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Jetzt schnell, der Beton wird hart! Arbeiter gießen die Sohle des Bahntunnels im Stadtteil Gateway Gardens am Flughafen.

Nahverkehr

Bahn investiert derzeit 700 Millionen Euro in Verbesserungen des Schienennetzes

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Schneller und pünktlicher soll der Schienenverkehr in Frankfurt werden. An derzeit drei Stellen gräbt und buddelt die Bahn, verdichtet die Erde, verlegt Gleise. Unter anderem in Gateway Gardens, wo ein zwei Kilometer langer Eisenbahntunnel mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 in Betrieb gehen soll. Es ist der längste derzeit in Bau befindliche Tunnel Deutschlands.

In Höhe des Hyatt-Hotels im Stadtteil Gateway Gardens am Flughafen beginnt die künftige S-Bahn-Station. „Der Tunnel verbreitert sich hier auf 19 Meter“, sagt Uwe Schmidt, Projektleiter für die Baustelle. 18 Meter ist die Grube tief, in der die neue Bahnlinie in offener Bauweise entsteht. Über den Tunnel führt eine Straße zum Hyatt, weitere Brückenkonstruktionen tragen die Versorgungs- und Entsorgungsleitungen des Hotels. Die Außenmauer der Hoteltiefgarage liegt derzeit bloß. „Es gibt keine Probleme“, versichert Schmidt. Der Hotelbetreiber sei von Anfang an über das Projekt informiert gewesen.

An dem zwei Kilometer langen Tunnel wird an fünf Stellen gleichzeitig gearbeitet. Am südöstlichsten Punkt ragt der offene Tunnelgraben bereits an die Autobahn A 5 heran. Durchstoßen wird er in den kommenden Wochen. Die Trasse der S-Bahn wird zwischen den Stationen Stadion und Flughafen künftig durch den neuen Stadtteil verlaufen und einen zusätzlichen Halt bekommen. Die Strecke ist insgesamt vier Kilometer lang, die Kosten belaufen sich – Stand gestern – auf 258,7 Millionen Euro.

„Wir bauen einen Tunnel mit zwei Gleisen“, erläutert Schmidt. „In der Station wird die Tunneldecke gewölbt errichtet.“ Die spätere Höhe der Station beträgt neun Meter. Gigantisch die Zahlen:

150 000 Kubikmeter Beton

und 30 000 Tonnen Stahl werden verbaut, 950 000 Kubikmeter Erde und Stein wurden ausgehoben.

Gebaut wird auch am Frankfurter Berg, in quasi ländlicher Idylle neben dem Bahnübergang Bonameser Straße, der nur auf Anforderung öffnet. Dort ist eines der beiden Gleise seit Beginn der Sommerferien abgebaut. „Wir verbessern den Untergrund, verfestigen ihn, und verlegen das Gleis um 30 Zentimeter Richtung Osten“, sagt Projektleiter Julian Fassing. Bis zum Ende der Ferien sollen die Züge zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel wieder zweigleisig fahren. Die jetzige Maßnahme ist Teil des viergleisigen Ausbaus der stark beanspruchten Verbindung, die in einer zweiten Ausbaustufe bis Friedberg fortgeführt werden soll. Wie berichtet, erhält die S-Bahn eigene Gleise. Dadurch verbessert sich die Pünktlichkeit, und mit einem einheitlichen 15-Minuten-Takt soll die S-Bahn-Verbindung attraktiver werden. „Man vergisst ja immer, warum wir das machen“, sagt Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). „Es geht darum, Verkehr auf die Schiene zu bringen.“

Für die Anwohner ist der Ausbau dennoch ärgerlich. Immerhin erhalten sie jetzt Lärmschutz, den es bisher nicht gibt. „Es ist halt sehr eng in Eschersheim und Ginnheim“, sagt Fassing. Die Bahn braucht private Grundstücke, doch 25 Anrainer wollten nicht verkaufen. Dennoch wurde mit dem Ausbau begonnen. Das war möglich, weil die Enteignung eingeleitet wurde. Die Kosten für das Vorhaben belaufen sich auf 323 Millionen Euro, die Strecke wird voraussichtlich 2022 in Betrieb genommen.

Auch ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs baut die Bahn: Der Homburger Damm im Gallus zwischen der Mainzer Landstraße und der Nordseite des Hauptbahnhofs erhält auf 800 Metern Länge ein zweites Gleis. Dieses entsteht an der S-Bahn-Abstellanlage parallel zur Weilburger Straße. Derzeit laufen an der Baustelle die Gründungsarbeiten für die Rampe, welche die Züge Richtung Limburg nehmen werden, um dann entlang einer Betonbrücke auf die bestehende Strecke zu gelangen. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der Strecke zu erhöhen und den Verkehr flüssiger zu gestalten. Die Kosten für dieses Vorhaben belaufen sich auf 130 Millionen Euro, fertiggestellt wird es Ende 2023.

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