Erst das Gras, dann die Erde: Schicht für Schicht trägt der Bagger ab, unter den wachsamen Augen von Rolf Skrypzak. Der Grabungsleiter des Denkmalamts musste lange darauf warten, wieder nach römischen Fundstücken suchen zu können. FOTO: leonhard hamerski
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Erst das Gras, dann die Erde: Schicht für Schicht trägt der Bagger ab, unter den wachsamen Augen von Rolf Skrypzak. Der Grabungsleiter des Denkmalamts musste lange darauf warten, wieder nach römischen Fundstücken suchen zu können.

Die Römer in Frankfurt

Bagger gräbt sich bis nach Nida

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Auf dem ehemaligen US-Areal hat das Denkmalamt mit den Arbeiten begonnen

Als der Bagger seinen Motor anwirft, wird es laut auf dem Areal "In der Römerstadt 126 - 134". Das denkt sich auch die schwarz-weiß gefleckte Katze, die das Geschehen von ihrem Platz unter einem Busch beobachtet und schnell die Flucht ergreift. Der Baggerführer lenkt das große gelbe Fahrzeug einige Meter zurück, der Ausleger hebt und senkt sich. Langsam bewegt sich die Baggersschaufel mit ihren Zähnen über den Boden, rund 70 Zentimeter dick ist die Grasschicht, die sie abträgt, Zentimeter für Zentimeter. Es riecht nach feuchter frischer Erde. Vom Gehweg aus blickt ein älterer Herr durch den hohen Zaun. "Was wird denn hier gemacht?", fragt er. Als er erfährt, dass das Areal auf Reste der römischen Stadt Nida (ca. 75 bis 260 n. Chr.) untersucht wird, sagt er nur "Aha" und setzt seinen Weg vor.

Es fehlen noch 3000 Quadratmeter

Gestern hat das Denkmalamt auf dem Grundstück, das nach dem Zweiten Weltkrieg von den US-Amerikanern genutzt wurde, wieder mit weiteren Ausgrabungen begonnen. Denn aktiv ist die städtische Behörde dort bereits seit 1991. Rund 6000 Quadratmeter, sagt Rolf Skrypzak, seien mittlerweile untersucht worden. 3000 fehlen noch. Zunächst nehme man sich das kleine Eckgrundstück vorne rechts vor, im Anschluss sollen die Baracken, Hinterlassenschaften der US-Amerikaner, abgebrochen und auch dort der Boden untersucht werden.

Rolf Skrypzak ist als Grabungsleiter des Denkmalamts quasi der Chef bei den Ausgrabungen. Oder besser gesagt den Vorbereitungen. Denn ausgegraben, sagt der Mann mit dem langen Bart, werde dort zunächst nichts. "Wir fangen ja gerade erst an", sagt er und versucht, seine Nervosität zu überspielen. Was aber nur teilweise gelingt. Sicher sei er aufgeregt, gibt er dann auch offen zu. Ein Jahr lang habe er mit den Füßen gescharrt. Denn in den vergangenen Monaten war er mehr im Büro als an der frischen Luft. Länger als drei Tage am Stück, sagt er, sei er nicht draußen gewesen. In seinem Job eher ungewöhnlich.

Ein Töpferofen und zwei Steinkeller

Deswegen und auch, weil es sich bei dem Areal in der Römerstadt um ein ganz besonderes handelt, ist er eben aufgeregt. Und neugierig, was sich im Boden finden wird. Dass dem so sein wird, darin sind sich die Experten einig. Sind die Archäologen bei den bisherigen Grabungen doch bereits auf einen gut erhaltenden Töpferofen, zwei Steinkeller sowie auf Spuren diverser Holzgebäude gestoßen.

Diese Funde sind auch der Grund, warum sich der Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) seit fast 30 Jahren dafür einsetzt, diese in Form eines Römerparks an Ort und Stelle für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die ABG-Holding, Eigentümerin des Areals, möchte hingegen dort 190 Wohnungen samt Tiefgarage bauen (wir berichteten mehrfach).

Mit Aussagen dazu hält sich Rolf Skrypzak verständlicherweise zurück. Für ihn zählt vielmehr, was auf dem Grundstück gefunden wird. Nach jeder Abtragung, erklärt er, werde der Boden untersucht. Millimetergenau.

Schlummert darin etwas, erkennt er es sofort. "An den Verfüllungen", sagt er. Bei dem Eckgrundstück gibt es allerdings eine Herausforderung. Denn dort stand einst ein Latscha-Lebensmittelmarkt, der von Josef Latscha 1882 gegründeten und bis in die 1970er-Jahre mit über 250 Filialen im Rhein-Main-Gebiet vertretenen Einzelhandels-Kette. Und dieser Mark besaß einen Keller, auf den die Bagger in der Römerstadt sicher schon bald stoßen werden.

Wann dies so weit sein wird und auch wann die ersten Funde entdeckt werden, dazu möchte Skrypzak keine Prognose abgeben. "Das weiß man vorher nie", sagt er und hat dabei wie stets ein Auge auf den Bagger gerichtet. Der arbeitet sich derweil weiter langsam vor, mit seinem gelben Ausleger. Auf dem übrigens das Konterfei eines ausgrabenden Erdmännchens prangt - das Logo der gleichnamigen Firma. Wie passend. judith dietermann

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