Eintracht Frankfurt

Aymen Barkok: ein Zauberlehrling auf Umwegen

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In Frankfurt trat Aymen Barkok auf der Stelle. Über den Umweg Düsseldorf versucht er, wieder in Schwung zu kommen – um dann wieder zurückzukehren?

Von Zeit zu Zeit stellt Aymen Barkok Bilder ins Netz und hat auch kein Problem, sich in aller Öffentlichkeit von seiner privaten Seite zu zeigen. Die Internet-Plattform Instagram nutzt der Zauberlehrling ebenso gerne wie manch anderer seiner nun ehemaligen Kollegen von Eintracht Frankfurt. Recht frische Schnappschüsse von seiner Marokko-Reise sind da zum Beispiel zu sehen, Barkok in Marrakesch mit einem Äffchen auf dem Kopf, oder ein auf der Hochzeit des Bruders entstandenes Familienbild. Am Mittwoch kam ein neues Foto dazu, diesmal beruflicher Art – Aymen Barkok mit einem roten Trikot in Händen, mit der Nummer acht und seinem Namenszug darauf, und einem kurzen Kommentar dazu: „Neue Herausforderung, Fortuna Düsseldorf!“

Den Medizincheck hatte der 20-Jährige am Dienstag bestanden, gestern wurde der Wechselfall mit seinen etwas komplizierteren Details endgültig vollzogen: Barkok wird vorerst für ein Jahr an den Aufsteiger in die Fußball-Bundesliga ausgeliehen. Für die Fortuna wurde eine Kaufoption in dem Vertragswerk verankert, für die Frankfurter gleichzeitig eine Rückkaufoption. In diesem Zusammenhang wurde Barkoks bislang bis 2020 laufender Eintracht-Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert.

„In der letzten Saison hatte er bei der Eintracht nicht die Möglichkeit, den Sprung in die Stammelf zu schaffen. Deshalb halten wir es für eine gute Lösung, dass er bei Fortuna Düsseldorf die Chance erhält, nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen“, erklärte der Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner, betonte aber auch: „Wir sind nach wie vor von Aymens Leistungsvermögen überzeugt.“

Der zuletzt ziemlich auf der Stelle tretende Senkrechtstarter nimmt einen neuen Anlauf bei einem alten Bekannten: dem ehemaligen Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel. „In seinem jungen Alter verfügt Aymen bereits über Erfahrung in der höchsten deutschen Spielklasse. Er ist ein spielstarker Mittelfeldspieler, der mit einer guten Technik und einer großen Laufbereitschaft überzeugt“, ist Funkel voll des Lobes. „Er wird uns weiterhelfen und hat noch ein großes Entwicklungspotential.“

Viel davon zeigen konnte Barkok in der Pokalsiegersaison nicht. Neun Bundesliga-Einsätze, nur zwei in der Startelf, waren enttäuschend für den Frankfurter Bub mit marokkanischen Wurzeln, aufgewachsen in der Nordweststadt. Zumal nach dem märchenhaften Anfang seiner Karriere auf großer Bühne: Im November 2016 hatte Trainer Niko Kovac den Youngster zum Auswärtsspiel bei Werder Bremen aus dem Hut gezaubert, und Barkok schoss nach seiner Einwechslung prompt das sehenswerte Siegtor in letzter Minute. Um in den Wochen danach genauso weiterzumachen, mit erfrischender Unbekümmertheit, als Traumtänzer im besten Sinn: Selbst die Branchengrößen von Borussia Dortmund trickste er nach Belieben aus, gegen Mainz 05 gelang ihm ein weiterer Treffer.

So mancher Eintracht-Fan fühlte sich da an herrliche Zeiten mit Jay-Jay Okocha erinnert, Barkok indes erging es erst einmal wie vielen Talenten: Schon in der folgenden Rückrunde ging die ihn ausmachende Leichtigkeit irgendwie verloren, beim Versuch, diese mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu mischen. Und in der nun vergangenen Runde setzte sich der Trend fort.

Deutliche Worte fand Junioren-Bundestrainer Frank Kramer vor ein paar Wochen, als die deutsche U 20 mit Barkok im Trainingslager in Südtirol als Sparringspartner für die Weltmeister dienten. „Aymen muss mehr Seriosität, Kontinuität und Verlässlichkeit in sein Spiel bekommen“, sagte er in einem Zeitungsinterview. Das mag ganz richtig sein. Vielleicht ist aber gerade das Bemühen um einen solchen Reifeprozess manchmal kontraproduktiv. Zuletzt wirkten die seltenen Auftritte Barkoks oft verkrampft – und vielleicht ist deshalb ein Tapetenwechsel mit der Aussicht auf mehr Spielpraxis da eine Befreiung.

Die Eintracht jedenfalls gibt die Hoffnung auf ihr Eigengewächs nicht auf. Deshalb hat man die Hintertür nach Frankfurt in das Vertragswerk eingebaut, da hat man von den Großen gelernt, aus leidvoller Erfahrung. In Klauseln dieser Art – wie etwa gerade bei Omar Mascarell, über den Real Madrid nach Gutdünken verfügen kann – mussten die Eintracht- Bosse einwilligen, weil sie den Spieler sonst gar nicht bekommen hätten. Bei Aymen Barkok konnten sie nun selbst die Bedingungen bestimmen und haben für den Fall, dass er auf dem Umweg Düsseldorf wieder durchstartet, alles in der Hand.

Übers Frühjahr hatte Barkok, bei allem Frust stets freundlich und fröhlich auftretend, durchblicken lassen, wieder mehr auf dem Platz stehen zu wollen. „Ich versuche, jedes Spiel zu spielen, meine Klasse unter Beweis zu stellen“, sagte er jetzt in einem kurzen Begrüßungsvideo beim neuen Arbeitgeber, wie sie im Profifußball üblich geworden sind. „Der Ball war schon immer an meiner Seite“, plauderte Barkok darin auch noch über seine Anfänge: „Nach der Schule Ranzen in die Ecke, raus auf den Bolzplatz oder gleich zum Training.“

Künftig wird er dabei von Friedhelm Funkel angeleitet, über den Barkok in Frankfurt „nur Gutes“ gehört hat. Ganz leicht wird ihm der Abschied aus der Heimat und von den Kollegen nicht fallen, das gilt auch umgekehrt. „My son, I’m gonna miss you!“, schrieb Linksverteidiger Jetro Willems unter Barkoks Düsseldorfer Instagram-Bild und wird nicht der einzige sein, der ihn in Frankfurt vermissen wird. „Hau rein und gib Gas“, gab ihm Abwehrrecke Marco Russ mit auf den Weg. Das würde auch die Chance auf ein Wiedersehen in Frankfurter Farben erhöhen.

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