autofreien Sonntagen und Fahrverboten

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In unserer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den Ortsbeiräten – aus Sicht unserer Redakteure. Was war das Thema, das den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt hat? Eine Einschätzung – heute aus dem Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhof, Europaviertel, Gallus, Gutleut, Innenstadt).

Parkplatznot, Belästigung durch Reisebusse, Sturzgefahr in überfüllten Straßenbahnen – wer in oder direkt um die Frankfurter Innenstadt lebt, der lebt mit viel und manchmal sogar mit gefährlichem Verkehr. Da wirkt der Testlauf, in diesem Sommer den Mainkai für ein Jahr sperren zu lassen, wie ein motivierender Ansporn für weitere ehrgeizige Ziele: Die Fernbusse sollen ihre illegalen Standplätze im Gutleutviertel räumen; das Bahnhofsviertel nach Möglichkeit sogar ganz autofrei werden, wenn auch zunächst nur versuchsweise zur langen Bahnhofsviertelnacht.

Der Protest begann im Februar in der Alten Gasse, wo Anwohner und Geschäftsleute gegen den Durchgangsverkehr mit überhöhter Geschwindigkeit zwischen Konrad-Adenauer-Straße und Anlagenring mobilisieren wollten. In einem gemeinsamen Antrag von CDU, SPD und Grünen forderte der Ortsbeirat 1, schärfere Verkehrskontrollen durchzuführen, die Ampelschaltungen zu überprüfen und neue Fahrradständer einzurichten. Die Grünen verlangten in einem eigenen Antrag nach einer Tempo-30-Zone, die der Magistrat als „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ prüfen lassen will. Doch vor Ort sind bislang kaum Veränderungen zu beobachten.

 Barrierefreier Ausbau

Wachsam sind die Ortspolitiker auch seit der Vorstellung des Bauprojekts „Frankfurt Four“, das Umleitungen auch in diesem Jahr für Radfahrer und Fußgänger über die Neue Mainzer , Neue Rothof- und Alte Rothofstraße vorsieht. Dort werden nach Auskunft von Straßenverkehrsamtsleiter Gert Stahnke bislang die abgestimmten Transportwege zur Baustellenerschließung eingehalten. Im März rüttelte Egon Matthes das Stadtteilparlament in der Bürgerfragestunde wach: Er stürzte beim Einstieg in die Straßenbahn Linie 21 ins Gallus und kam fast wortwörtlich mit einem blauen Auge davon. In einem gemeinsamen Antrag forderten die Stadtteilpolitiker deshalb den barrierefreien Ausbau aller Stationen zwischen Galluswarte und Wickerer Straße.

Doch die barrierefreie Einrichtung schon bestehender Haltestellen sei eine „komplexe Angelegenheit“, hieß es aus dem Verkehrsdezernat. Dort musste man nun einräumen, dass bis Anfang 2022 erst 90 von 142 Frankfurter Haltestellen barrierefrei umgebaut sein würden. So bleibt der öffentliche Nahverkehr für Rollstuhlfahrer vielerorts weiterhin eine gefährliche Angelegenheit – und manche behindertengerechte Fahrt mit Bus oder Bahn über den Ortsbezirk hinaus laut Online-Fahrplanauskunft des RMV eine Angelegenheit von mehreren Stunden.

Unterdessen wuchs auch im Ortsbezirk 1 die Sorge vor einem Dieselfahrverbot: Denn die Mainzer Landstraße, Ausfallstraße von der Innenstadt in den Frankfurter Westen, wird von vielen Lieferfahrzeugen mit Dieselmotoren angefahren, um die Baustellen für neue Bürohäuser anzudienen. Als der von der SPD-Stadtverordneten Anna Pause angeregte „City Tree“ auf Ablehnung bei den Umweltbehörden stößt, erinnerte sich Pause eines Antrags von den Grünen, um den ÖPNV zu stärken: Demnach hätte die Regionalbahn SE 12 eine zweite Haltestelle am Homburger Damm bekommen sollen. Doch dieser Antrag wurde wegen der zusätzlichen Haltezeit von 41 Sekunden und der deshalb zu geringen Wendezeit am Hauptbahnhof abgelehnt. Zur Entspannung wurde zum Fahrplanwechsel die Straßenbahnlinie 14 ins Gallus bis zum Gustavsburgplatz geleitet.

Verkehr raus

Im Oktober schließlich regte Oskar Mahler an, das Bahnhofsviertel für den Autoverkehr mit Ausnahmen für Nah-, Liefer- und Einsatzverkehr von Polizei und Rettungskräften zu sperren. Obwohl es seitens des Gewerbevereins im Bahnhofsviertel auch kritische Einwände gab, griff Maximilian Klöckner von der PARTEI diese Idee in einem Antrag in der Novembersitzung auf, am Wochenende der langen Bahnhofsviertelnacht einen autofreien Sonntag auszutesten.

Während Anna Pause (SPD) diesen Vorschlag gerne über ein verlängertes Wochenende bis in die Innenstadt ausweiten wollte, einigte sich die Mehrheit des Stadtteilparlaments auf den Sonntag im Gebiet zwischen Mainzer Landstraße, Taunus-, Gallus- und Gutleutstraße. Hans Preißl, Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), räumte ein, das Verkehrsdezernat finde die Idee der Ausweitung durchaus sympathisch. Ohne genauere Überprüfung der verkehrstechnischen Gegebenheiten könne man allerdings noch keine Einschätzung abgeben.

In der Dezembersitzung klagte Wolfgang Pirner in der Bürgerfragestunde über die Belästigungen im Gutleutviertel durch Reisebusse: Tagelang würden diese an der Gutleutstraße nahe der Wurzelsiedlung illegal geparkt, zudem ließen Busfahrer häufig lange ihre Motoren warmlaufen, verrichteten vor den Bussen ihre Notdurft oder entsorgten ihren Abfall. Der Parkdruck sowie die Geruchs- und Geräuschbelästigungen seien deshalb für die Anwohner enorm.

Dazu verabschiedete der Ortsbeirat zwei Anträge der Grünen und der FDP, generelle Parkverbote im Gutleutviertel zwischen Ernte- und Wurzelstraße auszusprechen. Derzeit tüftelt der Magistrat noch an einer Lösung, ein Ortstermin am 17. Januar soll für weitere Klärung sorgen.

So geht es weiter

In der nächsten Ausgabe werfen wir einen Blick auf den Ortsbeirat 13.

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