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Züge über Flughafen und Hauptbahnhof: S-Bahn fährt wochenlang enorm reduziert

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Es fahren nur wenig Züge auf zahlreichen S-Bahn-Linien. Wie hier an der Station Gateway Gardens nahe des Flughafens gibt es lange Wartezeiten.
Es fahren nur wenig Züge auf zahlreichen S-Bahn-Linien. Wie hier an der Station Gateway Gardens nahe des Flughafens gibt es lange Wartezeiten. © Leonhard Hamerski

Stark reduziert fährt derzeit die S-Bahn. Der Flughafen Frankfurt und die Stammstrecke in Frankfurts Innenstadt sind besonders betroffen.

Frankfurt -Auf fast allen S-Bahn-Strecken rund um Frankfurt kommt es derzeit zu Störungen. Auf einigen Linien fahren Bahnen nur halb so oft wie üblich, auch der Flughafen Frankfurt ist davon betroffen. In der Stoßzeit fallen auf der Stammstrecke der S-Bahn, im City-Tunnel unter der Frankfurter Innenstadt ein Viertel aller Fahrten aus.

Ursache ist eine Melange aus lange geplanten Baustellen und solchen, die kurzfristig nötig wurden. Erst prallt ein Lastwagen an der A5 gegen eine Bahnbrücke, die muss nun repariert werden, und die S5 nach Bad Homburg kann bis Mitte Mai nur alle 30 statt 15 Minuten fahren. Daraus zusätzlich resultierende Verspätungen bringen auch die S3 und S4 aus dem Takt.

S-Bahn entgleist in Rüsselsheim - S8 zum Flughafen Frankfurt fällt fast komplett aus bis Mitte März

Dann entgleist am vorigen Mittwoch (23.02.2022) eine S-Bahn in Rüsselsheim. DB Netz muss die Strecke erneuern, das soll bis Mitte März dauern. Daher lässt die Bahn die S9 nur noch alle 30 Minuten von Hanau via Flughafen bis Rüsselsheim fahren und hat alle Fahrten der S8 hier gestrichen - außer den Pendelfahrten in der Stoßzeit zwischen Hauptbahnhof Frankfurt und Kelsterbach. Da Regional- und Fernzüge über Höchst umgeleitet werden müssen, streicht die Bahn wegen voller Gleise dort jede zweite S1. Hinzu kommen geplante Arbeiten, derentwegen auch noch die S6 zeitweise ausfällt und die die Fahrpläne von S1 und S2 ausdünnen.

Deutsche Bahn: "Keiner ist zufrieden damit"

"Eine so massive Reduzierung des Angebots ist nicht akzeptabel", sagt Christian Behrendt vom Fahrgastverband Pro Bahn & Bus. "Auch im Hinblick auf Corona." Es müsse Abstand gehalten werden, daher bräuchten Fahrgäste so viel Platz wie möglich. Das gelte besonders auf der Innenstadt-Strecke: "Da ist es ja schon bei normalen Betrieb sehr voll." Mehr als eine halbe Million Menschen fahren jeden Tag mit der S-Bahn.

"Wir sind nicht glücklich, wie es läuft", sagt eine Sprecherin der S-Bahn, bei der die DB bittet, ihren Namen nicht zu nennen. "Keiner ist zufrieden damit", dass sich die Störungen durch geplante und ungeplante Arbeiten überlagerten. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), der die S-Bahn bestellt und bezahlt, sieht die Verantwortung bei der DB. Man bringe aber "Vorschläge bzw. Forderungen ein", sagt RMV-Sprecher Maximilian Meyer. Nicht erbrachte Fahrten würden auch nicht bezahlt.

Deutsche Bahn erklärt, warum nicht mehr geht - und lässt doch spontan die S1 wieder öfter fahren

Mit Unverständnis reagieren Fahrgäste darauf, dass S-Bahnen auch auf Abschnitten ausfallen, wo es keine Störungen oder Überlastung gibt: auf dem stark nachgefragten Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Flughafen, bei der S1 zwischen Offenbach und Griesheim und der S5 zwischen Frankfurt-Süd und Rödelheim. Beim Wenden in Rödelheim gebe es "Kreuzungskonflikte bei der Ein- und Ausfahrt" mit den Zügen, die aus Oberursel ankommen, erklärt die Sprecherin der Deutschen Bahn. "Wir haben das probiert, aber das ist nicht stabil durchführbar." Immerhin: Seit Mittwochnachmittag sollte die S1 zwischen Ober-Roden und wenigstens Höchst wieder komplett nach Fahrplan rollen.

Zum Flughafen hin ist die Strecke nicht nur frei, es gibt durch die umgeleiteten Züge sogar Extra-Kapazitäten. Und es fahren wochentags von 6 bis 10 und 15 bis 19 Uhr die Kurzpendel, die auf Gleis 21 in der Haupthalle starten und enden. Die Fahrzeuge stehen in der übrigen Zeit herum. Warum fahren sie nicht von früh bis spät? "Das geht nicht so kurzzeitig", sagt die Bahn-Sprecherin. "Dahinter stecken Planungsprozesse, die nicht über Nacht möglich sind."

Pro Bahn & Bus warnt: "Wegen so etwas wandern Fahrgäste ab"

Eine Task-Force der S-Bahn bemühe sich fortlaufend darum, das Angebot so gut wie möglich aufrecht zu erhalten, so die Sprecherin. "Wir versuchen noch, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen." Zu mehr als dem Einsatz von durchgehend Langzügen auf der S9 hat es bisher aber nicht gereicht - worauf der RMV nach eigenen Angaben gedrängt hat.

Das Problem fehlender Gleiskapazitäten erkennt Christian Behrendt an. "Es muss endlich mehr ausgebaut werden." Die vorhandenen Kapazitäten "sollten auch genutzt werden, wenn sie da sind". Die aktuellen Einschränkungen seien sehr lästig und "nicht hinnehmbar, auch im Hinblick auf die Verkehrswende", mahnt der langjährige Nahverkehrsaktivist von Pro Bahn & Bus. "Wegen so etwas wandern Fahrgäste ab aufs Auto." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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