Diese Fahrrad-Box in der Ludwigshafener Straße 17 wurde im öffentlichen Raum aufgestellt und wird nur von einer Familie genutzt. Dafür sind zwei Parkplätze weggefallen. FOTO: Vonhof
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Diese Fahrrad-Box in der Ludwigshafener Straße 17 wurde im öffentlichen Raum aufgestellt und wird nur von einer Familie genutzt. Dafür sind zwei Parkplätze weggefallen.

Verkehrspolitik

Immer weniger Platz für Autos auf Frankfurts Straßen

  • Holger Vonhof
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In Frankfurt steigen die Ansprüche anderer Verkehrsteilnehmer. Menschen sollen überzeugt werden, aufs Fahrrad umzusteigen. Kostenlose Parkplätze für Autos werden rar.

Frankfurt - Wer in der japanischen Metropole Tokio ein Auto kaufen möchte, muss einen Parkplatz nachweisen - sonst gibt es keine Zulassung für die Karosse. Parkplätze kosten dort mindestens 400 Euro im Monat; abgeschleppt wird radikal. Ergebnis: Nur jeder vierte Tokioter besitzt ein Auto. In Frankfurt ist es jeder zweite Einwohner. Tokio und Frankfurt trennen Welten, aber die Probleme werden in den Großstädten der Welt immer ähnlicher - besonders beim Parken.

In Deutschland sind viele Autofahrer davon überzeugt, dass es ihr gutes Recht ist, ihr Eigentum - das Auto - im öffentlichen Raum abzustellen; nicht selten wird das Argument bemüht, dafür zahle man schließlich Kfz-Steuer. Doch nicht nur Parkraumbewirtschaftung auf öffentlichen Straßen unterbindet diesen Anspruch immer öfter: In jüngerer Zeit machen auch andere Verkehrsteilnehmer Autofahrern begrenzte Fläche streitig. Es werden Radwege markiert, wo vorher geparkt wurde; Ecken, die illegal zum Abstellen von Fahrzeugen genutzt wurden, werden abgepollert. Und auf mehr und mehr Flächen werden Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen.

Parken in Frankfurt: Fahrradbox auf der Fläche zweier Parkplätze

Am Nordausgang des Höchster Bahnhofs sind etwa Dutzende Parkplätze verschwunden, weil dort eine Fahrradabstellanlage installiert wurde und binnen kürzester Zeit erweitert werden musste.

Am Montag (30.08.2021) wird nun in der Ludwigshafener Straße 27 die erste privat genutzte Fahrrad-Box im öffentlichen Raum eingeweiht. Die Fahrradgarage, die auf der Fläche zweier Parkplätze installiert wurde, wird einer einzigen Familie gegen eine einmalige Gebühr auf die Dauer von fünf Jahren überlassen. Das Nutzungsmodell basiert auf dem Pilotprojekt "Wohnungsnahe FahrRadGaragen", mit dem die Stadt erreichen will, dass mehr Menschen vom Auto aufs Fahrrad umsteigen. Vor zwei Jahren bereits hat das Amt für Straßenbau und Erschließung die erste dieser Fahrrad-Garagen in der Hegelstraße im Nordend aufgestellt. Nun wird das Modellprojekt in Höchst ausgeweitet: Am Montag will der scheidende Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) die Schlüssel an die Nutzer überreichen.

Verkehr: Dauerparken von Pkw auf öffentlichen Straßen ist in Frankfurt erlaubt

Gebaut wurde die Fahrrad-Garage in einer Straße, in der auf einer Seite Anwohnerparken gilt und auf der anderen - der Seite, auf der jetzt die Fahrrad-Box steht - Parken noch ohne Einschränkungen erlaubt war. Straßen, in denen weder Anwohnerparken noch irgendeine sonstige Beschränkung gilt, werden immer rarer. Das Problem: Gemäß Straßenverkehrsordnung (StVO) gibt es keine Vorschrift, die eine generelle Begrenzung der Parkdauer für Autos festlegt.

Das heißt: Das Dauerparken von Pkw auf öffentlichen Parkplätzen beziehungsweise Straßen ist erlaubt, sofern kein Schild die Parkzeit beschränkt. Das nutzen clevere Köpfe häufig aus und stellen Fahrzeuge mit Werbeträgern dauerhaft an viel frequentierten Straßen ab, reduzieren damit die Zahl der verfügbaren Parkplätze. Die einzige Regel: Die abgestellten Fahrzeuge müssen ordnungsgemäß angemeldet sein und eine gültige TÜV-Plakette haben.

Immer weniger kostenlose öffentliche Parkplätze im Straßenraum in Frankfurt

In Zukunft wird es immer weniger kostenlose öffentliche Parkplätze im Straßenraum geben, wodurch der Wettbewerb gerade in den City-ferneren Stadtteilen immens wächst, gerade auch dort, wo direkt hinter einer Tarifgrenze öffentliche Verkehrsmittel den City-Zugang gewähren wie im Frankfurter Westen: An den S-Bahnhöfen Sindlingen und Zeilsheim sowie in Höchst sind ganze Straßenzüge tagsüber mit Autos aus dem Main-Taunus-Kreis zugestellt, deren Fahrer sowohl teure Innenstadt-Parkhäuser als auch die zusätzliche Tarifstufe scheuen; dazu kommen Flughafen-Dauerparker wie etwa in Schwanheim. Früher öffentlich genutzte Parkplätze, etwa am Sindlinger Bahnhof, werden von entsprechenden Park-&-Shuttle-Firmen bewirtschaftet - zum Teil illegal, wie unlängst erst in Nied-Süd vom Ordnungsamt unterbunden.

Übrigens: Wer einen Parkplatz freihält, ohne ein mobiles Halteverbot beantragt zu haben, muss damit rechen, dass das als Nötigung gewertet wird - als Straftat somit. Das gilt auch für den Umzugswagen, denn die Blockade ist ein unzulässiger Eingriff in den Straßenverkehr. (hv)

Im Stadtverkehr von Frankfurt kommt es auch immer wieder zu Ärger mit E-Scootern. Die Stadt will jetzt reagieren.

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