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Die Verkäuferin Ute Grothe und die Betriebsleiterin Heike Fischer bedauern, dass der Bärengarten den Betrieb einstellen muss.

Bio-Integrationsbetrieb

Bärengarten muss nach sechs Jahren aufgeben

Die integrative Gemüse-Gärtnerei stand zuletzt kurz vor der Insolvenz. Die Mitarbeiter sind enttäuscht. Sie hatten noch viele Ideen, wie man den Hof zum Laufen bringen könnte.

„Meine Aufgabe war es, die Aussaaten zu machen“, sagt Barbara Kuhnke. Klitzekleine Feldsalatblättchen wachsen aus den Saatbeeten auf langen Tischen im Gewächshaus. Rucolapflänzchen wachsen unter der Folie. „Jungpflanzen, vor allem ohne Gentechnik, werden stark nachgefragt“, sagt die Betriebsleiterin Heike Fischer. „Viele Gärtnereien und Gastronomen haben sie bei uns gekauft und fragen sich schon, wie sie nächstes Jahr zu ihren Pflanzen kommen.“

Dass die Gärtnerei Bärengarten schließen muss, enttäuscht nicht nur die Abnehmer, sondern vor allem die langjährigen Mitarbeiter. „Meine Arbeit habe ich sehr gern gemacht“, sagt Barbara Kuhnke, die seit 2012 dabei war. Auch eigene Ideen konnte sie umsetzen: „Ich habe viel Eberraute angepflanzt, daraus kann man Tee machen, der Krebskranken hilft, das Immunsystem zu verbessern.“ Sie war selbst einst sehr krank, der Tee half ihr. „Es hat mich glücklich gemacht, das anbauen zu können.“

Jedes Jahr draufgelegt

Fünf Vollbeschäftigte und acht Minijobber hatten in Gärtnerei, Verkauf im Hofladen und Büro ihren Arbeitsplatz, ein Fahrer lieferte täglich Kräuter und Gemüse an Restaurants und Kantinen aus. Noch ein paar Wochen. Dann wird der Betrieb eingestellt, der Pachtvertrag läuft bis zum 31. Dezember.

Der Betreiber, das Frankfurter Integrationsunternehmen fbb (Frankfurter Beschäftigungsbetrieb gGmbH), der unter anderem einen Botendienst und einen Concierge-Service betreibt, gibt sein „größtes und schwierigstes Projekt“ auf, wie es der Vorstandsvorsitzende Egbert Koeppen bezeichnet. „Unsere Rücklagen sind aufgebraucht – wir haben es probiert, sind jedoch daran gescheitert, kostendeckend zu arbeiten“, bedauert er. Jahr für Jahr mussten um die 50 000 Euro draufgelegt werden. Als im Frühjahr dieses Jahres der Geschäftsführer plötzlich verstarb, war es ganz aus: „Es fehlt eine Führungsperson“, so Koeppen. Jemand, der die Übersicht hat und die Zeit, Ideen und Konzepte auszuarbeiten.

Gelände nicht groß genug

An Fachkenntnissen mangelte es dem Gärtner-Team indes nicht, vielmehr an Zeit. Die brauchten sie, um die schwerbehinderten Mitarbeiter richtig anzuleiten. „Diese können zudem nicht so viel leisten wie Arbeiter in einem Normalbetrieb“, erklärt Gärtnerin Heike Fischer. „Ein Arbeiter in einem konventionellen Betrieb packt 100 Bund Petersilie pro Stunde, ein Schwerbehinderter schafft das nicht.“

Auch die mittlere Größe des Betriebs sei problematisch gewesen, um den Umsatz zu steigern: „Wenn ein Restaurant auf die Schnelle 20 Kilo Rote Beete braucht, wir aber nur zehn Kilo liefern können, ist es nicht optimal“, erklärt Fischer. Auf 1,7 Hektar wächst viel, aber eben nicht viel von allem.

Dabei sei der Bio-Anbau nach wie vor eine lukrative Nische, man müsse sie nur mit dem richtigen Konzept ausfüllen, ist Heike Fischer überzeugt. Wildkräuter, Kamille, Grüne-Soße-Kräuter in Bioland-Qualität, all das wurde im Bärengarten angebaut, nur eben nicht rationell genug, um davon leben zu können. Um das Gelände des Bärengartens instand zu halten, wären dringend Investitionen fällig geworden. Die alten Gewächshäuser stammen noch aus der Nachkriegszeit. Eine moderne Saataufzucht hat ein Bewässerungssystem, das die Pflanzen von unten nass hält. „Wir haben noch nach alter Manier von oben gegossen. Das hilft den Pflanzen nicht viel, denn sie werden leicht welk“, erklärt Barbara Kuhnke.

Egbert Koeppen ist zuversichtlich, dass die Mitarbeiter mit Handicap in anderen städtischen Betrieben unterkommen. In der Werkstatt arbeiten, ist aber was anderes als auf dem Feld: „Gärtnern tut Körper und Seele gut“, davon ist Barbara Kuhnke überzeugt. „Seit ich hier arbeite, bin ich nicht mehr krank geworden, außer vielleicht eine Erkältung.“

VON STEFANIE WEHR

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