Jürgen Richter bislang Awo-Geschäftsführer
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Jürgen Richter bislang Awo-Geschäftsführer

Welche Rolle spielt OB Feldmann?

Rücktritte, Skandale und Vorwürfe - alles zur AWO-Affäre in Frankfurt

AWO-Chef Jürgen Richter sieht sich als Opfer einer Medienkampagne, Peter Feldmann taucht ab und fast täglich gibt es weitere Meldungen zur AWO-Affäre in Frankfurt.

Frankfurt - Unklare Geldströme, überhöhte Gehälter und Dienstwagen der Luxusklasse haben die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Frankfurt seit Monaten zunehmend in die Kritik gebracht. 

Gestern zog Jürgen Richter (63), Geschäftsführer des Kreisverbandes, die Konsequenz und erklärte seinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung. Wenngleich er diese Position seit kurzem auf Anraten des Awo-Bundesvorsitzenden ruhen lässt und ohnehin zum Ende dieses Jahres ausgeschieden wäre, kam die Entscheidung überraschend. Ob Richter eine Abfindung erhält, sei noch unklar, sagte gestern ein Sprecher des Wohlfahrtsverbandes auf Anfrage dieser Zeitung.

AWO-Affäre: AWO-Chef beklagt Indiskretion

In seiner Rücktrittserklärung, die dieser Zeitung vorliegt, macht Richter für seinen Schritt neben gesundheitlichen Gründen die Berichterstattung in Medien "mit Kampagnencharakter" verantwortlich. Außerdem beklagt er Indiskretionen und die Weitergabe von Interna, die letztlich auch noch anhaltende staatsanwaltschaftliche Ermittlungen ausgelöst hatten. Richter betonte in seiner Erklärung, dass diese kein "Schuldanerkenntnis" sei und dass "die eingeleiteten Aufklärungsmaßnahmen schlussendlich die Vorwürfe widerlegen werden". Allerdings räumt er ein, dass "es Fehler unsererseits gegeben hat". Auf welche er konkret abzielt, geht aus der Erklärung nicht hervor.

Wie diese Zeitung zuerst berichtet hatte, war die Awo Frankfurt wegen unklarer Zahlungsströme in zwei von ihr betriebenen Flüchtlingsheimen in Dissens mit der Stadt Frankfurt geraten und hatte sich Ende 2018 aus dem Betrieb der Heime zurückgezogen. Nach außen wurde diese Entscheidung als einvernehmlich kommuniziert. Im März dieses Jahres hatte diese Zeitung öffentlich gemacht, dass das Sozialdezernat sich irritiert gezeigt hatte über nicht eingehaltene Absprachen und die Bestellung des eigens für die Bewachung der Flüchtlingsheime gegründeten Sicherheitsdienstes "Awo Protect". Schon damals hatte Richter seinen unverzüglichen Wechsel in den Ruhestand angekündigt, den dann aber doch nicht vollzogen und für Ende dieses Jahres in Aussicht gestellt.

AWO-Affäre in Frankfurt: Mobbingvorwürfe von Mitarbeitern

Verworrene Strukturen und großzügige Entlohnung samt Zusatzleistungen für Beschäftigte in Spitzenpositionen hatten die öffentliche Kritik gegen die Awo erneut befeuert und schließlich auch die Aufmerksamkeit des Bundesverbandes hervorgerufen. So soll Jürgen Richter ein Jahresgehalt von 285 000 Euro bezogen haben. Zum Vergleich: Der hessische Ministerpräsident erhält ein Jahressalär von 190 000 Euro. Außerdem soll der Verband der Ehefrau von Oberbürgermeister Peter Feldmann als Leiterin einer Kindertagesstätte ein unangemessen hohes Gehalt und einen Dienstwagen gewährt haben.

Auch zu Mobbingvorwürfen äußerte sich Richter in seiner Rücktrittserklärung - und bestritt sie. Mitarbeiter hatten berichtet, Bespitzelungen durch einen Privatdetektiv ausgesetzt gewesen zu sein. Eine ehemalige Awo-Mitarbeiterin hatte in der "FAZ" berichtet, die privaten Ermittler hätten ihre Kollegen unter Druck gesetzt.

AWO-Affäre: Welche Rolle spielte Oberbürgermeister Feldmann?

Mit der Rolle von Oberbürgermeister Feldmann bei der Awo haben sich gestern die Stadtverordneten in der Plenarsitzung befasst. Er musste sich umfassend erklären und rechtfertigen, seine frühere Tätigkeit bei der Awo betreffend.

Richter ist als Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes nach 27 Jahren zurückgetreten, nicht aber von seinem Amt als stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Wiesbaden. Dort war kürzlich seine Ehefrau Hannelore als Geschäftsführerin regulär ausgeschieden. Ihr nachgefolgt war der Sohn der Richters, Gereon. Auch er ist vor wenigen Tagen zurückgetreten wegen undurchsichtiger Verflechtungen zwischen den Kreisverbänden Wiesbaden und Frankfurt, und wegen überzogener Gehälter. 

von Sylvia A. Menzdorf

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