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Petra Rossbrey kandidiert für das neue Präsidium der AWO Frankfurt. 

"Wir müssen viel Vertrauensarbeit leisten"

AWO-Skandal Frankfurt - Petra Rossbrey kandidiert für das neue Präsidium

 Petra Rossbrey kandidiert für das neue Präsidium und will die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt aus der Affäre führen.

  • Neues von der AWO
  • Petra Rossbrey möchte ins Präsidium einziehen
  • Und den Arbeiterwohlverband aus Frankfurt aus der Krise führen

Frankfurt - Bei der außerordentlichen Kreisversammlung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Frankfurt stellte sich Petra Rossbrey als Kandidatin vor. Sie möchte am 15. Februar zur Vorsitzenden des Präsidiums gewählt werden. FNP-Redakteur Thomas J. Schmidt hat mit ihr gesprochen.

Wissen Sie schon, was bei der Awo auf Sie zukommt?

Ja. Ich habe in meinem beruflichen Leben schon öfter Organisationen neu aufgestellt und kenne viele Themen, um die es hier geht.

Also Betrug, Vorteilsnahme, mangelnde Kontrolle...

Ja, und eine Organisation in schwierigem Fahrwasser - alles Probleme, die auch viele andere Organisationen haben...

Jetzt könnten Sie aber auch Ihren Ruhestand genießen.

Ich bin in der Freistellungsphase der Altersteilzeit.

Warum machen Sie das? Warum hängen Sie sich mit der Awo diesen Stein an den Hals?

Ich bin gebeten worden, der Arbeiterwohlfahrt in der sehr schwierigen Phase zu helfen. Die Menschen, die mich gebeten haben, glauben, dass meine berufliche Erfahrung genau das ist, was die Awo jetzt braucht. Ich bin Sozialdemokratin aus Herzblut, und es hat mir sehr wehgetan zu sehen, wie die gute Arbeit der Ehrenamtlichen und der Hauptamtlichen der Awo durch diese Vorkommnisse und die Berichterstattung darüber diskreditiert wurden.

Wer hat sie gebeten?

Renate Wolter-Brandecker, Stella Schulz-Nurtsch und andere, denen die Arbeiterwohlfahrt am Herzen liegt.

Sie sind in der SPD, haben den Ortsverein Bornheim geleitet. Waren Sie auch in der Awo?

Nein, ich bin erst jetzt eingetreten. Aber ich kenne die Awo, besonders die ehrenamtliche Arbeit. Zum Beispiel war in Bornheim für mich immer Ulla Happ Vorbild, die dort viel ehrenamtliche Arbeit geleistet hat. Und natürlich kenne ich die Johanna-Kirchner-Stiftung und das August-Stunz-Zentrum.

Haben Sie eher Sympathie für die Altenarbeit oder die Jugendarbeit?

Das will ich gar nicht entscheiden. Beides ist gleich wichtig, um unsere Gesellschaft in Frankfurt zusammenzuhalten. Die Arbeiterwohlfahrt sorgt dafür, dass diejenigen, denen es nicht so gut geht, nicht allein gelassen werden.

Jetzt planen Sie, das Präsidium zu leiten. Es ist ja ein ehrenamtliches Gremium. Gleichzeitig müssen Sie einen Vorstand berufen und ihn kontrollieren.

Das ist die Aufgabe, aber es ist noch zu früh, über das alles zu sprechen. Jetzt hat erst mal die Basis das Wort. Die Ortsvereine haben das Heft in der Hand und sorgen für eine rechtssichere Wahl. Es ist allen klar, dass wir uns neu aufstellen und viel Vertrauensarbeit leisten müssen.

Wie schätzen Sie ihre Chancen ein, gewählt zu werden?

Ich stütze mich auf die, die mich gebeten haben, zu kandidieren, und bin zuversichtlich, dass ich die Unterstützung all derer haben werde, die eine Veränderung wollen. Darüber hinaus steht es natürlich jedem frei zu kandidieren.

Kann denn ein ehrenamtliches Präsidium die Geschäftsführung der Awo wirksam kontrollieren? 1100 Beschäftigte, ein Millionenumsatz - da müssten die Strukturen doch professionalisiert werden?

Ehrenamt und Professionalität schließen sich nicht aus...

In der Vergangenheit aber anscheinend doch.

Wir werden daraus unsere Lehren ziehen. Es haben sich schon viele gemeldet, die Kompetenzen mitbringen. Wenn sie gewählt werden, werden sie die Veränderungen unterstützen. Deswegen sind ja einige auf mich zugekommen und haben gesagt: Wir brauchen deine Erfahrungen.

Sie haben die GCS geleitet?

