Porträt

Ayurveda ist Kerstin Rosenbergs Leidenschaft

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Kerstin Rosenberg hat nicht nur ihr Hobby, sondern ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Schon als Jugendliche begeisterte sich die Ayurveda-Expertin und gebürtige Frankfurterin für indische Heils- und Lebenskunde.

Seinen Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ beginnt Marcel Proust mit der Erinnerung an den Geschmack der Madeleines, die er im Garten seiner Großmutter aß. Daran muss man im Gespräch mit der Ayurveda-Unternehmerin Kerstin Rosenberg denken, wenn sie von ihrer Jugend in Frankfurt erzählt. Denn eine ganz zentrale Rolle darin spielt der Garten ihrer Großmutter mit den Kräutern für die Grüne Soße, dem Frankfurter Nationalgericht.

Dort, am Huthpark , wo einst dieser Garten war, fließt heute der Autobahnverkehr, ein verlorenes Natur-Paradies also. Doch Kerstin Rosenberg hat sich nicht damit begnügt in Erinnerungen zu schwelgen, sondern sich gleichsam ein neues Paradies geschaffen.

Vor 25 Jahren gründete sie mit ihrem Ehemann Mark ein Ayurveda-Zentrum in Obersotzbach bei Birstein. Bereits im Alter von 14 Jahren begann sich Kerstin Rosenberg, angeregt durch Bekannte, für Yoga zu interessieren. „Ich war ein Kind, das schon immer neugierig war und viele Fragen gestellt hat“, erzählt die gebürtige Frankfurterin, die in Kelkheim aufgewachsen ist. Schon als Siebzehnjährige reiste sie – vermittelt durch einen Yoga- Lehrer – das erste Mal nach Indien. Sie wohnte dort bei einer Apothekerfamilie und wurde bald mit Ayurveda (dem „Wissen vom Leben“), vertraut gemacht. „Ich bekam von den Frauen in Indien sehr viel vom traditionellen Hausfrauen-Wissen vermittelt“, erzählt Rosenberg. Sie schätzt an Ayurveda bis heute das Undogmatische, leicht ins Leben Umsetzbare. „Schon mit einer kleinen Umstellung der Ernährung könnten viele Menschen ihre Lebensqualität deutlich erhöhen.“ Nach ihrer Überzeugung ließen sich etwa 40 Prozent aller Gesundheitsproblematiken durch Ayurveda beheben.

In Sachen Yoga und Ayurveda war Kerstin Rosenberg eine echte Pionierin. In Frankfurt war sie schon im Alter von 18 am Mahindra-Institut in der Frankfurter Hasengasse engagiert und leitete später auch dieses Zentrum. Dann kam die Unternehmensgründung in Obersotzbach, was damals für die junge Familie mit zwei Kindern (ein drittes kam später noch hinzu) auch ein finanzielles Wagnis war.

Doch ihr Grundoptimismus, den Kerstin Rosenberg in jeder Sekunde des fast zweistündigen Gesprächs ausstrahlt, half ihr über alle Zweifel und Klippen. Und: Kreativität liegt ihr im Blut. Ihr Vater war Designer, die Familie hat Rosenberg („ursprünglich wollte ich Visagistin werden“) bei ihrem Aufbruch in Richtung asiatische Lebenskunst stets unterstützt.

Und das war gut so: Inzwischen hat sie bereits 14 Bücher über Ayurveda geschrieben, und das Gesundheits- und Kurzentrum bei Birstein ist zum mittelständischen Unternehmen gewachsen. 70 bis 80 Mitarbeiter sind für den Betrieb tätig. Aber Rosenberg ist es wichtig zu betonen: „Wir sind langsam gewachsen. Zuviel Quantität geht schnell auf die Qualität. Wir machen nur das, was wir können.“ Weil der gute Ruf trotz der Expansion stets erhalten blieb, kann man hier sogar einen Master in Ayurveda-Medizin erwerben. Hunderte von Absolventen haben von dieser Möglichkeit schon Gebrauch gemacht. Außerdem werden weiter Ayurveda-Kuren und Gesundheitsberatungen, etwa durch den regelmäßig anreisenden indischen Arzt Dr. S. N. Gupta, angeboten.

Anfangs war das Zentrum im dörflichen Obersotzbach durchaus kritisch beäugt worden. Die Rosenbergs galten, als sie 1993 im Vogelsberg ankamen, als Exoten. Aber schnell erkannten die Einheimischen, dass hier auch Arbeitsplätze entstehen. Außerdem half sicherlich, dass die Rosenbergs, die schon seit Schulzeiten liiert sind, trotz ihrer fernöstlichen Ausrichtung mit ihren Kindern eine ganz normale Familie bilden. Ähnlich wie bei Tigerpalast-Chef Jonny Klinke ist hier quasi frühes Abenteurertum in bürgerliches Unternehmertum eingeflossen und fruchtbar gemacht worden. Natürlich wird in Obersotzbach auch Geld verdient, aber Grundlage des Erfolges ist eben Freude und Leidenschaft, an dem was man tut.

Obwohl sie mit ihrer Familie schon lange in Fulda lebt und im Vogelsberg arbeitet, hat Kerstin Rosenberg ihre Frankfurter Wurzeln nicht vergessen. Um die Anbindung des Instituts an ihre Geburtsstadt wieder zu verstärken („nicht jeder will für Vorträge oder Konsultationen extra in den Vogelsberg fahren“), gibt es jetzt auch wieder eine Frankfurter Dependance des Unternehmens. Im März wurde in Sachsenhausen das Café ’AyurSoul’ eröffnet. Hier gibt es neben indisch angehauchtem Speis’ und Trank auch Vorträge und Kochkurse, in denen Menschen mit wenig Zeit lernen, wie sie sich entsprechend ihrer Konstitution gesund ernähren können. Ayurveda könne sehr individuell nutzbar gemacht werden, sagt Rosenberg. Daher müsse man für ayurvedische Ernährung auch nicht unbedingt Lebensmittel aus Indien importieren,. Sondern man müsse vielmehr die entsprechenden Erkenntnisse auf hiesige Verhältnisse übertragen. In diesem Sinne empfiehlt Rosenberg die hier häufig vorkommende Walnuss. Diese sei nahrhaft, schmackhaft und habe eine beruhigende Wirkung. Ayurveda geht also auch mit natürlicher Kost aus der Region – so wie damals in Großmutters Garten.

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