Die GCS Gesellschaft für Cleaning Services ist eine 100-prozentige Fraport-Tochter mit 700 Beschäftigten, die habe ich von 2013 bis 2019 als alleinige Geschäftsführerin geleitet.

Und das trotz ihrer sozialdemokratischen Vorbelastung?

Das ist kein Widerspruch. Ich kenne sehr viele Unternehmer mit einem hohen sozialen Anspruch und Gewissen. Ich meine, gute wirtschaftliche Unternehmensführung und Wertorientierung schließen sich nicht aus. Deshalb sehe ich darin keinen Gegensatz. Das ist ja genau mein Anspruch: Dem sozialen Anspruch der Awo Geltung zu verschaffen durch gute Unternehmensführung.

Haben Sie schon mit der alten Mannschaft gesprochen? Frau Kasperkowitz, Herr Roth, Herr Triantafillidis... Was sagen die?

Nein, ich habe noch nicht mit ihnen gesprochen. In dem Moment, wenn das Präsidium gewählt ist, werden wir uns mit den Personen und den Aufgaben beschäftigen.

Halten Sie es für möglich, dass diese Leute in den Positionen bleiben? Herr Triantafillidis ist ja gerade in Wiesbaden zurückgetreten.

Ich werde keiner Entscheidung des neuen Präsidiums vorgreifen. Und werde das auch nicht öffentlich diskutieren.

Wenn diese Leute nicht bleiben können, brauchen Sie einen neuen Vorstand und Sie müssen den Alten vielleicht noch Abfindungen zahlen...

Dass diese Fragen sich stellen, ist uns bewusst. Sobald wir im Amt sind, werden wir die richtigen Entscheidungen treffen.

Sie werden direkt zur Vorsitzenden gewählt?

Ja, die Delegierten wählen die oder den Vorsitzenden des Präsidiums direkt.

Halten Sie es für möglich, dass nachher ein Präsidium gewählt wird - die anderen zehn, oder Teile der anderen zehn - das nicht am selben Strang zieht wie Sie?

Ich bin überzeugt, dass alle, die jetzt für das Präsidium kandidieren, das Ziel haben, die Arbeiterwohlfahrt aus dieser schwierigen Situation herauszuführen. Ich glaube, dass sie alle ihre Kompetenzen und Sichtweisen einbringen und dass wir dann alle gemeinsam zu einer tragfähigen Lösung kommen.

Sie müssen den Müll beseitigen, den andere hinterlassen haben.

Das ist die Aufgabe.

Sie werden nicht nur Lob bekommen, sondern auch auf Widerstand stoßen.

Ja, aber das ist es, was meine berufliche Erfahrung ausmacht. Änderungen von Organisationen bedeuten auch, dass Menschen sich verändern müssen. Das geht nie ganz reibungslos, das muss man gestalten. Ich habe wahrgenommen, dass die Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt sich nach einem Neuanfang sehnen.

Gibt es denn schon elf Kandidaten für das Präsidium?

Derzeit nimmt die Geschäftsstelle die Bewerbungen entgegen. Die, die sich letzten Samstag gemeldet haben, sind kompetent und haben es sich zur Aufgabe gemacht, einen neuen Weg einzuschlagen. Der Weg stimmt. Er sieht steinig aus, aber ich bin optimistisch, dass wir das schaffen.

Ich bin zuversichtlich, dass ich die Unterstützung all derer haben werde, die eine Veränderung wollen.

Der Weg stimmt. Er sieht steinig aus, aber ich bin optimistisch, dass wir das schaffen.

Zur Person

Petra Rossbrey (60) ist Juristin, seit 30 Jahren am Flughafen beschäftigt. Seit 2013 ist sie alleinige Geschäftsführerin der Gebäudereinigungsfirma GCS. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit war unter anderem das Liegenschaftsmanagement. Petra Rossbrey ist 1977 mit 17 in die SPD eingetreten. "Einige Lehrer in Heppenheim waren erschrocken", sagt sie. Als die Grünen kurze Zeit später gegründet wurden, war Rossbrey schon "vergeben". Die Grünen waren für sie keine Alternative. "Ökologie ist wichtig", betont Petra Rossbrey, "aber eben auch die sozialen Anliegen und die Erhaltung der wirtschaftlichen Grundlagen. Wenn wir ein Braunkohlekraftwerk schließen wollen, müssen wir uns Gedanken machen, was mit den Arbeitnehmern geschieht." 1980 kam sie zum Studium von Heppenheim nach Frankfurt. Sie wohnt in Frankfurt, ist verheiratet, hat drei Kinder und inzwischen zwei Enkel.

Es möchte einfach keine Ruhe einkehren. Der neue Vorstand der AWO droht zu einer Farce zu werden.

Außerdem soll das neue Präsidium der AWO im Februar gewählt werden.

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